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Ein Vorstoß ohne geschlossenes Bündnis – Kosovo 1448

Die Festung Smederevo, Residenz des serbischen Despoten Đurađ Branković.

Im Oktober 1448 traf Johann Hunyadis Heer auf dem Amselfeld auf die Truppen Sultan Murads II. Der ungarische Reichsverweser hatte erneut versucht, die osmanische Stellung südlich der Donau anzugreifen. Vier Jahre nach dem Tod seines Königs bei Varna führte er selbst die wichtigste Gegenmacht an der nördlichen Grenze des Sultans. Auf dem Weg nach Kosovo hatte er jedoch kein geschlossenes Bündnis der benachbarten christlichen Herrscher zusammenbringen können.

Ungarn nach dem Tod des Königs

Władysławs Tod hatte im Königreich Ungarn eine schwierige Nachfolgefrage hinterlassen. Hunyadi gewann als Reichsverweser erheblichen Einfluss. Seine Stellung beruhte auf eigenen Besitzungen und auf seiner Erfahrung als Befehlshaber. Er musste dennoch mit anderen großen Herren zusammenarbeiten, deren Mittel und Interessen nicht einfach seiner Verfügung unterstanden.

Der Krieg gegen die Osmanen blieb für Ungarn eine Grenzfrage. Festungen und abhängige Herrschaften südlich der Donau konnten das Königreich schützen. Wenn Murad sie unter seine Kontrolle brachte, rückte der Krieg näher an ungarische Gebiete heran. Hunyadis Entscheidung für einen neuen Vorstoß beruhte daher nicht allein auf dem Wunsch, die Niederlage von Varna auszugleichen.

Ein Feldzug nach Süden verlangte allerdings verlässliche Wege und Unterstützung im Durchmarschgebiet. Ein Heer konnte nicht sämtliche Lebensmittel für einen langen Krieg mitführen. Es war auf vorhandene Vorräte und den Zugang zu Übergängen angewiesen. Die Haltung der Nachbarn war damit eine Voraussetzung der Operationsplanung und nicht erst eine Frage für die Friedensverhandlungen nach einem Sieg.

Branković hält sich zurück

Johann Hunyadi in einem Stich von Johann Blaschke.
Johann Hunyadi in einem Stich von Johann Blaschke.

Der serbische Herrscher Đurađ Branković wollte seine wiederhergestellten Besitzungen nicht durch einen erneuten Krieg verlieren. Seine Lage unterschied sich grundlegend von Hunyadis. Ungarn konnte sich hinter der Donau behaupten, während serbische Gebiete unmittelbar zwischen den konkurrierenden Mächten lagen. Ein osmanischer Gegenangriff würde dort zuerst die Festungen und die Bevölkerung treffen.

Branković beteiligte sich deshalb nicht am Unternehmen. Hunyadi rückte dennoch durch serbisches Gebiet vor. Die Beziehungen zwischen beiden verschlechterten sich weiter. Der Durchmarsch eines verbündeten Heeres wäre bereits eine Belastung gewesen; ohne Einverständnis des Landesherrn konnte er zusätzlich wie eine feindliche Handlung wirken.

Hunyadi hoffte auf Unterstützung aus Albanien, wo Georg Kastriota, bekannt als Skanderbeg, gegen die Osmanen kämpfte. Dessen Kräfte konnten sich aber nicht rechtzeitig mit ihm vereinigen. Die Gründe werden in den Überlieferungen unterschiedlich gewichtet. Für den Ausgang des Feldzugs ist entscheidend, dass die erwartete gemeinsame Streitmacht auf dem Schlachtfeld nicht zustande kam.

Murad konzentriert seine Truppen

Murad II. in einer europäischen Porträtfolge des 16. Jahrhunderts.
Murad II. in einer europäischen Porträtfolge des 16. Jahrhunderts.

Murad reagierte auf den Vormarsch und führte sein Heer nach Kosovo. Der Sultan konnte dafür die Ressourcen seiner europäischen und anatolischen Besitzungen einsetzen. Diese Verbindung machte es schwer, einen zunächst örtlich begrenzten Vorteil gegen ihn auszunutzen. Solange die Übergänge zwischen beiden Reichsteilen verfügbar blieben, musste ein Angreifer mit nachrückenden Verbänden rechnen.

