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Paris 1229 – Eine Schlägerei legt die Universität lahm

Während der Karnevalszeit 1229 geraten Studenten in einer Taverne im Faubourg Saint-Marcel, außerhalb der damaligen Pariser Stadtmauer, in Streit. Aus dem Wortwechsel wird eine Schlägerei. Wenig später greifen königliche Ordnungskräfte ein und gehen mit großer Härte gegen Angehörige der Universität vor. Dabei treffen sie auch Unbeteiligte. Mehrere von ihnen kommen ums Leben.

Damit endet der Konflikt nicht. Die Universität verlangt Genugtuung für die Opfer. Die Regentin Blanka von Kastilien verweigert sie.

Darauf reagieren die Lehrenden mit einem ungewöhnlichen Mittel: Sie stellen die Vorlesungen ein.

Studenten mit eigenen Rechten

Die Universität war damals noch eine junge Körperschaft. Ihre Lehrer und Studenten lebten vor allem am linken Seine-Ufer. Viele von ihnen waren Kleriker oder besaßen zumindest einen entsprechenden Rechtsstatus.

Konflikte mit den Einwohnern gehörten seit Jahren zum Alltag. Studenten tranken, machten Schulden oder gerieten in Prügeleien. Zugleich verteidigten sie ihre besonderen Privilegien energisch.

Bereits 1200 hatte eine gewaltsame Auseinandersetzung mehrere Studenten das Leben gekostet. König Philipp II. reagierte mit einem Privileg: Universitätsangehörige sollten vor Übergriffen geschützt werden und unterlagen in wichtigen Fällen der kirchlichen statt der königlichen Gerichtsbarkeit.

1229 stand deshalb mehr auf dem Spiel als eine Wirtshausschlägerei. Die Magister sahen die zugesicherte Sonderstellung ihrer Gemeinschaft verletzt.

Die Hörsäle bleiben leer

Die Universität setzte ihre wichtigste Waffe ein: den Weggang.

Lehrer stellten den Unterricht ein, zahlreiche Magister und Studenten verließen Paris. Für eine Stadt, deren Ruf längst Gelehrte aus vielen Teilen Europas anzog, war das ein empfindlicher Verlust. Der Konflikt zog sich bis 1231 hin.

Nun griff Papst Gregor IX. ein. Er kannte Paris aus eigener Studienzeit und stärkte die Universität mit der Bulle Parens scientiarum. Der Papst bestätigte ihre Privilegien und gestattete den Lehrenden ausdrücklich, unter bestimmten Umständen den Unterricht auszusetzen, wenn Universitätsangehörigen schwere Gewalt angetan und keine Genugtuung geleistet wurde.

Aus einer Prügelei war damit eine Auseinandersetzung darüber geworden, wer über Studenten und Lehrer bestimmen durfte.

Eine Universität lernt zu streiken

Die Universität von Paris bestand vor allem aus der Gemeinschaft ihrer Lehrenden und Studenten. Unterricht hing an den Magistern, nicht an einem festen Campus. Wenn sie Paris verließen, konnten sie ihre Lehrtätigkeit andernorts fortsetzen.

Genau diese Beweglichkeit gab ihnen Macht.

1231 kehrten Lehre und Studium unter gestärkten Bedingungen zurück. Der Streit, der in einer Taverne vor der Pariser Stadtmauer begonnen hatte, veränderte damit die Stellung der Universität dauerhaft: Künftige Magister konnten sich bei schweren Übergriffen auf Privilegien berufen, die Gregor IX. ausdrücklich bestätigt hatte.


Kleriker-Studenten, 14. Jhdt.

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Bildnachweis

Titel: Historischer Campus der Sorbonne, Wikimedia Commons, Mbzt. CC BY-SA 4.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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