Wirtschaft und Arbeitsmarktpolitik
Auf Baustellen im ganzen Reich zogen Männer Gräben und befestigten Straßen. Kolonnen des Arbeitsdienstes traten geschlossen an. Die Arbeiten waren sichtbar, die Bezahlung mager. Für viele Familien zählte zunächst, dass nach Jahren der Erwerbslosigkeit wieder Geld ins Haus kam. Das Regime machte aus jedem neuen Bauabschnitt eine Botschaft: Deutschland arbeite wieder.
Das Versprechen vom Arbeitsplatz
Am 1. Februar 1933 versprach Hitler, die Erwerbslosigkeit zu beseitigen und den Bauern zu helfen. Einen ausgearbeiteten Plan legte er nicht vor. Die Lage verschaffte ihm dennoch günstige Voraussetzungen. Im Jahr 1932 waren offiziell sechs Millionen Menschen ohne Arbeit. Rechnet man Kurzarbeit und verdeckte Erwerbslosigkeit hinzu, waren mehr als acht Millionen Menschen ganz oder teilweise ohne Beschäftigung.
Zur gleichen Zeit erreichte die Weltwirtschaftskrise ihre Talsohle. Eine konjunkturelle Erholung hätte daher auch unter einer anderen Regierung begonnen. Zudem hatten bereits die Kabinette Franz von Papens und Kurt von Schleichers Programme zur Arbeitsbeschaffung vorbereitet. Die neue Regierung griff diese Vorarbeiten auf und weitete sie stark aus. Bis 1935 stellte sie dafür rund fünf Milliarden Reichsmark bereit.
Hitler konnte sich deshalb eine Entwicklung zuschreiben, die mehrere Ursachen hatte. Der internationale Aufschwung half der deutschen Industrie und staatliche Aufträge verstärkten die Nachfrage zusätzlich. Die Propaganda verband beides eng mit der Person des Kanzlers.
Sichtbare Arbeit und geschönte Zahlen
Die Regierung finanzierte den Straßenbau und unterstützte weitere Bauvorhaben. Auch Landgewinnung und Entwässerungsarbeiten schufen Stellen. Besonders wirkungsvoll inszenierte das Regime die Reichsautobahnen. Sie wurden zum Zeichen technischer Leistungsfähigkeit, obwohl ihr unmittelbarer Beitrag zum Abbau der Erwerbslosigkeit begrenzt blieb.
Steuererleichterungen förderten zugleich die Automobilindustrie. Bereits 1934 lag die deutsche Autoproduktion um die Hälfte über dem Stand von 1929. Hitler warb außerdem für einen erschwinglichen Volkswagen. Vor Kriegsbeginn wurde jedoch kein Wagen an private Sparer ausgeliefert.
Die Erwerbslosigkeit sank tatsächlich, jedoch die amtlichen Zahlen überzeichneten den Erfolg. Männer im Arbeitsdienst verschwanden aus der Statistik. Seit 1935 entzog auch die Wehrpflicht dem Arbeitsmarkt viele junge Männer. Schnell fehlten in einzelnen Branchen Facharbeiter. Im Jahr 1936 herrschte vor allem in der Rüstungsindustrie Arbeitskräftemangel.

Arbeit ohne freie Vertretung
Der neue Arbeitsplatz gab den Beschäftigten keine früheren Rechte zurück. Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften fasste die Deutsche Arbeitsfront Beschäftigte und Unternehmer unter staatlicher Führung zusammen. Sie handelte keine freien Tarifverträge aus. Streiks waren ausgeschlossen.
Staatlich eingesetzte Treuhänder legten Löhne und Arbeitsbedingungen fest. Unternehmer konnten Beschäftigte leichter disziplinieren, mussten ihre Produktion jedoch zunehmend an den Vorgaben der Regierung ausrichten. Das Regime hielt die Lohnsätze auf dem niedrigen Stand der Krisenjahre und lenkte einen wachsenden Teil der Produktion in staatlich gewünschte Bereiche.
Für Arbeiter ergab sich ein widersprüchliches Bild. Regelmäßige Beschäftigung beendete die bedrückende Unsicherheit der Krisenjahre. Zugleich blieben die Verdienstmöglichkeiten begrenzt. Die Freizeitangebote von Kraft durch Freude konnten den Verlust eigener Interessenvertretungen nicht ersetzen.
