Ende August 1125 knieten zwei der Bewerber um die Königswürde vor den versammelten Fürsten in Mainz nieder. Herzog Lothar von Sachsen und Markgraf Leopold von Österreich erklärten unter Tränen, sie strebten nicht nach der Krone. Anschließend setzten sie sich gemeinsam auf einen einzigen Sitzplatz, als wären sie Männer, denen keine besondere Beachtung gebührte.
Mit ihrer demonstrativen Bescheidenheit verfolgten beide ein politisches Ziel. Wer König werden wollte, stieg über seine bisherigen Standesgenossen auf. Er musste deshalb schon vor der Wahl zeigen, dass er ihre Stellung achten und die Herrschaft gemeinsam mit ihnen ausüben würde.
Der dritte aussichtsreiche Kandidat verhielt sich anders. Herzog Friedrich II. von Schwaben – nicht zu verwechseln mit dem späteren Kaiser Friedrich II. – war ein Neffe des verstorbenen Kaisers Heinrich V. und hatte dessen Besitz übernommen. Er konnte gute Gründe für seine Nachfolge anführen. Doch gerade sein Anspruch brachte ihn in Mainz in Schwierigkeiten.
Eine Familie, die sich nicht so nannte
Die Männer, die heute als frühe Staufer bezeichnet werden, verwendeten diesen Namen selbst kaum. Erst Historiker des ausgehenden 15. Jahrhunderts leiteten die Bezeichnung von der Burg Hohenstaufen am Rand der Schwäbischen Alb ab. Für die hochmittelalterlichen Herrscher handelte es sich nicht um einen Familiennamen im modernen Sinn.
Auch die Herkunft ihrer männlichen Vorfahren lässt sich nur bruchstückhaft rekonstruieren. Abt Wibald von Stablo stellte 1153 eine knappe Ahnenfolge zusammen. Darin nennt er einen Friedrich von Büren und dessen Sohn Friedrich, der den Staufen gegründet habe. Ob mit Büren das heutige Wäschenbeuren nahe dem Hohenstaufen gemeint war, bleibt unsicher. Frühe Besitznachweise führen vielmehr ins Elsass, wo die Familie Güter bei Schlettstadt besaß.
Für das Selbstverständnis der späteren Könige spielte diese väterliche Linie ohnehin eine geringe Rolle. Größeres Ansehen versprach die Verwandtschaft mit den salischen Kaisern. Friedrich, der erste Herzog von Schwaben aus der Familie, hatte Agnes geheiratet, eine Tochter Kaiser Heinrichs IV. In einer Gesellschaft, die Herkunft und Nähe zum Herrscher genau gewichtete, hob diese Verbindung seinen Rang erheblich.
Der Aufstieg begann während eines Bürgerkrieges. Mehrere Fürsten hatten sich gegen Heinrich IV. erhoben und 1077 Rudolf von Rheinfelden zum Gegenkönig gewählt. Rudolf war zugleich Herzog von Schwaben. Heinrich erklärte das Herzogtum für eingezogen und übertrug es 1079 an Friedrich. Zugleich gab er ihm Agnes zur Frau.
Der neue Herzog musste seinen Anspruch allerdings erst durchsetzen. Welfen und Zähringer verfügten in Schwaben über größere Besitzkomplexe. Heinrich IV. erreichte schließlich einen Ausgleich, bei dem Friedrich den Herzogstitel behielt, während seine Konkurrenten ihre eigenen Herrschaftsräume behaupteten. Der Staufer stand ihnen nun im Rang nicht mehr nach. Die Treue zum bedrängten Kaiser hatte ihm ein Herzogsamt und die Verbindung mit dem Herrscherhaus eingebracht.
Herzog Friedrich am salischen Hof
Nach dem Tod des ersten Stauferherzogs im Jahr 1105 übernahm sein etwa 15 Jahre alter Sohn Friedrich II. das Herzogtum. Sein jüngerer Bruder Konrad erhielt später eine eigene Machtstellung im östlichen Franken.

