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Die zwei Urkunden von Worms – Das Konkordat und das Ende der Salier

Eine gewaltige Menschenmenge drängte sich am 23. September 1122 auf einer weiten Wiese vor den Stadtmauern von Worms, um das Ende eines jahrzehntelangen kirchenpolitischen Ringens zu bezeugen. Der päpstliche Legat Lambert von Ostia und Kaiser Heinrich V. tauschten vor den Augen zahlreicher Fürsten zwei aufwendig besiegelte Pergamenturkunden aus, die einen Ausweg aus dem Investiturstreit eröffneten. Dieser diplomatische Akt schuf einen Kompromiss, der das Machtverhältnis zwischen dem Papsttum und dem Kaisertum grundlegend neu ordnete.

Der Weg zur Einigung

Zu Beginn seiner Herrschaft arbeitete der Salierkaiser mit dem Reformpapsttum zusammen, hielt jedoch am königlichen Investiturrecht fest. Im Jahr 1111 nahm er Papst Paschalis II. sogar gefangen, um die Anerkennung der Investitur mit Ring und Stab1 sowie seine Kaiserkrönung zu erzwingen. Dieses gewaltsame Vorgehen scheiterte langfristig an der wachsenden Opposition der Reichsfürsten, die angesichts der andauernden Kämpfe eine Befriedung des Konflikts einforderten. Unter diesem innenpolitischen Druck lenkte Heinrich V. schließlich ein, wodurch er den Weg für ernsthafte Verhandlungen mit dem 1119 gewählten Papst Calixt II. freimachte.

Die Teilung der Investitur

Kaiserliche Urkunde des Wormser Konkordats, 1122

Die in Worms verlesenen Dokumente, das sogenannte Heinricianum und das Calixtinum, trennten die bisher vermischten Einflusssphären mit juristischer Präzision. Heinrich V. verzichtete auf das traditionelle Recht, Bischöfe und Äbte mit Ring und Hirtenstab in ihr geistliches Amt einzusetzen, und garantierte der Kirche deren freie kanonische Wahl. Im Gegenzug gestand der Papst dem Kaiser zu, dass diese Wahlen im deutschen Reichsteil in dessen Anwesenheit stattfanden, wodurch der Herrscher weiterhin erheblichen Einfluss auf die Besetzung der Bistümer und Reichsabteien besaß. Die weltlichen Herrschaftsrechte, die sogenannten Regalien, übertrug der Kaiser den Gewählten fortan in einem davon getrennten Akt mit dem Zepter.

Das Sterben in Utrecht

Dieser hart errungene Ausgleich sicherte dem Reich zwar eine späte Friedensordnung, konnte den heraufziehenden dynastischen Untergang der Salier jedoch nicht mehr abwenden. Im Mai 1125 hielt sich der Kaiser in Utrecht auf, wo ein schweres körperliches Leiden seine Kräfte rapide schwinden ließ. Da seine Ehe mit der englischen Prinzessin Mathilde kinderlos geblieben war, vertraute der sterbende Herrscher seinem Neffen, dem Schwabenherzog Friedrich II., die Sorge für seine Gemahlin sowie sein Eigengut an. Die Reichsinsignien blieben dagegen in der Obhut seiner Witwe, die sie später Erzbischof Adalbert von Mainz übergab. Am 23. Mai 1125 erlag Heinrich V. seiner Krankheit, womit die direkte männliche Linie des salischen Königshauses unwiderruflich erlosch.

Der Verlust der Krone

Der Leichnam des letzten Saliers fand seine letzte Ruhestätte in der Familiengrablege des Speyerer Doms. Der gewaltige Ausbau der Kathedrale hatte die herrschaftliche Ambition der Dynastie noch einmal in Stein manifestiert. Friedrich galt zunächst als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge. Seine starke Hausmacht und sein als hochmütig empfundenes Auftreten weckten jedoch bei zahlreichen Fürsten Widerstand. Die Wahlversammlung in Mainz erhob stattdessen den sächsischen Herzog Lothar von Supplinburg zum neuen König, wodurch das Reich unmittelbar in eine neue Phase scharfer Machtkämpfe eintrat.


Zum Weiterlesen

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Laudage, J. (2024): Die Salier. Das erste deutsche Königshaus.*

Weinfurter, S. (2008): Das Jahrhundert der Salier 1024–1125: Kaiser oder Papst?*

Bildnachweis

Titel: Kaiserkrönung Heinrichs V. durch Papst Paschalis II., Handschrift von 1460.

Alle Bilder gemeinfrei.

Fußnoten

  1. Der Ring (Anulus): Gilt als Zeichen der Treue und der Bindung an die Kirche (analog zum Ehering).

    Der Stab (Baculus): Gilt als Hirtenstab und symbolisiert die Sorgepflicht sowie die geistliche und rechtliche Autorität über eine Diözese oder Abtei. ↩︎

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