Auf dem Platz vor dem Bischof von Assisi stehen sich Vater und Sohn gegenüber. Pietro Bernardone, ein wohlhabender Tuchhändler, fordert von Franziskus zurück, was dieser aus dem Familienvermögen genommen hat. Der Sohn hat Waren aus dem väterlichen Geschäft verkauft, um mit dem Erlös die kleine Kirche San Damiano instand zu setzen, und sich damit gegen die Pläne seines Vaters gestellt.
Dann zieht Franziskus seine Kleider aus und legt sie vor Pietro nieder.
Die Szene ist durch frühe Lebensbeschreibungen des späteren Heiligen überliefert und trägt bereits Züge einer symbolischen Erzählung. Ihr Kern ist jedoch eindeutig: Um 1206/1207 löste sich Franziskus öffentlich von seiner Familie und stellte sich unter den Schutz des Bischofs von Assisi.
Der Sohn eines Tuchhändlers

Franziskus Bernardone war in eine Familie hineingeboren worden, die vom Handel lebte. Sein Vater Pietro gehörte zu den wohlhabenden Bürgern Assisis. Für Franziskus lag damit ein Lebensweg im väterlichen Geschäft nahe.
Zunächst verfolgte er andere ehrgeizige Pläne. 1202 kämpfte er im Krieg Assisis gegen das benachbarte Perugia und geriet in Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr veränderte sich sein Leben schrittweise. Er zog sich von früheren Gefährten zurück und wandte sich verstärkt religiösen Aufgaben zu.
Besonders wichtig wurde San Damiano, eine verfallene Kirche außerhalb Assisis. Nach den Überlieferungen der frühen Heiligenviten glaubte Franziskus dort Christus zu hören, der ihn aufforderte, sein Haus wieder aufzubauen.
Er verstand den Auftrag zunächst ganz praktisch.
Streit um das Geld
Franziskus ritt nach Foligno, verkaufte dort Tuch sowie sein Pferd und kehrte mit dem Erlös nach San Damiano zurück. Dem Priester bot er das Geld für die Kirche an. Dieser lehnte aus Furcht vor Pietro Bernardone ab.
Damit war der Konflikt mit dem Vater offen ausgebrochen. Schließlich kam die Auseinandersetzung vor den Bischof von Assisi.
Dort gab Franziskus Geld und Kleidung zurück. Die frühen Lebensbeschreibungen schildern, wie der Bischof den entkleideten jungen Mann anschließend mit seinem Mantel bedeckte.
Gerade diese Reaktion gab der Szene ihre besondere Bedeutung. Franziskus verließ demonstrativ den Schutz seines Elternhauses, während der Bischof ihn unmittelbar unter seinen eigenen Schutz nahm.
Ein neuer Lebensweg
Franziskus stand damit erst am Anfang seines Weges. Zunächst lebte er als einfacher Büßer und arbeitete an verfallenen Kirchen. Zugleich suchte er nach einer Lebensweise, die sich eng an den Evangelien orientierte.
Bald schlossen sich ihm erste Gefährten an. 1209 oder 1210 zog die kleine Gruppe nach Rom, wo Papst Innozenz III. ihre Lebensweise mündlich billigte.
Innerhalb weniger Jahre war aus dem persönlichen Bruch mit Pietro Bernardone eine religiöse Gemeinschaft entstanden. Die Entkleidung vor dem Bischof blieb dafür ein besonders einprägsamer Moment: Franziskus gab seinem Vater selbst die Kleidung zurück, die aus dessen Vermögen bezahlt worden war.
Zum Weiterlesen
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Vauchez, A. (2012): Francis of Assisi. The Life and Afterlife of a Medieval Saint.
Thompson, A. (2012): Francis of Assisi. A New Biography.
Feld, H. (2007): Franziskus von Assisi.
Bildnachweis
Titel: San Damiano 2023. Wikimedia Commons, Hagai Agmon-Snir حچاي اچمون-سنير חגי אגמון-שניר. CC BY-SA 4.0.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.




