1788 ernannte der Stadtrat von Havanna den Anwalt Francisco de Arango y Parreño zu seinem Vertreter in Madrid. Arango setzte sich am spanischen Hof für die Interessen der kubanischen Zuckerpflanzer ein. Vor allem wollte er erreichen, dass mehr Händler Menschen aus Afrika nach Kuba verschleppten und dort verkauften.
Auf Kuba wurde bereits Zucker angebaut. Die Pflanzer um Havanna wollten mehr Land bestellen und größere Mengen ausführen. Dafür verlangten sie Arbeitskräfte. Bis dahin hatte die spanische Krone das Recht zum Menschenhandel jeweils einzelnen Unternehmen übertragen. Arango hielt dieses System für zu teuer und zu langsam. 1789 öffnete der König diesen Handel für eine Probezeit auch anderen spanischen Händlern sowie, unter strengeren Bedingungen, Ausländern. In Havanna stieg die Zahl der aus Afrika Verschleppten innerhalb von zwei Jahren stark an.
Die Nachricht aus Saint-Domingue

Im Herbst 1791 erfuhr Arango in Madrid von einem Aufstand in Saint-Domingue. Die französische Kolonie lag im Westen der Insel Hispaniola, wo später Haiti entstand. Versklavte Menschen hatten sich dort gegen ihre Besitzer erhoben und Plantagen niedergebrannt. Vor dem Aufstand war die Kolonie der größte Zuckerproduzent der Karibik.
Für Kubas Pflanzer war die Nachricht bedrohlich: Auch sie hielten Menschen in Sklaverei. Arango sah zugleich eine Gelegenheit. Er schrieb an den spanischen Hof, Kuba könne Zucker liefern, den Saint-Domingue infolge des Aufstands nicht mehr produzierte. Eine ähnliche Erhebung auf Kuba hielt er für vermeidbar. Das war Arangos Behauptung, keine Gewissheit.
Die Öffnung des Sklavenhandels hatte bereits vor dem Aufstand begonnen. Nun nutzte Arango die Nachrichten darüber als weiteres Argument, sie fortzusetzen. Die Krone verlängerte die Regelung. 1792 legte er außerdem ein Programm für die Landwirtschaft um Havanna vor: Die Pflanzer sollten leichter Menschen für ihre Plantagen kaufen, Maschinen einführen und ihren Zucker verkaufen können.
Arbeit in Güines
In den folgenden Jahren entstanden um Havanna weitere Zuckermühlen. Arango betrieb später selbst die Plantage La Ninfa bei Güines südlich der Stadt. Dort, wie auf anderen Plantagen, mussten versklavte Männer und Frauen zunächst Land roden und Zuckerrohr pflanzen. Während der Ernte schnitten sie die Halme und brachten sie zu den Mühlen. Der ausgepresste Saft musste rasch verarbeitet werden. Andere Arbeiter hielten die Feuer unter den Kesseln in Gang und schöpften den heißen Saft von einem Gefäß ins nächste.
Mit der Ausweitung der Plantagen verloren Versklavte häufig die kleinen Felder, auf denen sie Lebensmittel für sich selbst angebaut hatten. Die Eigentümer verlangten mehr Arbeit und konnten über den wachsenden Menschenhandel weitere Arbeitskräfte kaufen.
1806 sagten versklavte Arbeiter aus der Gegend von Güines bei Ermittlungen zu einem geplanten Aufstand aus. Sie berichteten von schweren Misshandlungen auf den Plantagen. Zwischen 1790 und 1820 wurden mehr als eine Viertelmillion Menschen von Afrika aus auf Schiffen nach Kuba gezwungen.
Um 1830 erzeugte die Insel mehr Zucker als jedes andere Anbaugebiet der Welt.
Zum Weiterlesen
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Ferrer, A. (2022): Cuba: An American History.* Darstellung der Eroberung im Zusammenhang mit der frühen Geschichte der Karibik.
Bethell, L. (Hg.) (2009): Cuba: A Short History.* Der Beitrag von Hugh Thomas behandelt die Besatzung und die Entwicklung der kubanischen Zuckerwirtschaft.
Bildnachweis
Titel: Sklaven arbeiten auf einer Zuckerplantage in Kuba, Druck von 1853.
Argango: Wikimedia Commons, Isidoro Salcedo y Echevarría-Biblioteca Nacional de España. CC BY-SA 4.0.




