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Der Keller von Jekaterinburg – Das Ende der Romanows

Mit dem Sieg der Bolschewiki im November 1917 änderte sich die Lage für die gefangene Zarenfamilie dramatisch. Nikolaus II., seine Frau Alexandra und die fünf Kinder waren bereits im Sommer von der Provisorischen Regierung nach Tobolsk in Sibirien geschickt worden – offiziell zu ihrem Schutz, faktisch zur Isolation. Doch unter Lenin wurde der Ton schärfer. Im Frühjahr 1918 verlegte man die Romanows nach Jekaterinburg im Ural, in das „Haus zur besonderen Verwendung“: die Villa Ipatjew.

Das Gebäude wurde zu einer Festung und einem Gefängnis zugleich. Hohe Holzzäune versperrten die Sicht nach draußen, die Fenster waren weiß überstrichen. Für den einstigen Autokraten und seine Familie begann eine Zeit der Demütigungen, bewacht von bewaffneten Fabrikarbeitern und Mitgliedern der neu gegründeten Geheimpolizei Tscheka.

Wer gab den Befehl?

Die Frage nach den Verantwortlichen für das kommende Blutbad ist bis heute Gegenstand historischer Debatten. Da es keinen schriftlichen Befehl mit Lenins Unterschrift gibt, bleibt unklar, ob die Führungsgruppe im Kreml die Exekution direkt anordnete oder ob der lokale Sowjet in Jekaterinburg eigenmächtig handelte. Sicher ist jedoch, dass Moskau die Tat im Nachhinein ausdrücklich billigte.

Tschechoslowakische Legion, Sibirien 1918

Im Sommer 1918 drohte die junge Sowjetmacht zu kollabieren. Von Osten her rückte die Tschechoslowakische Legion vor – eine gut bewaffnete Truppe aus ehemaligen Kriegsgefangenen, die aufseiten der Alliierten gegen die Mittelmächte kämpfen wollten und nun quer durch Russland zur Küste durchbrachen. Sie hatten sich mit den „Weißen“, den Gegnern der Bolschewiki, verbündet. Man fürchtete, der Zar könne befreit werden und zum lebenden Symbol des Widerstands aufsteigen. Die Entscheidung stand fest: Die Romanows durften den Gegnern unter keinen Umständen lebend in die Hände fallen.

Die Nacht im Juli

Villa Ipatjew.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 wurde die Familie unter dem Vorwand geweckt, sie müsse wegen der Kämpfe in Sicherheit gebracht werden. Man führte sie in einen kargen Kellerraum im Souterrain der Villa. Jakow Jurowski, der Leiter des Kommandos, verlas ein kurzes Todesurteil. Bevor Nikolaus reagieren konnte, begannen die Wachen zu schießen.

Der Mord war chaotisch und grausam. Da die Töchter kostbare Edelsteine als verborgene Währung in ihre Korsetts eingenäht hatten, prallten die ersten Kugeln ab; sie mussten mit Bajonetten und Schüssen aus nächster Nähe getötet werden. Um die Tat zu vertuschen, wurden die Leichen in einen nahen Wald geschafft, mit Schwefelsäure unkenntlich gemacht und in Grubenschächten vergraben.

Der Rote Terror beginnt

Die Ermordung der Zarenfamilie war der Auftakt zum „Roten Terror“. Im September 1918 proklamierte die Regierung diesen offiziell als Antwort auf Attentatsversuche gegen Lenin. Massenerschießungen von sogenannten Klassenfeinden – Adligen, Geistlichen und Intellektuellen – sollten den Widerstand im Inneren durch nackte Angst brechen.

Gleichzeitig organisierte Leo Trotzki als Kriegskommissar die Rote Armee. Er formte aus unorganisierten Milizen eine Streitmacht mit drakonischer Disziplin. Trotzki reiste in einem schwer bewaffneten, gepanzerten Zug von Front zu Front, um verzweifelnde Einheiten neu zu formieren und Befehlsverweigerer an Ort und Stelle hinzurichten.

Ein Land in Flammen

Russland versank nun endgültig in einem Bürgerkrieg, der an Grausamkeit alles Bisherige übertraf. Es war ein Krieg jeder gegen jeden: „Rote“ gegen „Weiße“, Bauernaufstände gegen beide Seiten und ausländische Interventionen. Das Weltreich, das Nikolaus II. noch wenige Monate zuvor regiert hatte, existierte nicht mehr. An seine Stelle trat ein Schlachtfeld, auf dem die Bolschewiki bereit waren, für den Aufbau ihres Einparteienstaates und die totale Kontrolle über die Gesellschaft jeden Preis zu zahlen.


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Bildnachweis

Titel: Nikolaus II. mit Familie und Kosaken, 1916.

Alle Bilder gemeinfrei.

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