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Politik beginnt von Neuem – Bürgermeister, Parteien und Länder nach 1945

Am 4. Mai 1945 kehrte Konrad Adenauer in das Kölner Rathaus zurück. Die Nationalsozialisten hatten ihn 1933 als Oberbürgermeister abgesetzt. Nun übertrug ihm die amerikanische Militärregierung erneut die Leitung der Stadt.

Adenauer sollte Köln mit Wasser und Lebensmitteln versorgen. Zehntausende Menschen benötigten eine Unterkunft, während große Teile der Stadt in Trümmern lagen. Politisch frei handeln konnte er nicht. Die Besatzungsoffiziere durften jede seiner Entscheidungen aufheben.

Nach dem Wechsel Kölns in die britische Besatzungszone verlor Adenauer sein Amt wieder. Am 6. Oktober 1945 setzten ihn die Briten ab. Sie hielten seine Arbeit beim Wiederaufbau für unzureichend.

Adenauers Rückkehr und Entlassung zeigten, wie der politische Neubeginn zunächst funktionierte: Deutsche übernahmen wieder öffentliche Ämter, doch die Besatzungsmächte entschieden, wer regieren durfte.

Allierte in Berlin, 1945

Der Neubeginn im Rathaus

Nach dem Zusammenbruch des NS-Staates brauchten die Städte schnell neue Verwaltungen. Jemand musste Lebensmittelkarten ausgeben und Wohnungen verteilen. Auch Krankenhäuser und Wasserwerke benötigten Ansprechpartner.

Alliierte Offiziere suchten deshalb nach unbelasteten Deutschen mit Verwaltungserfahrung. Frühere Sozialdemokraten und Gewerkschafter kehrten in öffentliche Ämter zurück. Auch Politiker des katholischen Zentrums wurden wieder eingesetzt.

Geeignete Kandidaten waren allerdings schwer zu finden. Viele Gegner des Nationalsozialismus waren ermordet worden oder lebten im Exil. Erfahrene Beamte hatten dagegen häufig der NSDAP oder einer ihrer Organisationen angehört.

Die Militärregierungen mussten belastete Funktionäre entfernen, ohne die Verwaltungen lahmzulegen. Bürgermeister und Landräte wurden daher zunächst ernannt. Auch die ersten kommunalen Vertretungen bestanden meist aus ausgewählten Mitgliedern.

Trotz ihrer Abhängigkeit von den Besatzern gewannen deutsche Amtsträger Handlungsspielraum. Sie verhandelten über Lebensmittelzuteilungen und brachten stillgelegte Betriebe wieder in Gang. In den Rathäusern entstanden zugleich die ersten politischen Netzwerke der Nachkriegszeit.

Walter Ulbricht kommt nach Berlin

Walter Ulbricht, 1951

In der sowjetischen Besatzungszone begann der politische Aufbau besonders früh. Am 30. April 1945 landete eine Gruppe deutscher Kommunisten auf einem sowjetischen Flugplatz östlich von Berlin. Ihr Leiter war Walter Ulbricht, der die NS-Zeit überwiegend in Moskau verbracht hatte.

Die Gruppe sollte deutsche Verwaltungen aufbauen. Ihre Mitglieder suchten Bürgermeister aus und stellten Kontakte zu früheren Sozialdemokraten her. Die neuen Behörden sollten Vertreter verschiedener politischer Richtungen aufnehmen. Kommunisten besetzten jedoch wichtige Stellen, über die sie Personalentscheidungen beeinflussen konnten.

Am 17. Mai ernannte der sowjetische Stadtkommandant den parteilosen Ingenieur Arthur Werner zum Berliner Oberbürgermeister. Kommunisten übernahmen mehrere zentrale Ressorts. Auch Sozialdemokraten und bürgerliche Fachleute erhielten Ämter.

Dieses Vorgehen prägte den Aufbau in der sowjetischen Zone: Die Verwaltungen erschienen politisch breit zusammengesetzt, während kommunistische Kader wichtige Positionen kontrollierten.

Parteien kehren zurück

Am 10. Juni 1945 erlaubte die sowjetische Militäradministration die Bildung antifaschistischer Parteien. Bereits am folgenden Tag trat die KPD mit einem Gründungsaufruf an die Öffentlichkeit.

Die Partei forderte vorerst keine Einführung des sowjetischen Systems. Sie sprach sich für eine parlamentarische Republik aus und wollte damit auch Menschen erreichen, die einer kommunistischen Revolution ablehnend gegenüberstanden.

Wenige Tage später gründete sich die SPD unter Otto Grotewohl neu. Danach folgten die Christlich-Demokratische Union und die Liberal-Demokratische Partei.

Auf Initiative der KPD und mit Rückendeckung der sowjetischen Militäradministration schlossen sich alle vier Parteien am 14. Juli 1945 zu einem gemeinsamen Block zusammen. Sie durften eigene Mitglieder werben und Programme veröffentlichen. Grundlegende Entscheidungen sollten ihre Führungen jedoch gemeinsam treffen. Politischer Wettbewerb blieb dadurch von Beginn an eingeschränkt.

Neue Parteien im Westen

In den westlichen Besatzungszonen ließen die Militärregierungen Parteien zunächst nur auf örtlicher oder regionaler Ebene zu. Deshalb entstanden mehrere voneinander unabhängige christlich-demokratische Gruppen. Aus ihnen entwickelte sich später die CDU.

Konrad Adenauer, 1951

Die neue Partei wollte katholische und protestantische Wähler zusammenführen. Über ihre wirtschaftspolitische Ausrichtung bestand noch keine Einigkeit. Einige Gründer verlangten die Vergesellschaftung großer Betriebe, andere verteidigten das Privateigentum.

