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Wie Havanna 1762 an die Briten fiel

Am Morgen des 6. Juni 1762 meldete ein Wachposten auf der Festung El Morro eine große Flotte vor Havanna. Gouverneur Juan de Prado blickte durch ein Fernrohr auf die britischen Schiffe und hielt sie zunächst für einen Handelskonvoi. Aus Madrid war die Nachricht abgesandt worden, dass Spanien und Großbritannien nun Krieg führten. Das Schiff mit dieser Nachricht hatten die Briten jedoch abgefangen.

Havanna war für Spanien ein wichtiger Hafen und Standort einer großen Werft. Mehrere Festungen schützten die schmale Einfahrt zur Bucht. Die britischen Befehlshaber George Keppel, Graf von Albemarle, und Admiral George Pocock wollten die Stadt im Siebenjährigen Krieg erobern. Ihre Flotte fuhr zunächst an der Hafeneinfahrt vorbei. Am folgenden Tag gingen Soldaten östlich von Havanna an Land.

Der Kampf um El Morro

Albemarles Männer rückten über Land auf El Morro vor. Die Festung bewachte die Hafeneinfahrt, doch östlich davon lag die kaum befestigte Höhe von La Cabaña. Dort brachten die Briten ihre Geschütze in Stellung.

Prado ließ drei spanische Kriegsschiffe in der Hafeneinfahrt versenken, um den Schiffen der Angreifer den Weg zu versperren. Er rief Soldaten und Milizen zur Verteidigung. Unter ihnen waren freie Schwarze; auch versklavte Männer kämpften mit. Prado versprach ihnen für ihren Einsatz die Freiheit. Ende Juni griff eine Gruppe versklavter Verteidiger britische Soldaten an und nahm mehrere gefangen. Prado ließ diese Männer daraufhin frei.

Die Belagerung zog sich hin. Hitze und Gelbfieber schwächten die britischen Truppen; auch in Havanna starben Menschen an der Krankheit. Ende Juli traf Verstärkung aus den nordamerikanischen Kolonien ein. Am 30. Juli ließen die Angreifer eine Mine unter der Festungsmauer explodieren und stürmten El Morro durch die Bresche. Der spanische Kommandant Luis de Velasco wurde tödlich verwundet. Von der eroberten Festung aus konnten die Briten nun Havannas übrige Verteidigungsstellungen beschießen. Mitte August kapitulierte die Stadt.

Haupttor zur Festung

Ein offener Hafen

Albemarle übernahm die Verwaltung Havannas. Der Stadtrat blieb im Amt, und die Einwohner durften ihren katholischen Glauben weiter ausüben. Zugleich beseitigte der neue Gouverneur spanische Handelsabgaben. Britische Kaufleute kamen in den Hafen, darunter Händler aus den nordamerikanischen Kolonien.

Für die Zuckerpflanzer um Havanna war vor allem der Zugang zu Schiffen wichtig, die versklavte Afrikaner verkauften. Während der britischen Besatzung wurden mehrere Tausend Menschen nach Kuba gebracht und dort verkauft. Die Pflanzer konnten damit ihre bereits vorhandenen Betriebe erweitern. Die Besatzung dauerte knapp elf Monate, doch die neuen Handelsverbindungen wirkten über sie hinaus.

Havanna für Florida

In Europa verhandelten die Kriegsgegner inzwischen über Frieden. Spanien wollte Havanna zurück; Großbritannien erhielt dafür Florida. Der Frieden von Paris regelte den Tausch 1763. Im Juli traf der neue spanische Gouverneur, der Graf von Ricla, in Havanna ein.

Ricla musste noch ein Versprechen aus der Belagerung erfüllen. Versklavte Männer, die für Spanien gekämpft und ihre Freiheit bisher nicht erhalten hatten, trugen ihm ihre Fälle vor. Er ließ mindestens 156 von ihnen frei. Außerdem begann er, auf der Höhe von La Cabaña eine Festung errichten zu lassen. Von genau diesem Hügel aus hatten die Briten ein Jahr zuvor den Angriff auf El Morro vorbereitet.


Zum Weiterlesen

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Ferrer, A. (2022): Cuba: An American History.* Darstellung der Eroberung im Zusammenhang mit der frühen Geschichte der Karibik.

Bethell, L. (Hg.) (2009): Cuba: A Short History.* Der Beitrag von Hugh Thomas behandelt die Besatzung und die Entwicklung der kubanischen Zuckerwirtschaft.

Bildnachweis

Titel: Festung El Morro.

Tor: Wikimedia Commons, Mariordo. CC BY-SA 4.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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