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Kuba 1511 – Die Eroberung einer bewohnten Insel

Am 28. Oktober 1492 erreichte Christoph Kolumbus Kubas Nordostküste. Er traf auf eine Insel mit Dörfern und Feldern, blieb aber nur wenige Wochen. Besonders im Osten und in der Mitte lebten viele Menschen in Siedlungen unter der Führung lokaler Anführer, die die Spanier Kaziken nannten. Für die Zeit vor der Eroberung gibt es keine verlässliche Volkszählung; Schätzungen zur Zahl der Einwohner gehen auseinander.

Taino-Dorf

Heute werden viele dieser Menschen als Taíno bezeichnet. Ob sie selbst einen gemeinsamen Namen für alle Bewohner der verschiedenen Inseln verwendeten, wissen wir nicht. Ebenso wenig lassen sich ihre Gemeinschaften auf eine einzige Lebensweise reduzieren.

Die Bewohner bauten unter anderem Maniok an. Dafür häuften sie Erde zu Beeten auf, die bei starkem Regen besser entwässerten. Sie fischten und fuhren mit Kanus zwischen den Inseln. Diese Wege nutzten auch Menschen, die vor den spanischen Eroberern von Hispaniola flohen. Zu ihnen gehörte der Anführer Hatuey.

Hatueys Widerstand

1511 ließ Diego de Velázquez an Kubas Ostküste die spanische Siedlung Baracoa anlegen. Er kam von Hispaniola, der Insel, auf der heute Haiti und die Dominikanische Republik liegen. Dort hatten spanische Siedler bereits Menschen zur Arbeit in Goldminen gezwungen. Die Bewohner der Gegend wussten von den Geflüchteten, was die Neuankömmlinge vorhatten.

Hatuey und seine Leute widersetzten sich Velázquez. Die Spanier nahmen ihn gefangen. Nach der späteren Darstellung des Geistlichen Bartolomé de Las Casas bot ihm ein Priester vor der Hinrichtung die Taufe an. Hatuey fragte, ob auch Spanier in den Himmel kämen, und lehnte ab, als der Priester dies bejahte. Die Spanier ließen ihn verbrennen. Las Casas schrieb die Geschichte Jahrzehnte später auf, um die Gewalt der Eroberer anzuprangern.

Gold und Zwangsarbeit

Velázquez gründete weitere spanische Orte. Binnen weniger Jahre entstanden sieben Siedlungen, darunter Santiago und Havanna. Als Gouverneur setzte er in ihnen Ratsherren und Richter ein. Für den Bau der Orte, die Versorgung der Siedler und die Suche nach Gold brauchten die Spanier Arbeitskräfte.

Dazu nutzten sie die Encomienda. Velázquez wies einem Siedler einen lokalen Anführer und die Menschen seiner Gemeinschaft zu. Diese mussten für den Siedler arbeiten, vor allem in den Goldminen. Im Gegenzug sollte er sie versorgen und im christlichen Glauben unterweisen. Die gesetzlichen Pflichten schützten die Betroffenen jedoch kaum: Wer monatelang fern seines Dorfes Gold gewann, konnte sein eigenes Feld nicht bestellen. Die Siedler nahmen zudem Lebensmittel aus den Dörfern, um die Arbeiter und sich selbst zu ernähren.

Hatuey blieb nicht der einzige Gegner der Eroberer. Menschen flohen, verweigerten sich der Arbeit oder kämpften. Der Kazike Guamá setzte den Widerstand im Osten noch über Jahre fort. Dort blieb die spanische Herrschaft trotz der Stadtgründungen umkämpft.

1519 brach Hernán Cortés von Kuba nach Mexiko auf. Weitere Spanier folgten ihm, angelockt von der Aussicht auf Reichtum. Während die indigenen Gemeinschaften unter der Encomienda litten, verließen viele Eroberer die Insel, die sie eben erst besetzt hatten.

Der Verlust von Menschen

Hatuey-Denkmal in Baracoa

Zu Zwangsarbeit und Gewalt kamen Hunger und eingeschleppte Krankheiten. Wie viele Menschen an welcher Ursache starben, lässt sich nicht getrennt berechnen. Eine Schätzung geht von ungefähr hunderttausend indigenen Bewohnern zu Beginn der Eroberung und weniger als fünftausend um 1550 aus. Die Zahlen sind grob, zeigen aber, wie stark die Bevölkerung schrumpfte.

Doch es gab Überlebende. Einige hielten sich vor den Spaniern verborgen; andere lebten in neuen Gemeinschaften weiter und hatten Nachkommen.


Zum Weiterlesen

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Ferrer, A. (2021): Cuba: An American History.* Darstellung der Eroberung im Zusammenhang mit der frühen Geschichte der Karibik.

Rouse, I. (1992): The Tainos: Rise and Decline of the People Who Greeted Columbus.* Archäologische und historische Untersuchung der indigenen Gesellschaften der Karibik.

Bildnachweis

Titel: Hatueys Verbrennung. Wikimedia Commons, Giv von Koerber. CC BY-SA 3.0.

Denkmal: Wikimedia Commons, Michal Zalewski. CC BY-SA 3.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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