Startseite » Das Londoner Ultimatum von 1921 und die Folgen für Deutschland

Das Londoner Ultimatum von 1921 und die Folgen für Deutschland

Am 5. Mai 1921 überreichten Großbritannien, Frankreich, Italien, Belgien und Japan im britischen Außenministerium ein Ultimatum an die deutsche Regierung: Bis zum 11. Mai akzeptierte Deutschland den festgelegten Reparationsplan. Andernfalls rückten alliierte Truppen ins Ruhrgebiet ein.

Die Alliierten bestimmten eine Gesamtsumme von 132 Milliarden Goldmark und gliederten sie in drei Anleihegruppen. Die C-Bonds – 82 Milliarden Mark – wurden aufgeschoben und sollten erst bei nachweislicher wirtschaftlicher Erholung fällig werden. John Maynard Keynes bezeichnete sie als „ein Stück Papier für die französische Presse“. Sie dienten der politischen Beruhigung französischer Wähler und unterstrichen die Entschlossenheit der Alliierten – ohne unmittelbare finanzielle Belastung für die deutsche Wirtschaft zu bewirken.

Der Druck auf Deutschland begann bereits im Januar 1921. Damals forderten die Alliierten 226 Milliarden Goldmark. Der deutsche Außenminister Walter Simons reiste nach London und unterbreitete ein Angebot von 50 Milliarden Mark. Die Alliierten lehnten es ab. Am 8. März besetzten französische und belgische Truppen Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort. In Mitteldeutschland und Hamburg demonstrierten Arbeiter für wirtschaftliche Stabilität und soziale Sicherheit. In Oberschlesien verstärkten polnische Freischärler ihre militärischen Aktivitäten. Am 24. April zog sich die Deutschnationale Volkspartei (DVP) aus der Regierung Fehrenbach zurück, weil sie die Reparationspolitik nicht mittragen wollte. Fehrenbach trat am 4. Mai zurück. Die neue Regierung unter Joseph Wirth trat am Tag vor Ablauf der Ultimatumfrist ihr Amt an.

Am 11. Mai stimmte der Reichstag dem Reparationsplan zu. Die Abgeordneten wussten: Ohne Zustimmung rückten französische Panzer in Essen und Bochum ein. Die Annahme war eine entschiedene Handlung zur Verhinderung einer militärischen Eskalation. Die Folgen wirkten rasch: Die Reichsbank stellte zusätzliche Geldmengen bereit, um die ersten Raten zu begleichen. Der Mark-Kurs sank deutlich. Die Preise stiegen monatlich um mehr als zehn Prozent. Gleichzeitig gewannen Parteien an Einfluss, die die Reparationszahlungen als Verstoß gegen nationale Souveränität verstanden – die DNVP im rechten Spektrum, die KPD im linken. Im Januar 1922 bat Berlin um eine neue internationale Konferenz. In Cannes und später in Genua suchte Deutschland nach Möglichkeiten, die Bedingungen anzupassen. Als Deutschland im Januar 1923 mit Kohle- und Holzlieferungen in Verzug geriet, marschierten französische und belgische Truppen am 11. Januar in das gesamte Ruhrgebiet ein – ohne erneutes Ultimatum, ohne Fristsetzung, ohne Aussicht auf Rückzug.


Zum Weiterlesen

Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.

Feldman, G. D. (1993): The Great Disorder: Politics, Economics, and Society in the German Inflation, 1914–1924.*

Bildnachweis

Titelbild: Reparationszahlung in Sachgütern. Bundesarchiv, Bild 183-R02190 / CC-BY-SA 3.0.

Schreibe einen Kommentar