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1614 – Die Heirat von Pocahontas und John Rolfe

Im April 1614 steht eine junge Frau in englischer Kleidung vor einer kleinen Kirche in Jamestown. Ihr Taufname lautet Rebecca. Die englischen Siedler kennen sie seit Jahren unter einem anderen Namen. Pocahontas. Sie ist die Tochter Wahunsenacawhs, den die Engländer Powhatan nennen. An ihrer Seite steht John Rolfe, Pflanzer und Tabakproduzent.

Gefangenschaft und Taufe

Entführung von Pocahontas, Gravur von 1624

Ein Blick zurück: 1613 hält sich Pocahontas im Gebiet der Patawomeck am Potomac auf. Kapitän Samuel Argall erfährt davon und setzt den dortigen Häuptling Japazaws unter Druck. Dieser lädt Pocahontas unter einem Vorwand auf Argalls Schiff ein. Sobald sie an Bord ist, segelt das Schiff ab. Ziel der Aktion ist es den Vater zu erpressen. Die Engländer fordern die Rückgabe von Gefangenen und Waffen. Powhatan reagiert zögerlich. Verhandlungen ziehen sich hin.

Während ihrer Gefangenschaft lebt Pocahontas in Henricus, einer englischen Siedlung am James River. Geistliche unterrichten sie im christlichen Glauben. Sie wird getauft und erhält den Namen Rebecca. Über ihre eigenen Beweggründe schweigen die englischen Berichte.

Eine Heirat als Bündnis

John Rolfe wirbt um ihre Hand. In einem Brief an den Gouverneur erklärt er, er könne die Ehe vor Gott verantworten und sehe in ihr einen Beitrag zum Bestand der Kolonie. Zugleich erkennt er die Bedeutung der Verbindung für das Verhältnis zu Powhatans Verband. Zwischen 1614 und 1622 kommt es zu keinen größeren bewaffneten Auseinandersetzungen mehr.

Pocahontas hatte innerhalb von Powhatans Herrschaftsgebiet keine Stellung als Nachfolgerin. Ihre Bedeutung lag in ihrer Zugehörigkeit zur Familie des führenden Häuptlings und in ihrer Rolle bei Kontakten mit den Engländern. In England stellte die Kolonialgesellschaft sie als „Prinzessin“ dar. Auf diese Weise ließ sich zeigen, dass die Tochter eines mächtigen Häuptlings getauft worden war und einen englischen Pflanzer geheiratet hatte. Dies diente der Werbung um Investoren.

Für Powhatan bot die Verbindung eine Möglichkeit, nach militärischen Verlusten und Epidemien Handlungsspielraum zu gewinnen. Für die Kolonie bedeutete die Ehe Ruhe in einer Zeit, in der Tabakanbau und Landnahme ausgeweitet wurden.

Reise nach England

1616 reist das Paar nach England. Die Gesellschaft hinter der Kolonie nutzt den Aufenthalt gezielt, um Geldgeber vom Erfolg des Unternehmens zu überzeugen. Pocahontas erscheint bei Empfängen und höfischen Veranstaltungen. Porträts zeigen sie in europäischer Kleidung. Ihr Sohn Thomas Rolfe wird in England getauft.

Im März 1617 erkrankt Pocahontas schwer, als die Familie die Rückreise nach Virginia antritt. In Gravesend verschlechtert sich ihr Zustand. Sie stirbt im Alter von etwa einundzwanzig Jahren. Zeitgenössische Berichte sprechen von einer plötzlich einsetzenden Krankheit; eine genaue Todesursache ist nicht überliefert. Sie wird in der Kirche St. George in Gravesend beigesetzt.

John Rolfe kehrt nach Virginia zurück und setzt den Tabakanbau fort. 1622 gerät er während eines groß angelegten Angriffs unter Führung Opechancanoughs in die Wirren der Kämpfe; sein weiteres Schicksal ist nicht eindeutig überliefert.

Der Sohn Thomas Rolfe wächst zunächst in England auf und kehrt später nach Virginia zurück.

Nachwirkung

Nach Pocahontas’ Tod verschärfen sich die Konflikte erneut. 1622 greifen Krieger unter Opechancanough zahlreiche englische Siedlungen an. Die Jahre der Verständigung enden.

Pocahontas bewegte sich zwischen Powhatans Herrschaft und der englischen Kolonie in Virginia. Ihr Lebensweg führte von Werowocomoco über Henricus und Jamestown bis nach London und Gravesend. Ihr Bild in der Überlieferung stammt fast ausschließlich aus englischer Perspektive. Die Frau, die später zur „Prinzessin“ stilisiert wurde, stand im Zentrum einer Gefangennahme und einer strategischen Heirat.


Zum Weiterlesen

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Hugh Brogan (2001): The Penguin History of the United States of America.*

Hermann Wellenreuther, Hans R. Guggisberg (2002): Geschichte der USA.*

Bildnachweis

Titel: Heirat der Pocahontas, Henry Brueckner, 1855.

Alle Bilder gemeinfrei.

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