Friedrich stand zunächst im Schatten der Fürsten, die Heinrich V. gegen dessen Vater unterstützt hatten. Seit dem Italienzug des Königs von 1110 erschien der Herzog jedoch regelmäßig am Hof. Seine Bedeutung wuchs, während sich immer mehr Große von Heinrich V. abwandten.
Vor seinem zweiten Italienzug im Jahr 1116 betraute Heinrich die beiden Brüder mit wichtigen Aufgaben. Konrad sollte die königlichen Interessen in Ostfranken durchsetzen. Friedrich erhielt die Aufgabe, im Rheintal gegen Erzbischof Adalbert von Mainz vorzugehen. Dort lagen große Teile des salischen Besitzes, auf den auch der Mainzer Erzbischof zugreifen wollte.
Friedrich verband den Dienst für den Kaiser mit dem Ausbau der eigenen Stellung. Spätere Beobachter behaupteten, der Herzog habe am Schweif seines Pferdes stets eine neue Burg hinter sich hergezogen. Das Bild übertrieb, traf aber einen wichtigen Punkt: Wer königliche Rechte verteidigte, konnte zugleich Gefolgsleute gewinnen und eigene Stützpunkte errichten.
Trotzdem folgte Friedrich dem Kaiser nicht bedingungslos. Für das Jahr 1118 gibt es Hinweise, dass er von den Vorbereitungen zu einer Fürstenversammlung in Würzburg wusste, auf der die Großen über Heinrichs Herrschaft beraten wollten. Der Kaiser kehrte eilig aus Italien zurück und verhinderte die Zusammenkunft.
Friedrich wahrte seine eigenen Interessen, ohne dauerhaft mit Heinrich zu brechen. In den folgenden Jahren beteiligte er sich an den Verhandlungen zwischen Kaiser und Fürsten. Diese führten 1122 zum Wormser Konkordat, das den langen Investiturstreit zwischen Königtum und Papsttum beendete. Friedrich bezeugte die für den Papst bestimmte Ausfertigung des Vertrages.
Das Erbe Heinrichs V.

Heinrich V. starb am 23. Mai 1125 in Utrecht. Er hinterließ keinen Sohn. Vor seinem Tod vertraute er Herzog Friedrich die Sorge für seine Gemahlin Mathilde an, eine Tochter des englischen Königs. Auch sein Eigentum übergab er dem Neffen.
Die Übergabe garantierte Friedrich jedoch nicht die Krone. Im Reich wählten die Fürsten den neuen Herrscher. Verwandtschaft mit dem Vorgänger stärkte einen Bewerber, ersetzte ihre Zustimmung aber nicht. Jahrzehnte der Auseinandersetzung mit Heinrich IV. und Heinrich V. hatten das gemeinsame Handeln der Fürsten gestärkt.
Erzbischof Adalbert von Mainz berief die Wahlversammlung in seine Stadt ein. Zwischen ihm und Friedrich bestand eine alte Rivalität um Besitz und Einfluss am Rhein. Der Erzbischof hatte deshalb wenig Interesse daran, mit dem Schwabenherzog einen mächtigen Gegner zum König zu erheben.
Über die Vorgänge berichtet die sogenannte Narratio de electione Lotharii, die Erzählung von der Wahl Lothars. Ihr Verfasser wollte die Erhebung des Sachsenherzogs rechtfertigen und schilderte die Vorgänge aus der Sicht von Lothars Anhängern. Dennoch zeigt der Text, welche Verhaltensweisen die Beteiligten von einem geeigneten Kandidaten erwarteten.
Lothar und Leopold führten ihre Bereitschaft zum Verzicht öffentlich vor. Sie signalisierten damit, dass sie eine Entscheidung der Fürsten anerkennen würden. Friedrich musste dieselbe Bereitschaft zeigen. Bei ihm ging die Forderung allerdings einen entscheidenden Schritt weiter.
Die Frage des Erzbischofs

Adalbert verlangte von Friedrich die Zusicherung, auch die Wahl eines anderen Kandidaten anzuerkennen. Zusätzlich sollte der Herzog erklären, künftig auf die Benennung eines Nachfolgers zu verzichten und damit die freie Wahl der Fürsten zu achten.
