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Uruk – Eine Stadt verändert das Zusammenleben

Die sogenannte Warka-Vase aus Uruk.

Gegen Ende des vierten Jahrtausends v. Chr. nahm Uruk eine Fläche von mindestens 250 Hektar ein. Im Süden des heutigen Irak war damit eine Siedlung entstanden, deren Größe die älteren Dörfer weit übertraf. Über dem Stadtgebiet erhob sich eine hohe Terrasse mit dem sogenannten Weißen Tempel. In einem anderen Bezirk, den Archäologen nach seinem späteren Namen Eanna nennen, standen mehrere große, aufwendig gestaltete Gebäude.

Eine Stadt muss versorgt werden

Ein Teil der Bewohner konnte seine Nahrung nicht mehr ausschließlich selbst erzeugen. Wer ständig an großen Bauten arbeitete oder ein spezialisiertes Handwerk ausübte, brauchte Erträge aus anderen Haushalten. Uruk war deshalb auf Beziehungen zu den Siedlungen seiner Umgebung angewiesen. Untersuchungen des Umlands zeigen eine Abstufung von kleinen Orten bis zum überragenden Zentrum. Die Stadt gehörte zu einem Siedlungsgefüge, aus dem sie Arbeitskräfte und Lebensmittel beziehen konnte.

Uruk zur „Uruk-Zeit“ im 4. Jahrtausend v. Chr.

Ein unscheinbarer Fund führt mitten in diese Organisation: die Glockentöpfe. Diese groben, in großer Zahl hergestellten Schalen besitzen einen charakteristisch abgeschrägten Rand. Häufig werden sie als Gefäße für die Ausgabe von Nahrungsrationen gedeutet. Dazu passt ein frühes Schriftzeichen, das einen Kopf mit einer Schale am Mund verbindet. Der Zusammenhang ist plausibel, auch wenn sich nicht die Verwendung jedes einzelnen Gefäßes bestimmen lässt.

Solche Funde machen eine wichtige Veränderung sichtbar. Arbeitsleistung und tägliche Versorgung konnten nun über große Einrichtungen miteinander verbunden werden. Das bedeutete zugleich Abhängigkeit: Wer von ausgegebenen Rationen lebte, war auf die Stelle angewiesen, die über diese Vorräte verfügte. Über die genaue Rechtsstellung der Empfänger sagen die Schalen allein allerdings nichts aus.

Hallen für große Versammlungen

Die großen Bauten boten sehr unterschiedlich viel Platz. Im Mittelraum des Weißen Tempels konnten sich nach einer Schätzung etwa zehn bis vierzehn Menschen aufhalten, in der Halle des sogenannten Gebäudes C in Eanna etwa dreihundert. Dort fanden sich auch Verwaltungszeugnisse neben Hinweisen auf handwerkliche Tätigkeit. Die Gebäude waren später weitgehend ausgeräumt und bis auf niedrige Mauerreste abgetragen worden. Deshalb lässt sich ihre Nutzung nur begrenzt rekonstruieren. Religion prägte die Stadt, doch die erhaltenen Grundrisse verraten uns nicht, wie ihre Bewohner religiöse und administrative Aufgaben voneinander abgrenzten.

Weitere Hinweise liefert eine frühe Liste von Ämtern und Berufen. Ihre Einträge erscheinen in einer Rangfolge; sie unterscheiden Zuständigkeiten und verschiedene Stellungen innerhalb der Arbeitswelt. Einige lassen sich ungefähr als „Leiter der Gerste“ oder „Leiter des Pfluges“ übersetzen. Solche Titel verweisen auf die Organisation der Versorgung und auf eine Gesellschaft, in der Menschen unterschiedliche Aufgaben erfüllten und nicht gleich viel Einfluss besaßen.

Wie die Lebensmittel aus dem Umland in die Stadt gelangten, bleibt hinter diesen Funden weitgehend verborgen. Die Tafeln nennen Mengen und Empfänger, erklären aber nicht die ganze Organisation der Lieferungen. Zwischen den Feldern außerhalb Uruks und den Menschen, die seine monumentalen Gebäude errichteten, lag eine Arbeitsteilung, von der die großen Fassaden und die billigen Rationsschalen verschiedene Seiten zeigen.


Zum Weiterlesen

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Nissen, H. J.; Heine, P. (2009): From Mesopotamia to Iraq. A Concise History.* Überblick über die politische Entwicklung und ihre siedlungs- und wirtschaftsgeschichtlichen Voraussetzungen.

Nissen, H. J. (1990): The Early History of the Ancient Near East, 9000–2000 B.C.* Archäologische Darstellung des Weges von frühen Dörfern zu Städten und regionalen Staaten.

Bildnachweis

Titelbild: Die sogenannte Warka-Vase aus Uruk. Osama Shukir Muhammed Amin FRCP(Glasg). CC BY-SA 4.0. Wikimedia Commons.

Karte: Wikimedia Commons, Scharru rabu. CC BY-SA 3.0.

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