Im März 1793 sollen auch junge Männer aus der Vendée für die Armee der Republik eingezogen werden. In mehreren Gemeinden verweigern sie den Dienst. Glocken läuten, Menschen versammeln sich vor Rathäusern, Beamte werden bedroht. Aus Protest gegen die Aushebung entsteht innerhalb weniger Tage ein bewaffneter Aufstand.
Die Ursachen reichen tiefer. Viele Bewohner der Region lehnen die Kirchenpolitik der Revolution ab und halten zu Priestern, die den Eid auf die neue Kirchenordnung verweigert haben. Auch die Hinrichtung Ludwigs XVI. hat die Ablehnung der Republik verstärkt. Nun verlangt der Nationalkonvent zusätzlich 300.000 neue Soldaten für einen Krieg, der an mehreren Grenzen schlecht läuft.
Frankreich kämpft im Frühjahr 1793 zugleich gegen ausländische Armeen und gegen Aufständische im eigenen Land. In Paris wächst die Überzeugung, dass die Republik nur überleben kann, wenn ihre Gegner schneller erkannt und härter bekämpft werden.
Krieg in der Vendée

Der Aufstand breitet sich südlich der Loire rasch aus. Bauern schließen sich zusammen und wählen lokale Anführer. Bald übernehmen auch Adlige wie Henri de La Rochejaquelein militärische Aufgaben. Die Aufständischen bezeichnen ihre Verbände schließlich als katholische und königliche Armee.
Mehrere republikanische Truppenverbände erleiden Niederlagen. Städte wie Cholet und Saumur geraten zeitweise in die Hände der Aufständischen. Für den Nationalkonvent wird die Vendée damit zu einem militärischen Problem, das weit über lokale Proteste hinausgeht.
Die Kämpfe werden von beiden Seiten mit großer Härte geführt. Republikanische Gefangene werden getötet, auf der Gegenseite reagieren Regierungstruppen mit Erschießungen und der Zerstörung von Dörfern. Der Bürgerkrieg verschärft die Vorstellung, Frankreich sei von Feinden umgeben, die im Inneren mit den Truppen an den Grenzen zusammenwirkten.
Der Streit im Nationalkonvent
Auch in Paris eskaliert der Konflikt. Girondisten und Montagnards streiten seit Monaten über den Kurs der Republik. Die Girondisten misstrauen dem politischen Druck aus Paris und warnen vor dem Einfluss der Sansculotten. Die Montagnards arbeiten enger mit den radikalen Kräften der Hauptstadt zusammen.
Die militärischen Niederlagen verschärfen diesen Gegensatz. Hinzu kommt der Verrat des Generals Charles-François Dumouriez. Nach Niederlagen gegen österreichische Truppen versucht er im Frühjahr 1793, gegen den Konvent vorzugehen. Als sein Plan scheitert, läuft er zu den Österreichern über.
Für die Kritiker der Girondisten scheint damit bestätigt, dass militärische Niederlagen und politische Opposition miteinander verbunden sein könnten.
Ende Mai ziehen bewaffnete Pariser gegen den Konvent. Am 2. Juni umstellen Nationalgardisten das Gebäude und verlangen die Verhaftung führender Girondisten. Die Abgeordneten geben dem Druck nach; damit gewinnen die Montagnards die Kontrolle über den Konvent.
Der Wohlfahrtsausschuss
Schon im April hat der Konvent den Wohlfahrtsausschuss geschaffen. Er soll die Verteidigung der Republik koordinieren und die Arbeit der Minister überwachen. Nach dem Sturz der Girondisten wächst seine Bedeutung weiter.
Im Juli tritt Maximilien Robespierre in den Ausschuss ein. Neben ihm arbeiten Männer wie Louis Antoine de Saint-Just und Georges Couthon. Die Macht verteilt sich jedoch weiterhin auf mehrere Stellen: Entscheidungen entstehen im Zusammenspiel zwischen Nationalkonvent, Ausschüssen und Vertretern, die in die Provinzen oder zu den Armeen geschickt werden.
Der Druck nimmt jedoch ständig zu. Im Sommer 1793 rebellieren mehrere Städte gegen die Vorherrschaft der Montagnards. In Lyon kommt es zum offenen Aufstand. Marseille und andere Städte widersetzen sich zeitweise dem Konvent. Toulon geht noch weiter: Dort öffnen Gegner der Republik den Hafen für britische und spanische Truppen.
Die Regierung in Paris sieht nun einen großen Teil des Landes als militärisch gefährdet.
Die levée en masse

