Am Fluss Ribe Å arbeiteten im 8. Jahrhundert Menschen mit Metall und Geweih. Ihre Werkstätten hinterließen kleine Abfälle, die bei Ausgrabungen wiedergefunden wurden. An diesem Platz nahe der dänischen Nordseeküste entstand ein Markt, dessen Geschichte weit vor den großen westlichen Eroberungszügen beginnt.
Ribe lag an einer Verbindung zwischen dem Küstenverkehr und dem Land im Inneren Jütlands. Schiffe konnten Waren heranbringen, die dann am Ufer weiterverarbeitet oder verkauft wurden. Für Handwerker war das wichtig: Ein geeigneter Standort musste ihnen Käufer zuführen und zugleich Rohstoffe erreichbar machen.
Arbeit auf abgegrenzten Flächen
Um 705 bis 710 wurde am Fluss eine geordnete Marktzone angelegt. Schmale, voneinander abgegrenzte Grundstücke lagen an Wegen, die die Arbeitsplätze erschlossen. Über längere Zeit nutzten Menschen dieselben Flächen. Ihre Werkstätten bekamen damit einen wiederauffindbaren Platz, an dem Kaufleute erneut anlegen und Kunden sie aufsuchen konnten. Die räumliche Ordnung erleichterte wiederholte Geschäfte.
Anfangs muss man deshalb noch keine dicht bebaute Stadt mit allen Einrichtungen späterer Jahrhunderte voraussetzen. Saisonaler Aufenthalt konnte neben dauerhafter Nutzung bestehen. Die Schichtenfolge zeigt Veränderungen; sie ist kein Beleg für einen einzigen Gründungsakt, bei dem eine vollständig geplante Stadt eröffnet worden wäre.
Besonders aussagekräftig sind Produktionsreste. Ein fertiger Kamm kann durch Handel an viele Orte gelangen. Abgesägte Geweihstücke und misslungene Werkstücke zeigen dagegen, wo jemand tatsächlich arbeitete. Bei der Herstellung von Glasperlen hinterließ die Verarbeitung ebenfalls Spuren. Solche Funde erlauben, die Bedeutung Ribes aus Tätigkeiten zu erklären, statt allein aus wertvollen Importen.
Die Lage an der Nordseeküste erleichterte Kontakte zu den friesischen Handelsräumen. In Ribe gefundene Waren aus dem Rheinland zeigen Verbindungen zu einem weiteren Wirtschaftsgebiet. Eingeführte Formen konnten örtlichen Handwerkern Anregungen geben; ihre eigene Produktion musste dennoch zu den Abnehmern und verfügbaren Rohstoffen in Jütland passen. Der Platz verband diese Werkstattarbeit mit den Waren, die Kaufleute über See heranbrachten.
Bei einem saisonalen Angebot kam es auch auf den Zeitpunkt an. Regelmäßige Marktzeiten konnten Kaufleuten und Handwerkern helfen, ihre Reisen und die Produktion aufeinander abzustimmen. Handwerker mussten ihre Ware verkaufen, um erneut Material beschaffen zu können.

Fremde Menschen müssen miteinander handeln
Wer Rohmaterial kaufte, setzte Arbeitszeit ein, bevor sich der fertige Gegenstand verkaufen ließ. Wiederkehrende Kundschaft verringerte dieses Risiko. Kaufleute wiederum konnten eher mit einem Angebot rechnen, wenn sie denselben Platz regelmäßig anliefen. So stärkten sich der Handel und die Ansiedlung spezialisierter Arbeit gegenseitig.
Die Beteiligten brauchten außerdem Regeln. Ein Streit um Gewicht oder Bezahlung gefährdete nicht nur ein einzelnes Geschäft. Er konnte andere Besucher abschrecken. Abgegrenzte Flächen und ihre wiederholte Nutzung sprechen dafür, dass jemand Zugang und Ansprüche ordnete. Welche Personen im frühesten Ribe jede einzelne Entscheidung trafen, sagen die Funde nicht.
Die frühe Aufteilung der Marktfläche lässt eine ordnende Hand erkennen. Eine königliche Initiative wird deshalb erwogen, ist aber kein durch einen erhaltenen Gründungsbefehl gesicherter Vorgang. Wer den Zugang regelte und Schutz gewährte, konnte aus dem wiederkehrenden Handel Leistungen und Abgaben gewinnen. Die Funde zeigen die eingerichteten Arbeitsplätze genauer als die Zuständigkeit ihres frühesten Organisators.
Eine Stadt aus kleinen Resten
Eine weitere Spur liegt im Boden zwischen den kostbareren Funden: In Ribe wurden dicke Lagen von Rindermist festgestellt. Sie werden als Hinweis darauf verstanden, dass Viehhandel für den frühen Markt wichtig gewesen sein könnte. Bauern brachten also möglicherweise selbst verkäufliche Tiere an den Fluss. Ihre Höfe versorgten zugleich Menschen, die einen Teil ihrer Zeit im Handwerk arbeiteten. In Ribe konnten sie Geräte erwerben, deren Herstellung eigenes Können oder schwer erreichbares Material erforderte.
Auch die Nordsee trennte Ribe nicht einfach vom christlichen Westen. Münzen und andere Gegenstände belegen Verbindungen zu weiter entfernten Wirtschaftsräumen. Der Umlauf eines Gegenstands beweist allerdings noch nicht, dass sein Hersteller persönlich nach Dänemark reiste. Waren konnten über mehrere Hände wandern.
Zum Weiterlesen
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Michael Engelbrecht: Eine kurze Geschichte der nordischen Welt: von der Eiszeit bis heute*. Regionalgeschichte im GMEINER-Verlag.
Rudolf Simek: Die Wikinger*. C.H.Beck Wissen.
Anders Winroth: Die Wikinger: Das Zeitalter des Nordens. Übersetzt von Susanne Held.
Bildnachweis
Titel: Modell des frühen Ribe im Museet Ribes Vikinger. Wikimedia Commons, Thomas Dahlstrøm Nielsen. CC BY-SA 4.0.
Abbildung: Rekonstruiertes Boot im Museet Ribes Vikinger. Wikimedia Commons, Thomas Dahlstrøm Nielsen. CC BY-SA 4.0.



