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Siebzehn Kilometer über Land – Schleswig und Hollingstedt um 1100

Ein Schiff aus der Nordsee fährt die Eider hinauf und folgt der Treene bis Hollingstedt. Dort endet die Fahrt. Die Ostsee liegt nur siebzehn Kilometer entfernt, doch zwischen dem Anleger und Schleswig erstreckt sich festes Land. Die Kaufleute lassen ihre Ladung aus dem Schiff holen und auf Wagen nach Osten bringen. Erst an der Schlei erreicht sie wieder einen Hafen.

Wer auf dem Wasser bleiben wollte, musste Jütland umrunden. Besonders die Fahrt um Skagen galt als gefährlich. Der Weg über Hollingstedt und Schleswig ersparte den Schiffen diesen Abschnitt, zwang die Kaufleute jedoch zu einem zusätzlichen Landtransport.

Adam von Bremen beschreibt um 1075 einen regen Verkehr durch Schleswig. Von dort fuhren Schiffe zur slawischen Ostseeküste und nach Schweden. Andere Reisende kamen aus dem Westen über die Nordsee. Zwischen dem neunten und dem zwölften Jahrhundert gehörte die Region um Haithabu und Schleswig zu den wichtigsten Handelsplätzen Nordeuropas.

Die Quellen nennen verschiedene Wege, auf denen Geschäfte zustande kamen. Manche Kaufleute trafen sich direkt in Schleswig und tauschten dort ihre Waren. Andere reisten weiter. Händler aus dem Westen gelangten über die Landbrücke in die Ostsee, während Waren aus dem Osten über Schleswig Absatzmärkte bis nach London und Südfrankreich erreichten.

Geld aus Westfalen

Wie weit diese Verbindungen ins Binnenland reichten, zeigt eine Vorschrift aus Medebach. Die kleine westfälische Stadt lag weit entfernt von der Küste. Dennoch regelte sie, was geschehen sollte, wenn ein Bürger einem anderen Geld für eine Handelsfahrt nach Dänemark oder Russland anvertraute: Vertrauenswürdige Mitbürger mussten die Übergabe bezeugen.

Der Geldgeber musste also nicht selbst reisen. Er konnte einen Kaufmann ausstatten und auf einen Anteil am Gewinn hoffen. An Orten wie Schleswig wechselten deshalb nicht nur Felle, Wachs oder Tuche den Besitzer. Hier liefen auch die Geschäfte vieler Menschen zusammen, die Hunderte Kilometer entfernt lebten.

Die Ladung einzelner Schiffe lässt sich nur selten rekonstruieren. Klarer zeichnen sich die großen Handelsrichtungen ab. Aus dem Ostseeraum gelangten vor allem Rohstoffe nach Westen. In der Gegenrichtung brachten die Kaufleute Tuche und andere Waren aus westlichen Werkstätten.

Eine ältere Handelswelt

Lange vor dem Aufstieg Lübecks und der Hanse nutzten Kaufleute aus verschiedenen Sprachräumen dieselben Häfen und Wasserwege. Niederdeutsche Händler bildeten eine von mehreren Gruppen.

Der Weg zwischen Hollingstedt und Schleswig bezeugt diese ältere Handelswelt. Im zwölften Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt allmählich nach Süden. An der Trave entstand ein neuer Hafen, der bestehende Verbindungen an sich zog. Für seinen Aufstieg nutzte Lübeck Wege und Kontakte, die andere Kaufleute längst erschlossen hatten.


Zum Weiterlesen

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Hammel-Kiesow, R. (2025): Die Hanse.*

Wubs-Mrozewicz, J.; Jenks, S. (Hrsg.) (2013): The Hanse in Medieval and Early Modern Europe.*

Bildnachweis

Titel: Die Treene bei Hollingstedt. Wikimedia Commons, Dirk Ingo Franke. CC BY-SA 3.0.

Karte: Wikimedia Commons, Begw. CC BY-SA 3.0.

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