Ahuizotl übernahm 1486 die Herrschaft in Tenochtitlan. Mit seinem Namen verbinden die Überlieferungen eine große Erweiterung und die Einweihung des Templo Mayor im folgenden Jahr. Wer das Heiligtum vergrößerte, griff in einen Ort ein, an dem die Mexica ihre Stadt im Zusammenhang der göttlichen Welt verorteten.
Weiterbauen am selben Ort
Die Bauherren ersetzten den Tempel nicht einfach durch einen Neubau an anderer Stelle. Sie ummantelten ältere Baukörper und vergrößerten dadurch die Anlage. Archäologisch lassen sich mehrere aufeinanderfolgende Bauphasen erkennen. Die wiederholte Überbauung bewahrte den heiligen Ort und gab ihm zugleich eine mächtigere sichtbare Gestalt.

Auf der Spitze standen zwei Heiligtümer. Eines gehörte Huitzilopochtli, der eng mit Krieg und der Geschichte der Mexica verbunden war. Das andere galt Tlaloc, von dessen Regen die Landwirtschaft abhing. Die gemeinsame Anlage brachte unterschiedliche Voraussetzungen des städtischen Lebens an einem Ort zusammen. Eroberungserfolge konnten Nahrung und andere Abgaben sichern; ohne erfolgreiche Ernten in den liefernden Gemeinden blieben diese Ansprüche unerfüllbar.
Der Bau beanspruchte erhebliche Arbeitsleistungen. Steine mussten herangeschafft und verarbeitet werden; während der Arbeiten benötigten die Beteiligten Verpflegung. Hinzu kamen Forderungen für das Einweihungsfest von 1487. Die Überlieferung unterscheidet dafür erhobene Sondertribute von den regelmäßig fälligen Lieferungen. Der Herrscher beanspruchte damit über die gewöhnlichen Pflichten hinaus Erzeugnisse aus den unterworfenen Gebieten. Zur Vergrößerung des Tempels kam die Versorgung einer besonderen Zeremonie.
Was unter dem Bau lag
In den Baukörpern wurden Opfergaben niedergelegt. Darunter befinden sich kostbare Materialien und Überreste von Tieren, deren Herkunft weit über das unmittelbare Seebecken hinausweist. Die Beschaffung gehörte zum Aufwand für das Heiligtum.
Ihre Niederlegung entzog die Gaben dem gewöhnlichen Gebrauch. Die Empfänger waren Gottheiten, nicht Käufer auf einem Markt. Damit verband sich die Erwartung, Beziehungen zur göttlichen Welt durch Handlungen zu erhalten. Der Herrscher trat dabei als jemand auf, der die benötigten Mittel verfügbar machen konnte.

Zu den Einweihungszeremonien gehörten auch Tötungen von Gefangenen. Spätere Berichte nennen außerordentlich hohe Opferzahlen. Sie wurden unter Bedingungen niedergeschrieben, in denen Größe und Schrecken des vorspanischen Kultes unterschiedliche politische oder religiöse Aussagen stützen konnten. Archäologische Nachweise ritueller Gewalt bestätigen deren Realität, entscheiden aber nicht automatisch über die Richtigkeit einer bestimmten Zahl für ein einzelnes Fest.
Die Überbauungen schlossen ältere Opfergaben ein und bewahrten sie dadurch. Bei späteren Ausgrabungen kamen etwa Tiere aus weit entfernten Lebensräumen wieder zum Vorschein. Sie waren eigens beschafft und als Gaben niedergelegt worden. So erschließt die Untersuchung einer verschlossenen Bauphase auch Wege, über die Menschen Tiere und kostbare Materialien bis in das Heiligtum brachten.
Zum Weiterlesen
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Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*
Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*
Bildnachweis
Titel: Modernes Modell des Templo Mayor, wie er sich im frühen 16. Jahrhundert präsentierte – zu sehen im Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko-Stadt. Gemeinfrei.
Tempel: Heutige Ausgrabungen am Templo Mayor. Wikimedia Commons, © José Luiz Bernardes Ribeiro. CC BY-SA 4.0.