Konrad Adenauer nutzte nach seiner Entlassung als Oberbürgermeister die entstehenden Parteistrukturen. Im Januar 1946 wurde er Vorsitzender der CDU in der britischen Zone.

Die SPD baute Kurt Schumacher von Hannover aus wieder auf. Der frühere Reichstagsabgeordnete hatte fast zehn Jahre in Konzentrationslagern verbracht. Eine Vereinigung mit der KPD lehnte er entschieden ab, weil er die Kommunisten als Vertreter sowjetischer Interessen betrachtete.

Im Oktober 1945 trafen sich Sozialdemokraten aus den westlichen Zonen in Wennigsen bei Hannover. Dort wurde sichtbar, wie unterschiedlich sich die Partei entwickelte. Schumacher verteidigte ihre Eigenständigkeit, während die SPD in der sowjetischen Zone unter wachsenden Vereinigungsdruck geriet.

Auch Liberale und frühere Zentrumspolitiker organisierten sich neu. Die KPD durfte ebenfalls in den Westzonen arbeiten. Sämtliche Parteien benötigten jedoch eine alliierte Lizenz. Ihre Versammlungen und Veröffentlichungen blieben unter Kontrolle der jeweiligen Militärregierung.

Neue Länder entstehen

Die Alliierten bauten neben den Gemeinden auch regionale Verwaltungen auf. Eine deutsche Zentralregierung wollten sie vorerst nicht zulassen.

Besatzungszonen 1946

In der amerikanischen Zone entstanden im September 1945 Bayern, Groß-Hessen und Württemberg-Baden. Die sowjetische Militäradministration richtete unter anderem die Länder Sachsen und Thüringen ein. In der britischen Zone folgten 1946 Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Frankreich schuf im Südwesten eigene Länder.

Ihre Regierungen wurden zunächst von den Besatzungsmächten eingesetzt. Dennoch entwickelten sich dort Ministerien und Parlamente. Besonders in den westlichen Zonen bildeten diese Länder später das Fundament der Bundesrepublik.

Die Grenzen folgten teilweise dem Verlauf der Besatzungszonen. Ältere Gebiete wurden geteilt oder mit Nachbarregionen verbunden. Württemberg und Baden zerfielen jeweils in einen amerikanisch und einen französisch besetzten Teil.

Die ersten Wahlen

1946 durften die Deutschen wieder in größerem Umfang wählen. Zunächst fanden Kommunalwahlen statt, später folgten Abstimmungen über die Landtage.

Die Parteien mussten ihre Organisationen fast aus dem Nichts aufbauen. Ihnen fehlten Geschäftsstellen und Papier für Flugblätter. Viele Versammlungen fanden in beschädigten Sälen oder Gaststätten statt.

Im Mittelpunkt standen konkrete Probleme. Die Wähler erwarteten Lebensmittel und Wohnraum. Gemeinden mussten zugleich zahlreiche Flüchtlinge aufnehmen.

In den westlichen Zonen entwickelten sich CDU und SPD zu den stärksten Parteien. Regionale Unterschiede blieben jedoch bestehen. In Bayern trat die CSU als eigenständige christliche Partei an.

Die gewählten Parlamente besaßen weiterhin begrenzte Befugnisse. Militärregierungen konnten Gesetze verhindern oder Änderungen verlangen. Dennoch verliehen die Wahlen deutschen Politikern erstmals seit dem Ende der Diktatur ein eigenes Mandat.

Zwei Wege zeichnen sich ab

1945 ähnelten sich viele Parteiprogramme. Christdemokraten wie Sozialdemokraten wollten wirtschaftliche Macht begrenzen. Selbst bürgerliche Politiker hielten die Verstaatlichung einzelner Industrien für möglich.

Die Besatzungsmächte setzten dem politischen Wettbewerb jedoch unterschiedliche Grenzen. In den westlichen Zonen konnten sich die Parteien zunehmend gegeneinander profilieren. Wahlergebnisse entschieden darüber, wer eine Stadt oder ein Land regierte.

In der sowjetischen Zone besetzten Kommunisten wichtige Stellen in Verwaltung und Polizei. Gleichzeitig setzte die sowjetische Militäradministration die Sozialdemokraten so stark unter Druck, dass sich die SPD in der sowjetischen Zone im April 1946 mit der KPD zur SED vereinigte.

Der politische Neubeginn verband sich dort zudem mit einem tiefen Eingriff in das Eigentum. Im September 1945 begann die Enteignung großer Güter. Unter der Parole „Junkerland in Bauernhand“ verteilten Kommissionen den Boden an Landarbeiter, Flüchtlinge und Kleinbauern.

Die Bodenreform veränderte nicht nur die Besitzverhältnisse auf dem Land. Sie verschaffte den Kommunisten auch ein Mittel, Gegner auszuschalten und neue Unterstützer zu gewinnen.


Zum Weiterlesen

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Benz, W. (1984): Die Gründung der Bundesrepublik. Von der Bizone zum souveränen Staat.*

Kleßmann, C. (1991): Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945–1955.*

Bildnachweis

Titel: Sowjets verlassen den US-Sektor von Berlin 1945.

Ulbricht: Wikimedia Commons, Deutsche Fotothek, df_roe-neg_0000906_004. CC-BY-SA 3.0.

Adenauer: Bundesarchiv, B 145 Bild-P000667 / CC-BY-SA 3.0.

Karte: Wikimedia Commons, 52 Pickup. CC-BY-SA 3.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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