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Palenque 615 – Ein Zwölfjähriger wird Herrscher

Am 29. Juli 615 bestieg K’inich Janaab’ Pakal den Thron von Palenque. Er war zwölf Jahre alt.

Eine spätere Darstellung im Palast zeigt seine Mutter Sak K’uk’ bei diesem Herrschaftswechsel. Pakal sitzt vor ihr, während sie ihm ein Zeichen königlicher Würde überreicht. Die Szene ist eine inszenierte Rückschau darauf, wie Pakal seine Thronbesteigung erinnern lassen wollte.

Die Rolle seiner Mutter war dabei entscheidend. Denn als Pakal König wurde, hatte Palenque Jahre schwerer Niederlagen hinter sich.

Zwei Angriffe auf Palenque

Palenque lag am westlichen Rand des Maya-Tieflands, dort, wo die bewaldeten Höhen von Chiapas in die Ebene übergehen. Im frühen 7. Jahrhundert gehörte die Stadt zu einem politischen Raum, in dem mehrere Dynastien um Einfluss rangen.

Besonders mächtig war zu dieser Zeit das sogenannte Schlangenreich, dessen Herrscher später in Calakmul residierten.

599 griffen mit diesem Machtbereich verbundene Truppen Palenque an. Die Inschriften der Stadt erinnern an eine schwere Niederlage. 611 folgte ein weiterer Angriff.

Für Palenque waren solche Ereignisse nicht nur verlorene Schlachten. Maya-Königtum beruhte wesentlich auf der Fähigkeit eines Herrschers, seine Stadt gegenüber Rivalen zu schützen und die Beziehungen zu Göttern und Ahnen öffentlich zu verkörpern. Militärische Niederlagen konnten deshalb unmittelbar auf die Stellung einer Dynastie zurückwirken.

Nach dem Angriff von 611 geriet die Thronfolge in eine schwierige Phase.

Sak K’uk’ und ihr Sohn

Pakal wurde am 23. März 603 geboren. Sein Vater K’an Mo’ Hix gehörte offenbar nicht zur direkten männlichen Linie der Könige von Palenque. Seine Mutter Sak K’uk’ dagegen stammte aus der herrschenden Familie.

Damit leitete sich Pakals Anspruch auf den Thron wesentlich von ihr ab.

Zwischen der Niederlage von 611 und Pakals Thronbesteigung 615 ist die politische Lage Palenques nicht in allen Einzelheiten klar. Die Inschriften nennen Herrscher und Übergangsfiguren, deren Stellung bis heute diskutiert wird. Gerade deshalb fällt Sak K’uk’ auf.

Auf dem Ovalen Palastrelief erscheint sie unmittelbar bei Pakals Inthronisation. Dass Pakal diese Szene an einem prominenten Ort seines Palastes darstellen ließ, spricht für ihre besondere Bedeutung bei der Begründung seiner Herrschaft.

Die Darstellung zeigt eine bewusst gestaltete Erinnerung und erlaubt keine sicheren Rückschlüsse auf eine formelle Regentschaft Sak K’uk’s.

Ein König mit zwölf Jahren

Kreuztempel in Palenque

Ein Zwölfjähriger konnte die Regierung einer bedeutenden Maya-Stadt kaum allein führen.

Wer in den ersten Jahren die täglichen Entscheidungen traf, lässt sich aus den erhaltenen Inschriften jedoch nicht genau bestimmen. Sak K’uk’ dürfte erheblichen Einfluss besessen haben. Daneben standen Pakal erfahrene Angehörige des Hofes und hochrangige Familien zur Seite.

Für die öffentliche Legitimation zählte zunächst etwas anderes: Pakal war König.

Seine Thronbesteigung stellte eine Verbindung zur älteren Dynastie her, obwohl diese Verbindung über seine Mutter verlief. Gerade nach den militärischen Katastrophen der vorausgehenden Jahre war diese Kontinuität politisch wertvoll.

Pakal sollte schließlich fast sieben Jahrzehnte regieren.

Aus der Krise entsteht ein Bauprogramm

Unter Pakal veränderte sich Palenque sichtbar.

Der Herrscher ließ Teile des Palastes ausbauen und ältere Gebäude in eine monumentale Residenz verwandeln. Darstellungen und Inschriften machten seine Familie zum Bestandteil dieser Architektur. Pakal nutzte die Vergangenheit gezielt, um seine eigene Stellung und die seiner Nachkommen zu begründen.

Auch sein Sohn und späterer Nachfolger erhielt darin seinen Platz.

Besonders deutlich wird diese Verbindung von Familie und Herrschaft im Tempel der Inschriften. Pakal ließ den Bau gegen Ende seines Lebens beginnen; vollendet wurde er unter seinem Sohn und Nachfolger K’inich Kan Bahlam II. Tief im Inneren entstand eine Grabkammer mit einem gewaltigen Sarkophag.

Als Archäologen sie im 20. Jahrhundert freilegten, fanden sie darin Pakals sterbliche Überreste.

Damit wurde besonders deutlich, dass zumindest manche großen Maya-Pyramiden zugleich als königliche Grabbauten dienen konnten.

Der König im Grab

Pakal starb am 28. August 683. Er war achtzig Jahre alt geworden und hatte den größten Teil seines Lebens auf dem Thron verbracht.

Ovale Palasttafel, die Sak K’uk‘ zeigt, wie sie ihrem Sohn Pakal I. am Tag seiner Thronbesteigung eine Krone überreicht

Auf dem Deckel seines Sarkophags erscheint der Herrscher in einer komplexen mythologischen Darstellung. Die Szene verbindet seinen Tod mit Vorstellungen von Unterwelt und Wiedergeburt. Sie zeigt Pakal damit eingebettet in jene religiöse Vorstellungswelt, die königliche Herrschaft auch über den Tod hinaus legitimierte.

Auch die Inschriften im Tempel reichen weit über Pakals eigenes Leben hinaus. Sie setzen seine Regierungszeit in lange Reihen vergangener Herrscher und mythischer Ereignisse.

Damit schloss sich ein Bogen, der 615 begonnen hatte.

Der zwölfjährige Pakal hatte seine Herrschaft über die Abstammung seiner Mutter begründen müssen. Später ließ er eine Architektur schaffen, in der seine eigene Regierungszeit zum Bezugspunkt für kommende Generationen wurde.

Sak K’uk’ blieb Teil dieser Geschichte.

Das Relief im Palast hielt jenen Moment fest, in dem der Anspruch ihres zwölfjährigen Sohnes öffentlich sichtbar geworden war.


Zum Weiterlesen

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Ardren, T. (2023): Everyday Life in the Classic Maya World.* Darstellung von Alltag, Landwirtschaft und sozialem Leben auf Grundlage archäologischer, bildlicher und epigraphischer Quellen.

Riese, B. (2018): Die Maya. Geschichte – Kultur – Religion*. Deutschsprachiger Überblick über Entwicklung, Gesellschaft und politische Geschichte der Maya.

Bildnachweis

Titel: Palast von Palenque. Wikimedia Commons, Ricraider. CC BY-SA 3.0.

Kreuztempel: Wikimedia Commons, Jan Harenburg. CC BY-SA 4.0.

Ovale Palasttafel: Wikimedia Commons, tato grasso. CC BY-SA 2.5.

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