Startseite » Florenz als Großherzogtum

Florenz als Großherzogtum

Innenhof der Uffizien mit Blick zum Palazzo Vecchio.

Papst Pius V. verlieh Cosimo de’ Medici 1569 den Titel eines Großherzogs der Toskana. Im folgenden Jahr empfing Cosimo in Rom die feierliche Krönung. Der neue Rang erhob ihn über die gewöhnlichen Herzöge Italiens und gab dem gewachsenen Herrschaftsgebiet einen Namen, der weit über Florenz hinauswies.

Die päpstliche Verleihung beantwortete jedoch nicht sämtliche politischen Fragen. Andere Herrscher konnten bestreiten, dass der Papst einen solchen Rang eigenmächtig schaffen durfte. Auch innerhalb der Toskana deckte sich der Titel nicht mit einer einheitlichen Herrschaft über die ganze Landschaft. Lucca blieb unabhängig, und an der Küste bestanden Stützpunkte unter spanischer Kontrolle.

Siena wurde unterworfen

Die wichtigste territoriale Erweiterung war dem Titel vorausgegangen. Nach einem langen Krieg und einer schweren Belagerung kapitulierte Siena 1555. Der Sieg gehörte in den Zusammenhang des französisch-habsburgischen Machtkampfs. Cosimo hatte die habsburgische Seite unterstützt und nutzte das Ergebnis, um seinen Einfluss in der südlichen Toskana auszubauen.

1557 übertrug ihm der spanische König Philipp II. das sienesische Gebiet als Lehen, mit Ausnahmen an der Küste. Im Gegenzug verzichtete Cosimo auf spanische Schulden bei ihm. Die letzten republikanischen Stellungen außerhalb der Stadt bestanden noch bis 1559. Eroberung, Übertragung von Herrschaftsrechten und die vollständige Beseitigung des militärischen Widerstands waren somit unterschiedliche Vorgänge.

Nicht das gesamte frühere Staatsgebiet Sienas ging in gleicher Weise an die Medici. Küstenorte wurden als spanisch kontrollierte Stützpunkte zusammengefasst. Die Grenzen des neuen Herrschaftsraums blieben von dem Bündnis bestimmt, das seine Entstehung ermöglicht hatte.

Für Cosimo bedeutete die Erweiterung dennoch einen großen Gewinn. Sein Staat besaß nun Gebiete mit eigener städtischer Tradition, die zuvor selbständig Politik betrieben hatten. Deren Unterwerfung ließ sich nicht allein dadurch vollenden, dass in Florenz ein zusätzlicher Titel geführt wurde.

Ein neues Gebiet mit alten Einrichtungen

Siena behielt eigene Institutionen und besondere Rechtsverhältnisse. Die Medici ließen den eroberten Raum nicht einfach in der älteren Florentiner Verwaltung aufgehen. Sie regierten ihn als unterscheidbaren Teil ihres Besitzes und mussten mit örtlichen Führungsschichten arbeiten.

Für die Einwohner hatte diese Unterscheidung praktische Bedeutung. Ansprüche auf eine Stelle oder die Berufung auf ein örtliches Vorrecht konnten weiterhin an besondere Verfahren gebunden sein. Ein Erlass aus Florenz traf daher nicht überall auf dieselben Voraussetzungen.

Die Herrschaft wurde trotzdem wirksam. Militärische Sicherung und die Einsetzung verlässlicher Vertreter begrenzten die Möglichkeit einer erneuten selbständigen Politik. Die örtlichen Einrichtungen bestanden unter veränderten Bedingungen fort. Sie konnten die Abhängigkeit handhabbar machen, ohne die verlorene außenpolitische Freiheit wiederherzustellen.

Eine Reform von 1561 setzte einen Gouverneur ein, dessen Vollmachten Cosimo bestimmte. Der Herzog zog auch die Besetzung wichtiger Räte und Ämter an sich. Die Fortdauer sienesischer Einrichtungen bedeutete daher keinen unveränderten Fortbestand ihrer früheren Entscheidungsfreiheit. Wer eine einflussreiche Stelle erhalten wollte, musste nun die Zustimmung einer Herrschaft gewinnen, deren Mittelpunkt außerhalb der Stadt lag.

Der Titel Großherzogtum verband deshalb mehrere Herrschaftsräume, die ihre Unterschiede nicht verloren. Cosimo arbeitete mit Männern weiter, die die örtlichen Rechte und Verfahren kannten. Er verband ihre Mitwirkung mit der Verfügung über die wichtigsten Ernennungen.

Die Uffizien und die Wege der Macht

In Florenz entstand unterdessen ein neuer baulicher Mittelpunkt der Verwaltung. Cosimo beauftragte Giorgio Vasari mit den Uffizien, die seit 1560 neben dem Palazzo della Signoria gebaut wurden. Behörden sollten in dem langgestreckten Komplex zusammengeführt werden.