Schacht finanziert die Aufrüstung
Die beschleunigte Aufrüstung beruhte auf einer Finanzpolitik, die wachsende Schulden außerhalb des Reichshaushalts verbarg. Hjalmar Schacht leitete seit 1933 die Reichsbank und übernahm im Jahr darauf zusätzlich das Wirtschaftsministerium. Er beschaffte dem Regime Geld, ohne die wachsenden Schulden offen im Reichshaushalt auszuweisen. Dazu dienten unter anderem die sogenannten Mefo-Wechsel. Rüstungsfirmen erhielten Wechsel einer eigens geschaffenen Scheinfirma und konnten sie bei Banken einlösen. Das Reich garantierte die Einlösung der Wechsel. Die Reichsbank verpflichtete sich, sie bei Bedarf gegen Bargeld einzulösen.
Dieses Verfahren gab der Regierung die Möglichkeit, große Rüstungsaufträge zu vergeben. Stahlwerke und Maschinenbauer erhielten volle Auftragsbücher. Auch die chemische Industrie profitierte. Von 1934 an beschleunigte sich die Wiederbewaffnung deutlich.
Damit änderte sich der Charakter des Aufschwungs. Öffentliche Bauprojekte hatten den Beginn sichtbar gemacht. Nun erzeugten Wehrmachtsaufträge den stärksten Schub. Im Jahr 1936 floss mehr als ein Drittel der staatlichen Ausgaben in die Aufrüstung. Zwei Jahre später war es fast die Hälfte.
Rohstoffe oder Lebensmittel
Der Boom stieß bald an Grenzen. Deutschland musste viele Rohstoffe im Ausland kaufen und brauchte dafür Devisen. Gleichzeitig verlangte die Bevölkerung nach Lebensmitteln, die im Reich nicht in ausreichender Menge produziert wurden. Eine schlechte Ernte im Jahr 1934 verschärfte die Versorgungslage.
Schacht versuchte, Importe zu kontrollieren und den Außenhandel über bilaterale Abkommen zu lenken. Vor allem südosteuropäische Staaten lieferten Rohstoffe gegen deutsche Industriewaren. Diese Geschäfte minderten den Devisenmangel, banden die Handelspartner jedoch enger an Deutschland.
Der Konflikt blieb bestehen. Schacht wollte das Tempo der Aufrüstung drosseln und den Export stärken. Göring unterstützte dagegen die Forderungen der Wehrmacht und drängte auf eine stärkere Eigenversorgung mit Ersatzstoffen. Hitler musste im Jahr 1936 zwischen diesen Wegen entscheiden.
Der Vierjahresplan
Hitler übertrug Göring die Leitung des Vierjahresplans. Deutschland sollte binnen vier Jahren kriegsfähig werden. Betriebe erhielten Vorgaben für die Produktion. Der Staat förderte synthetischen Treibstoff und Ersatzkautschuk. Wirtschaftliche Rentabilität trat hinter militärischen Zielen zurück.

Die deutsche Wirtschaft blieb privatwirtschaftlich organisiert. Unternehmensleitungen konnten weiterhin Gewinne erzielen. Ihre unternehmerische Freiheit wurde dort zunehmend eingeschränkt, wo Rohstoffe oder Investitionen für die Aufrüstung benötigt wurden. Mit dem Vierjahresplan wuchs Görings Einfluss, während Schacht an Bedeutung verlor.
Viele Menschen verglichen den regelmäßigen Lohn mit dem Elend der letzten Weimarer Jahre. Das stärkte die Zustimmung zum Regime. Der Konsum blieb jedoch hinter der Industrieproduktion zurück. Zugleich hing der Aufschwung immer stärker von Rüstungsaufträgen ab.
Im Jahr 1936 führte der wirtschaftliche Weg daher nicht zu einer stabilen Friedenswirtschaft. Jede weitere Beschleunigung verlangte mehr Rohstoffe, als Deutschland aus eigener Kraft bereitstellen konnte. Damit verband sich das Versprechen von Arbeit immer enger mit dem Drang nach äußerer Expansion.
Zum Weiterlesen
Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.
- Ian Kershaw (2009): Hitler 1889–1945 – Standardwerk zur frühen Biographie und zur ideologischen Formierung Hitlers.*
- Volker Ullrich (2013): Hitler. Aufstieg 1889–1939 – gut lesbare Gesamtdarstellung mit starkem biographischem Zugriff.*
- Sebastian Haffner (1981): Anmerkungen zu Hitler – Klassiker.*
Bildnachweis
Titel: Adolf Hitler am 23. September 1933 beim ersten Spatenstich zum Reichsautobahnbau der Strecke Frankfurt/Main. Bundesarchiv, Bild 183-R27373 / CC-BY-SA 3.0.
Bau Junkers Ju88: Bundesarchiv, Bild 146-1976-097-22 / CC-BY-SA 3.0.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.




