Im Hafen von Bergen warten Kaufleute auf Schiffe, die ausbleiben. In den Speichern liegt Stockfisch für den Export, während die Vorräte an eingeführtem Getreide schrumpfen. Die norddeutschen Städte haben ihren Händlern verboten, Norwegen anzulaufen.
Aus einem Streit über Handelsrechte ist ein Wirtschaftskrieg geworden.
Stockfisch gegen Getreide
Norwegische Fischer brachten getrockneten Kabeljau aus dem Norden nach Bergen. Der haltbare Stockfisch ließ sich über weite Strecken transportieren und fand in den Städten Europas viele Käufer. Besonders während der kirchlichen Fastenzeiten war die Nachfrage groß.
Auf der Rückfahrt lieferten ausländische Schiffe Getreide und Mehl. Auch Malz und Bier kamen über das Meer. Für Bergen und die norwegische Westküste waren diese Einfuhren wichtig, weil der heimische Getreideanbau den Bedarf nicht zuverlässig deckte. Der spätere Handel des Bergener Kontors beruhte weiterhin auf diesem Austausch.
Deutsche Kaufleute wollten ihre Waren zunehmend selbst verkaufen und überwinterten dafür in Bergen. Einige mieteten Häuser oder erwarben Grundbesitz. Damit gerieten sie in Konkurrenz zu norwegischen Händlern, die ihre Rolle als Vermittler bedroht sahen.
Bergen begrenzt den deutschen Handel
Die Stadt Bergen versuchte, den Verkauf von Grundstücken an überwinternde Ausländer einzuschränken. Der norwegische Reichsrat unterstützte dieses Vorgehen. Auch der Handel der Deutschen innerhalb des Landes sollte begrenzt werden.
Für die norddeutschen Kaufleute ging es um mehr als einzelne Häuser. Wer in Bergen über eigene Räume verfügte, konnte Waren lagern und auf bessere Preise warten. Ohne einen festen Platz mussten die Händler ihre Geschäfte schneller abschließen oder norwegische Zwischenhändler einschalten.
Der Konflikt verschärfte sich unter König Erik II. Deutsche Schiffe wurden festgehalten und Waren beschlagnahmt. Lübeck und weitere Städte an der südlichen Ostseeküste beschlossen daraufhin, gemeinsam Druck auf Norwegen auszuüben.
Der Handel wird zur Waffe
Die beteiligten Städte untersagten ihren Kaufleuten die Fahrt nach Norwegen. Auch Lebensmittel sollten das Königreich nicht mehr erreichen. Im Jahr 1285 sperrten Schiffe der wendischen Städte um Lübeck zeitweise den Öresund und erschwerten damit die Verbindung zwischen Ostsee und Nordsee.
Die Sperre traf beide Seiten. Deutsche Händler verloren den norwegischen Stockfisch, während in Bergen wichtige Einfuhren fehlten. Norwegens Küstenwirtschaft war jedoch stärker von regelmäßig eintreffenden Schiffen abhängig. Ein Lager voller Trockenfisch half wenig, wenn Käufer und Getreidelieferungen ausblieben.
Die Städte mussten dafür ihre Kaufleute zur Teilnahme zwingen. Wer trotz des Verbots mit Norwegen handelte, verdiente an der Knappheit besonders gut und schwächte zugleich den gemeinsamen Druck.
Bremen hält zum König
Bremen schloss sich der Sperre nicht an. Die Stadt hatte seit 1279 eigene Vergünstigungen vom norwegischen König erhalten und wollte ihre Verbindung nach Bergen bewahren. Sie unterstützte Erik II. und zerstritt sich darüber mit Lübeck und den übrigen beteiligten Städten. Der Konflikt drängte Bremen für lange Zeit aus dem von Lübeck geprägten Bergenhandel.
Bremens Entscheidung zeigt, wie solche Bündnisse funktionierten. Jede Stadt verfolgte eigene Interessen. Gemeinsame Maßnahmen entstanden durch Verhandlungen und durch die Drohung, Abweichler von Privilegien auszuschließen.
Der Boykott war deshalb nur wirksam, wenn genügend Häfen und Kaufleute mitzogen. Lübeck konnte Bremen keine Befehle erteilen, aber die Stadt konnte den Preis des Ausscherens erhöhen.
Der Vergleich von Kalmar
Im Sommer 1285 begannen Verhandlungen. Ende Oktober wurde der Streit in Kalmar beigelegt. Norwegen musste beschlagnahmte Schiffe herausgeben und 6000 Mark Silber als Entschädigung zahlen. Die deutschen Kaufleute erhielten ihre Handelsrechte in den norwegischen Städten und Märkten zurück.
Der Erfolg hatte klare Grenzen. Das norwegische Binnenland blieb den deutschen Händlern verschlossen, ebenso die direkte Fahrt zu den Küsten nördlich von Bergen. Der König bewahrte damit den Hafen als zentralen Umschlagplatz für den Stockfisch aus dem Norden.
Nach dem Vergleich liefen die deutschen Schiffe Bergen wieder an. Ihre freie Fahrt endete weiterhin dort.

Zum Weiterlesen
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Hammel-Kiesow, R. (2025): Die Hanse.*
Wubs-Mrozewicz, J.; Jenks, S. (Hrsg.) (2013): The Hanse in Medieval and Early Modern Europe.*
Bildnachweis
Titel: Stockfisch, Island. Wikimedia Commons, Corvus24. CC BY-SA 4.0.
Bergen heute: Wikimedia Commons, Holger Uwe Schmitt. CC BY-SA 4.0.




