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Moctezuma II. – Ein neuer Herrscher ordnet seinen Hof

Moctezuma II. im Codex Mendoza, Blatt 13r

1502 wurde Moctezuma II. zum Herrscher von Tenochtitlan erhoben. Er war ein Sohn Axayacatls und folgte auf Ahuizotl. Die Auswahl innerhalb des Herrscherhauses war damit zugleich eine Entscheidung darüber, welcher Familienzweig erneut den Vorrang erhielt. Mehrere Angehörige der Dynastie kamen grundsätzlich für die Herrschaft infrage.

Moctezuma übernahm ein Gemeinwesen, das weit über das Tal von Mexiko hinaus Abgaben beanspruchte. Neben weiteren Feldzügen beschäftigte ihn die Durchsetzung dieser Ansprüche. Er musste erreichen, dass entfernte Gemeinden ihren Pflichten tatsächlich nachkamen und seine Anordnungen über den unmittelbaren Kreis seiner Anwesenheit hinaus wirkten.

Zugang zum Herrscher

Die Überlieferungen verbinden seinen Regierungsbeginn mit einer stärkeren Bevorzugung adliger Amtsträger am Hof. Männer gewöhnlicher Herkunft verloren Zugang zu bestimmten Aufgaben. Für erfolgreiche Krieger aus nichtadligen Familien bedeutete das eine Grenze: Militärische Anerkennung eröffnete nicht zwangsläufig dieselben Möglichkeiten wie die Zugehörigkeit zu einem angesehenen Haus.

Der Hof war ein Ort, an dem Leistungen bewertet und Güter verteilt wurden. Wer dort regelmäßig tätig war, konnte Anliegen vorbringen und Entscheidungen beeinflussen. Die Auswahl seiner Mitglieder regelte folglich den Zugang zu Möglichkeiten, die außerhalb des Palastes konkrete Folgen hatten.

Moctezumas bevorzugte Amtsträger blieben ihrerseits mit Familien und Stadtbezirken verbunden. Eine Stellung am Hof löste diese Beziehungen nicht einfach auf. Durch erfolgreiche Angehörige konnten örtliche Gemeinschaften Zugang zu Belohnungen und Fürsprache gewinnen. Die engere Auswahl der Hofleute veränderte daher auch die Wege, auf denen andere Menschen den Herrscher erreichten.

Ansprüche aus der Ferne durchsetzen

In den abhängigen Gebieten lebten Vertreter der Herrschaft dauerhaft vor Ort. Im Tal von Toluca entstanden sogar Viertel mit Namen wie „Ort der Kaufleute“ und „Ort der Mexica“. Solche Ansiedlungen schufen eine Präsenz, die über den Besuch von Tributeinnehmern hinausreichte. An wichtigen Orten stützten Garnisonen die dort lebenden Vertreter Tenochtitlans. Bildliche Aufzeichnungen hielten fest, welche Amtsträger einander unterstanden und welche Lieferungen geschuldet waren.

Die Liefertermine mussten zwischen Gemeinden abgestimmt werden. Ein Teil der Güter war jährlich fällig, anderes mehrfach im Jahr. Örtliche Kalenderzählungen konnten ursprünglich voneinander abweichen. Die Durchsetzung überregionaler Forderungen förderte deshalb eine Angleichung der Termine. Für die Liefernden war die Zählung eine praktische Verpflichtung: Wenn die Einnehmer kamen, mussten die geschuldeten Güter bereitliegen.

Der Eingriff reichte über Abgaben hinaus. Örtliche Herrscher teilten weiterhin Ackerland unter ihren Leuten zu. Bei ungelösten Landstreitigkeiten und Konflikten zwischen Gemeinden beanspruchten jedoch Richter aus Tenochtitlan die Entscheidung. Solche Entscheidungen konnten die bisherigen Ansprüche örtlicher Familien verändern.

Die Verwaltung verdrängte deshalb nicht überall die örtlichen Einrichtungen. Sie setzte vielfach an ihnen an und beanspruchte bestimmte Entscheidungen für sich. Das war für einen weitreichenden Herrschaftsverband praktikabel, ließ aber den Umfang der tatsächlichen Kontrolle von Ort zu Ort unterschiedlich bleiben.

Grenzen innerhalb und außerhalb des Bündnisses

Auch Texcoco ließ sich nicht wie ein beliebiges abhängiges Dorf behandeln. Nach dem Tod Nezahualpillis unterstützte Moctezuma 1515 den ihm familiär verbundenen Cacama. Andere Angehörige der dortigen Dynastie blieben jedoch Träger eigener Ansprüche. Die Einflussnahme verschaffte Moctezuma einen nahestehenden Partner und konnte zugleich dessen Gegner gegen Tenochtitlan aufbringen.

Außerhalb des engeren Bündnisgebiets behaupteten sich weiterhin unabhängige Mächte. Kriege gegen Gemeinden östlich des Seebeckens kosteten Menschen, ohne sämtliche Gegner dauerhaft zu unterwerfen. Die Reichweite eines Tributforderers war deshalb nicht mit einer lückenlos beherrschten Fläche gleichzusetzen.

Für manche Gemeinden wirkte Moctezumas Zugriff deshalb über sein Leben hinaus. Manche Familien beklagten die Urteile noch lange nach der Eroberung. Was ein Richter aus Tenochtitlan entschieden hatte, konnte Jahrzehnte später den Anspruch auf ein Feld begründen. Spanische Amtsträger trafen auf Verteilungen, die bereits als örtliche Gewohnheit galten. Die neue Herrschaft musste sich auch zu diesen früheren Eingriffen verhalten.


Erhebung Moctezumas II. im Codex Durán
Moctezumas II. Erhebung in einer Darstellung des Codex Durán (16. Jahrhundert). Das Bild entstand nach dem Ende seiner Herrschaft.

Zum Weiterlesen

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Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*

Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*

Bildnachweis

Titel: Moctezuma II. im Codex Mendoza, Blatt 13r. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.

Handschrift: Erhebung Moctezumas II. im Codex Durán. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler; Handschrift des Diego Durán. Gemeinfrei.

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