Diese Forderung berührte mehr als den bevorstehenden Wahlgang. Friedrich leitete seinen Anspruch aus der Verwandtschaft mit dem verstorbenen Kaiser ab. Akzeptierte er Adalberts Formel, erkannte er ausdrücklich an, dass auch in Zukunft die Entscheidung der Fürsten schwerer wog als die Abstammung vom vorherigen Herrscher. Das hätte zugleich die Aussichten seines eigenen Sohnes berührt.
Friedrich schwieg. Er verließ die Versammlung und kehrte in sein Lager zurück, um sich mit seinen Vertrauten zu beraten. Damit schied er zunächst aus dem Kreis der Bewerber aus.
Nun riefen Lothars Anhänger den Sachsenherzog in einem tumultartigen Vorgang zum König aus. Bayerische Fürsten widersprachen: Eine einmütige Wahl habe nicht stattgefunden. Erzbischof Adalbert ließ die Tore schließen, während ein päpstlicher Legat die Versammelten beruhigte. Die bayerischen Bischöfe erklärten, ohne ihren Herzog Heinrich den Schwarzen keine Entscheidung treffen zu können. Auch er hatte die Versammlung verlassen.
Wohl drei Tage später kamen die Fürsten erneut zusammen. Diesmal unterstützte Heinrich der Schwarze den Sachsenherzog. Die Aussicht, dass sein Sohn Heinrich der Stolze Lothars einzige Tochter Gertrud heiraten würde, dürfte bei diesem Wechsel eine wichtige Rolle gespielt haben. Da Lothar keinen Sohn besaß, eröffnete die Verbindung dem Welfen beträchtliche Aussichten. Nun wählten die Fürsten Lothar zum König.
Friedrich huldigt dem neuen König
Die meisten Fürsten huldigten Lothar unmittelbar nach der Wahl. Friedrich folgte ihnen erst zwei Tage später. Sein Zögern offenbarte, wie tief ihn die Entscheidung getroffen hatte. Er hatte den letzten Salier über Jahre unterstützt, dessen Besitz übernommen und sich als Angehöriger der kaiserlichen Verwandtschaft verstanden. Nun hatten die Fürsten einen Mann gewählt, dessen Machtbasis vor allem in Sachsen lag.
Hinter dem persönlichen Misserfolg stand ein grundsätzlicher Streit. Friedrich betrachtete das salische Erbe als Eigentum, das Heinrich V. ihm rechtmäßig übertragen hatte. Lothar unterschied dagegen zwischen dem vererbbaren Besitz des Herrscherhauses und Gütern, die zur Königsherrschaft gehörten. Diesen Teil forderte er als Reichsgut zurück.
Die Auseinandersetzung ließ sich nicht durch die verspätete Huldigung beenden. Friedrich und sein Bruder Konrad verweigerten die Herausgabe großer Besitzkomplexe. Der neue König verlangte von ihnen, sich seinem Urteil zu unterwerfen. Aus dem verlorenen Wahlgang entwickelte sich so ein offener Kampf um das salische Erbe.
Zwei Jahre nach der Mainzer Versammlung gingen die Brüder noch weiter. Anhänger aus Süddeutschland erhoben Konrad im Dezember 1127 in Nürnberg zum Gegenkönig. Damit focht Friedrichs Familie das Ergebnis von 1125 offen an.
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Görich, K. (2019): Die Staufer. Herrscher und Reich.* Überblick über den Aufstieg der frühen Staufer und ihre Königs- und Kaiserherrschaft.
Althoff, G. (2003): Die Macht der Rituale. Symbolik und Herrschaft im Mittelalter.* Grundlegende Untersuchung zur politischen Bedeutung öffentlicher Gesten und ausgehandelter Rituale
Bildnachweis
Titel: Lothar III. Codex Eberhardi, 12. Jhdt.
Grab Heinrich V.: Wikimedia Commons, Michail. CC BY-SA 3.0.
Adalbert-Siegel: Hermann Bär, Karl Rossel (Hrsg): Diplomatische Geschichte der Abtei Eberbach im Rheingau, Wiesbaden 1855. CC BY-SA 3.0.
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