Hunyadis Heer verfügte seinerseits über erfahrene Kämpfer und Feuerwaffen. Eine Wagenburg bot einen befestigten Rückhalt. Dabei wurden Wagen zu einer geschlossenen Stellung verbunden, von der aus sich Angriffe abwehren ließen. Eine solche Stellung konnte Fußsoldaten und Schützen Deckung geben, ersetzte aber weder einen gesicherten Nachschub noch die Verbindung zu möglichen Helfern.

Die Kämpfe auf dem Amselfeld dauerten mehrere Tage. Ihre einzelnen Bewegungen werden in den Quellen nicht so übereinstimmend beschrieben, dass sich jede Phase zuverlässig auf einer Karte einzeichnen ließe. Besonders die großen Truppenzahlen verdienen Skepsis. Deutlich ist dagegen, dass Hunyadi keinen raschen Durchbruch erreichte und sein Heer im weiteren Verlauf zunehmend unter Druck geriet.

Das Feldheer zerfällt

Nach der osmanischen Überlieferung drangen Hunyadis Reiter bis zum Zentrum der gegnerischen Stellung vor. Die Janitscharen hielten jedoch stand, während osmanische Verbände die Angreifer von ihrer Unterstützung abschnitten. Andere Kräfte griffen Hunyadis linken Flügel an; das walachische Aufgebot verließ das Schlachtfeld. Damit zerfiel die Verbindung zwischen den Teilen seines Heeres.

Die Kriegswagen boten Hunyadi noch Deckung, um sich vom Schlachtfeld zu lösen. Sie konnten die geschlagenen Verbände aber nicht wieder zu einem gemeinsamen Angriff zusammenführen. Auf dem Rückweg geriet er in die Gewalt Brankovićs. Der serbische Herrscher verlangte Zugeständnisse für seine Freilassung. Der Konflikt um den Durchmarsch kehrte damit am Ende des gescheiterten Unternehmens in unmittelbarer persönlicher Form zurück.

Die Niederlage kostete Ungarn einen erheblichen Teil der für den Feldzug versammelten Kräfte. Ein Heer ließ sich nicht allein durch einen neuen Befehl ersetzen. Die großen Herren mussten erneut Männer ausrüsten; verlorene Geschütze und Pferde mussten beschafft werden. Gleichzeitig durfte die Verteidigung der eigenen Grenze nicht vernachlässigt werden. Ein weiterer tiefer Vorstoß wurde dadurch schwieriger.

Die Reichweite des osmanischen Sieges

Murad hatte eine große Bedrohung seiner europäischen Besitzungen beseitigt. Er musste nicht mehr unmittelbar mit demselben Heer rechnen, das gerade durch Serbien gezogen war. Das gab der osmanischen Regierung mehr Spielraum für andere Vorhaben. Als Mehmed II. 1451 den Thron übernahm, konnte er auf dieser gesicherten Ausgangslage aufbauen.

Ungarn war damit jedoch nicht erobert oder dauerhaft ausgeschaltet. Seine Festungen blieben Hindernisse, und Hunyadi konnte weiterhin Verteidigung organisieren. Noch 1456 gelang es den ungarischen Verteidigern, den osmanischen Angriff auf Belgrad abzuwehren.


Zum Weiterlesen

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Douglas A. Howard: A History of the Ottoman Empire*. Cambridge University Press, 2017. Verortet Kosovo 1448 in Murads letzten Regierungsjahren und der Vorbereitung von Mehmeds Herrschaft.

Suraiya Faroqhi: Geschichte des Osmanischen Reiches*. C.H.Beck, 2000. Erklärt die Bedeutung des Balkanraums und die unterschiedlichen Bestandteile des osmanischen Heeres.

Bildnachweis

Titelbild: Die Festung Smederevo, Residenz des serbischen Despoten Đurađ Branković. Duja; Wikimedia Commons; CC BY-SA 3.0.

Abbildung: Johann Hunyadi in einem Stich von Johann Blaschke. János Blaschke; Wikimedia Commons; gemeinfrei.

Abbildung: Murad II. in einer europäischen Porträtfolge des 16. Jahrhunderts. Giovio, Paolo, 1483-1552; Wikimedia Commons; gemeinfrei.

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