Der Name bezeichnete zunächst Ämterräume. Die spätere Berühmtheit als Kunstsammlung kann deshalb den ursprünglichen Zweck verdecken. Die Anlage rückte städtische Verwaltungsarbeit in die Nähe des fürstlichen Haushalts und schuf einen gut sichtbaren Zusammenhang zwischen beiden.

1565 verband ein überdachter Gang den Regierungskomplex mit dem Palazzo Pitti auf der anderen Arnoseite. Der Weg führte über den Ponte Vecchio. Die Familie konnte sich zwischen ihren zentralen Aufenthaltsorten bewegen, ohne dafür jedes Mal die gewöhnlichen Wege durch die Menge zu nehmen.

Dieser Gang veränderte das Verhältnis zur Stadt. Die Medici blieben in ihr sichtbar und ließen aufwendig bauen. Zugleich besaßen sie nun einen eigenen Bewegungsraum oberhalb der Straßen. Die Nähe zur Bevölkerung, auf die sich ihre Vorfahren als führende Bürger berufen hatten, war damit zu einer wählbaren Form des Auftretens geworden.

Die Geschichte an den Wänden

Vasaris Bilder im Regierungspalast stellten die militärischen Erfolge und die Größe des Hauses öffentlich dar. Die Unterwerfung Sienas erhielt darin einen bedeutenden Platz. Der Betrachter sollte eine Geschichte erkennen, in der florentinische Macht und Medici-Herrschaft zunehmend zusammengehörten.

Der Anspruch griff auch auf die frühere Familiengeschichte zurück. Die Siege des 16. Jahrhunderts erschienen als Fortsetzung eines lange vorbereiteten Aufstiegs. Die Zufälle und politischen Alternativen, die frühere Machtwechsel geprägt hatten, traten in einer solchen Darstellung zurück.

Die Bilder waren selbst Teil der Regierungspraxis. Besucher und Gesandte begegneten ihnen an Orten, an denen sie Anliegen vortrugen oder Rangordnungen erlebten. Eine gemalte Unterwerfung konnte den tatsächlichen Abstand zwischen dem Herrscher und den Vertretern seines Gebiets sichtbar machen, ohne dass darüber jedes Mal verhandelt werden musste.

Ein Nachfolger und ein Hafen

Cosimo überließ seinem Sohn Francesco seit 1564 zunehmend die laufende Regierung. Nach seinem Tod 1574 folgte Francesco als Großherzog. Der Wechsel beruhte nun auf einer dynastischen Nachfolge. Führende Bürger mussten sich nicht mehr darauf verständigen, welchem Privatmann sie den Vorrang im republikanischen Gefüge einräumen wollten.

Unter Francesco begann ein weiteres Vorhaben, das die Regierung über die Hauptstadt hinausführte. 1577 wurde der Grundstein für die nach Bernardo Buontalentis Entwurf geplante Erweiterung Livornos gelegt. Befestigungen und eine geordnete Anlage neuer Straßen sollten den Hafenort ausbauen.

Das Projekt verband wirtschaftliche Erwartungen mit militärischer Planung. Eine Regierung, deren Rang mit dem Namen Toskana verbunden war, musste auch Zugänge zum Meer und Verkehrswege im Blick behalten. Ihre wichtigen Baustellen lagen nun nicht mehr nur neben dem alten Florentiner Regierungspalast.

Um 1580 waren viele dieser Vorhaben noch im Gang. Der Ausbau Livornos zur geplanten Hafenstadt war ein langfristiges Unternehmen; auch in Florenz wurde an den Repräsentationsräumen weitergearbeitet.

Wie eng fürstlicher Anspruch und auswärtiger Rückhalt verbunden blieben, hatte Cosimo schon beim Erwerb Sienas formuliert. Am 5. August 1559 schrieb er, Gott und die Güte des Katholischen Königs hätten ihn in den vollständigen Besitz des Staates von Siena gesetzt. Der Fürst, der bald darauf einen höheren Rang beanspruchte, dankte für sein größtes neues Gebiet ausdrücklich auch dem spanischen König.


Palazzo Pubblico in Siena.
Palazzo Pubblico in Siena.

Zum Weiterlesen

Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.

Reinhardt, V. (2009): Geld und Freunde. Wie die Medici die Macht in Florenz eroberten.* Darstellung der politischen Verfahren und persönlichen Verbindungen im Florenz des frühen 15. Jahrhunderts.

Reinhardt, V. (2022): Die Medici. Florenz im Zeitalter der Renaissance.* Überblick über die Familie und die politische Gesellschaft der Stadt.

Bildnachweise

Titelbild: Innenhof der Uffizien mit Blick zum Palazzo Vecchio. Verum3414. CC BY 4.0. Bildquelle.

Palazzo Pubblico in Siena. Zairon. CC BY 4.0. Bildquelle.

Schreibe einen Kommentar