Am 23. August 1793 beschließt der Nationalkonvent die levée en masse. Frankreich mobilisiert seine Bevölkerung für den Krieg. Junge unverheiratete Männer sollen als Soldaten dienen. Andere Bürger werden für die Versorgung der Armeen herangezogen.
Der Beschluss verändert die Kriegsführung. Die Republik kann nun wesentlich größere Armeen aufstellen als zuvor. Zugleich greift der Staat tiefer in das Leben der Bevölkerung ein. Gemeinden müssen Männer stellen und Material liefern.
Verdächtige
Am 17. September verabschiedet der Konvent das Gesetz über die Verdächtigen. Behörden können nun Menschen festnehmen, die als Gegner der Revolution gelten oder deren Verhalten Zweifel an ihrer politischen Loyalität weckt.
Die Kategorien sind weit gefasst: Ehemalige Adlige geraten ebenso unter Verdacht wie Personen, denen Kontakte zu Emigranten vorgeworfen werden. Auch eine unklare Äußerung oder die Denunziation durch Nachbarn kann eine Untersuchung auslösen, und die Gefängnisse füllen sich.
Gleichzeitig arbeitet das Revolutionstribunal in Paris. Es war im März geschaffen worden, um politische Verbrechen zu verfolgen. Nun nimmt die Zahl der Verfahren zu.
Am 16. Oktober 1793 wird Marie Antoinette hingerichtet. Wenige Tage später sterben mehrere führende Girondisten auf der Guillotine.
Die Revolution beseitigt damit Menschen, die sehr unterschiedliche politische Ziele verfolgt haben. Entscheidend wird zunehmend die Frage, ob jemand als Gefahr für die Republik gilt.
Terror als Regierungsmittel
Im Herbst 1793 verlangen Pariser Sansculotten schärfere Maßnahmen gegen Spekulanten und politische Widersacher. Der Konvent reagiert mit Preisvorschriften und weiteren Eingriffen in den Handel.
Auch der Terror gehört nun zum Regierungsalltag. Revolutionäre Ausschüsse überwachen Gemeinden. Vertreter des Konvents erhalten in den Provinzen weitreichende Vollmachten.
Die Gewalt nimmt dabei regional sehr unterschiedliche Formen an. In Lyon werden nach der Rückeroberung der Stadt zahlreiche Gegner der Republik hingerichtet. In Nantes lässt der Vertreter Jean-Baptiste Carrier Gefangene massenhaft töten. In der Vendée setzen republikanische Truppen den Krieg gegen die Aufständischen fort.
Paris kontrolliert diese Vorgänge nur teilweise. Manche Vertreter handeln weit über ihre ursprünglichen Aufträge hinaus. Später geraten mehrere von ihnen selbst unter Verdacht.
Revolutionäre untereinander
Anfang 1794 verschiebt sich der Konflikt erneut. Die unmittelbare militärische Gefahr nimmt ab, doch innerhalb der revolutionären Führung wachsen die Gegensätze.
Jacques Hébert und seine Anhänger verlangen eine weitere Verschärfung der Revolution. Sie stützen sich auf radikale Kräfte in Paris und greifen den Wohlfahrtsausschuss an. Im März lässt die Regierung Hébert und mehrere seiner Verbündeten verhaften. Sie werden vor dem Revolutionstribunal angeklagt und am 24. März hingerichtet.
Wenige Tage später geraten Georges Danton, Camille Desmoulins und ihre Anhänger ins Visier. Sie haben zunehmend ein Ende der Hinrichtungen gefordert. Robespierre und seine Verbündeten im Wohlfahrtsausschuss sehen in ihnen eine Gefahr für die revolutionäre Regierung und lassen sie verhaften.
Danton wird am 5. April 1794 gemeinsam mit Desmoulins und weiteren Angeklagten hingerichtet. Damit verschwinden innerhalb weniger Wochen zwei Gruppen, die den Kurs der Regierung aus entgegengesetzten Richtungen kritisiert haben.
Die Guillotine arbeitet schneller

Im Juni 1794 verabschiedet der Konvent das Gesetz vom 22. Prairial. Das Revolutionstribunal erhält vereinfachte Verfahren. Das Recht der Angeklagten auf Verteidigung wird stark eingeschränkt.
Die Zahl der Todesurteile steigt deutlich. Gerade in Paris erreicht der Terror nun seine höchste Intensität.
Robespierre verteidigt die Härte mit der Bedrohung der Republik. Doch seine Stellung wird unsicherer. Abgeordnete fürchten, selbst auf Listen von Verdächtigen zu geraten. Andere machen Robespierre für eine Politik verantwortlich, die nun auch frühere Mitstreiter und Abgeordnete erfasst.
Gleichzeitig verändert sich die militärische Lage. Am 26. Juni siegt die französische Armee bei Fleurus über österreichische Truppen. Die unmittelbare Gefahr eines feindlichen Einmarsches nimmt weiter ab.
Damit wird eine Frage immer drängender: Warum soll der Terror weiter verschärft werden, wenn die Republik militärisch wieder stärker geworden ist?
Im Juli 1794 richtet sich dieses Misstrauen gegen Robespierre selbst. Am 9. Thermidor tritt er im Konvent seinen Widersachern gegenüber.
Zum Weiterlesen
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- Thamer, H. U. (2023): Die Französische Revolution. C.H. BECK Wissen.*
- Willms, J. (2025): Tugend und Terror: Geschichte der Französischen Revolution.*
Bildnachweis
Titel: Guillotine-Hinrichtung von 9 Emigranten auf der Place de Grève (heute Place de l’Hôtel-de-Ville), Oktober 1792.
Alle Bilder gemeinfrei.




