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Der entführte Sohn von Cuzco

Ein Junge wird zu Tocay Capac gebracht, einem mächtigen Herrscher nordwestlich von Cuzco. Er soll sterben, doch Tocay Capac lässt ihn am Leben. Er heißt Yahuar Huacac und ist der Sohn des Inka-Herrschers. Seine Entführung ist nur aus Erzählungen bekannt, die nach der spanischen Eroberung aufgezeichnet wurden. Gewöhnlich wird die Geschichte ins 14. Jahrhundert eingeordnet.

Eine Heirat löst Streit aus

Yahuar Huacacs Vater, Inka Roca, hatte Mama Micay geheiratet. Ihre Familie lebte im Gebiet von Pisac und hatte sie zuvor Tocay Capac zur Frau versprochen. Er herrschte über die Ayarmacas, eine regionale Macht in der Nachbarschaft. Mit der Heirat geriet nun auch Cuzco in diesen Streit.

Zwischen den Ayarmacas und Mama Micays Familie kam es zum Krieg. Schließlich verlangten die Ayarmacas als Friedensbedingung, dass die Verwandten ihnen den Sohn des Paares auslieferten. Nach einer Version geriet er in ihre Hände, als er die Familie seiner Mutter besuchte. Andere Berichte weichen in den Einzelheiten ab.

Der Junge kehrt zurück

Vor Tocay Capac soll der Gefangene aus Todesangst Blut geweint haben. Daher stammt der Name, unter dem er bekannt wurde: Yahuar Huacac bedeutet „der Blut weint“. In der ausführlichsten Fassung beeindruckten die blutigen Tränen den Herrscher so sehr, dass er sein Todesurteil zurücknahm. Der Junge blieb jedoch gefangen.

Später befreite ihn eine Gruppe aus dem Gebiet von Anta und ermöglichte seine Rückkehr nach Cuzco. Diese Hilfe gab den Ausschlag: Die Inka waren damals eine Macht unter mehreren und mussten Verbündete gewinnen.

Inka Roca

Archäologische Funde zeigen, dass im Umland von Cuzco schon vor dem Aufstieg des Inkareichs verschiedene Gemeinschaften lebten und eigene Zentren unterhielten. Sie belegen die Entführung nicht. Sie machen aber verständlich, warum die Inka in dieser Zeit auf Nachbarn angewiesen waren.

Frieden durch zwei Ehen

Nach Yahuar Huacacs Rückkehr schlossen die Familien Frieden. Eine Tochter Inka Rocas heiratete Tocay Capac; Yahuar Huacac heiratete dessen Tochter. So knüpften beide Seiten ein verwandtschaftliches Band, das den Streit beenden sollte.

Dauerhaft hielt die Einigung offenbar nicht. Für die Zeit nach Yahuar Huacacs Herrschaft berichten die Quellen erneut von einem Krieg zwischen Cuzco und den Ayarmacas.


Zum Weiterlesen

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Julien, C. (2007): Die Inka. Geschichte, Kultur, Religion.* Darstellung des Aufstiegs der Inka und ihrer Beziehungen zu den Ayarmacas.

Julien, C. (2002): Reading Inca History.* Untersuchung der inkaischen Geschichtsüberlieferung und der unterschiedlichen Fassungen von Yahuar Huacacs Entführung.

Covey, R. A. (Hg.) (2014): Regional Archaeology in the Inca Heartland: The Hanan Cuzco Surveys.* Archäologische Untersuchung der Siedlungen nordwestlich von Cuzco.

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