Im Januar 1537 berieten die führenden Männer von Florenz über die Nachfolge des ermordeten Herzogs Alessandro de’ Medici. Sie entschieden sich für den siebzehnjährigen Cosimo, den Sohn des Söldnerführers Giovanni delle Bande Nere. Seine Mutter Maria Salviati verband ihn zugleich mit der älteren Linie der Familie. Der junge Mann besaß einen geeigneten Namen, aber noch keine eigene gefestigte Stellung in der Stadtpolitik.
Gerade das machte ihn für einige seiner Förderer annehmbar. Sie hofften, unter einem unerfahrenen Oberhaupt ihre eigenen Befugnisse auszubauen. Die Senatoren erinnerten sich zudem an die letzte Republik, die sich gegen die alten Familien gewandt hatte. Eine Wiederherstellung hätte sie erneut gefährden und dem Kaiser einen Anlass zum Eingreifen geben können. Cosimos Ernennung bot zunächst einen Weg, die bestehende Ordnung zu erhalten und ihre praktische Ausführung neu auszuhandeln.
Die Festung gehörte nicht einfach dem Herzog
Cosimo übernahm einen Staat mit erschöpfter Kasse. Ein eigenes großes Vermögen, mit dem er ihr hätte aushelfen können, besaß er nicht. Als Haupt und führender Mann des Florentiner Staates wurde er vereidigt; ob Karl V. ihn anerkennen würde, war zunächst offen.
Kurz nach der Wahl brachte der Söldnerführer Alessandro Vitelli die Fortezza da Basso in seine Hand, im Namen des Kaisers. Er hatte Cosimos Erhebung unterstützt, verfügte nun aber selbst über den wichtigsten bewaffneten Stützpunkt in der Stadt. Seine Soldaten plünderten sogar Cosimos Haus. Verbannte Gegner sammelten unterdessen mit französischer Unterstützung Kräfte für einen Angriff.
Die Senatoren erwarteten weiter Mitwirkung. Cosimo musste sich daher zugleich gegen eine Rückkehr der Verbannten schützen und verhindern, dass seine eigenen Helfer ihm die Bedingungen diktierten. Ohne eigene Soldaten und Geld ließ sich die Abhängigkeit von Vitelli kaum lösen. Die kaiserliche Bestätigung sollte seine Ernennung über die Entscheidung der Senatoren hinaus absichern.
Montemurlo
Im Sommer 1537 rückten Gegner der Medici in die Toskana vor. Zu ihren maßgeblichen Unterstützern gehörte Filippo Strozzi. Sie verbanden den Rückkehrwunsch der Verbannten mit der Hoffnung, die neue Herrschaft zu beseitigen, bevor Cosimo sie festigen konnte.

Bei Montemurlo schlugen Vitellis Truppen ihre Kräfte Anfang August. Strozzi geriet in Gefangenschaft. Der Sieg entzog der Opposition eine unmittelbare militärische Möglichkeit und bewies, dass sich das Herzogtum unter seinem neuen Oberhaupt verteidigen ließ.
Gefangene wurden hart bestraft. Strozzi starb später in der Haft; die Umstände seines Todes bleiben umstritten. Für Cosimo ging es darum, einen erneuten Angriff unwahrscheinlicher zu machen. Die Behandlung der Besiegten zeigte zugleich, welchen Preis Gegner zahlen konnten, wenn sie den jungen Herrscher weiterhin als leicht verdrängbare Übergangslösung betrachteten.
Im September 1537 erhielt Cosimo die kaiserliche Bestätigung seiner Stellung. Der militärische Erfolg und die Anerkennung wirkten zusammen. Der Kaiser konnte in ihm einen brauchbaren Partner erkennen; Cosimo konnte sich gegenüber den Florentiner Familien auf einen Rückhalt berufen, den diese ihm nicht selbst verliehen hatten.
Eine Heirat mit politischen Folgen
1539 heiratete Cosimo Eleonora von Toledo, die Tochter des spanischen Vizekönigs von Neapel. Die Verbindung stärkte seinen Platz innerhalb der habsburgisch geprägten Machtverhältnisse Italiens. Sie verschaffte dem noch jungen Hof dynastisches Ansehen und zusätzliche Beziehungen.
Eleonora wirkte am wirtschaftlichen Ausbau des Hauses mit; 1549 erwarb sie den Palazzo Pitti als weitere Residenz. Die Ehe eröffnete Cosimo auch einen konkreten Weg nach Rom. Kardinal Toledo, ein Onkel Eleonoras, wurde in den 1540er- und 1550er-Jahren sein wichtiger Fürsprecher an der Kurie. Über ihn suchte der Herzog Hilfe bei kirchlichen Ernennungen und selbst bei Erbschaftsfragen seiner Klienten. Die Familie erhielt nun eine Beständigkeit, die über das Überleben des einzelnen Herzogs hinausreichen sollte. Die Geburt von Kindern eröffnete eine geregelte Weitergabe der Stellung.
Das unterscheidet Cosimos Lage von der eines bloß auf Lebenszeit ernannten städtischen Vermittlers. Die führenden Familien mussten sich mit einem Haushalt auseinandersetzen, der Nachkommen als künftige Herrscher vorsah. Ihre eigenen Chancen hingen zunehmend davon ab, welchen Platz sie im Dienst dieses Hauses fanden.
Der Regierungspalast wurde Wohnsitz
1540 zog die herzogliche Familie in den Palazzo della Signoria. Der Palast war seit Jahrhunderten der sichtbare Ort der Stadtregierung. Nun wohnte dort ein Herrscher mit seiner Familie. Die räumliche Veränderung machte den politischen Anspruch im Alltag greifbar.
Räume wurden umgebaut und ausgestattet. Später leitete Giorgio Vasari ein umfangreiches Programm, das die Geschichte von Florenz mit den Taten der Medici verband. Wer den Herzog aufsuchte, bewegte sich damit in einem Gebäude, dessen ältere Bedeutung weiterwirkte und dessen Bilder nun auf die neue Herrschaft zuliefen.
In dem Palast arbeitete Cosimo mit Sekretären und Amtsträgern. Er brauchte ihre Kenntnisse und konnte die vielen örtlichen Verhältnisse seines Gebiets kaum allein überblicken. Entscheidend war, dass der Zugang zu maßgeblichen Entscheidungen stärker beim Herzog zusammenlief.
Führende Florentiner verloren deshalb nicht jede Stellung. Sie behielten Einfluss in Verwaltung und Justiz und konnten im Dienst des Fürsten aufsteigen. Die Aufgaben änderten aber ihren politischen Sinn. Ein Amt bot nun Gelegenheit, sich innerhalb seiner Herrschaft auszuzeichnen, während die Möglichkeit, deren erblichen Mittelpunkt grundsätzlich neu zu bestimmen, eingeschränkt war. Seit 1560 ließ Cosimo neben dem Palast die Uffizien für seine Behörden bauen.
Die Rückgabe der Festungen
Vitelli hatte die Fortezza 1538 einem kaiserlichen Befehlshaber überlassen. Cosimo verfügte damit weiterhin nicht selbst über sie. 1543 erreichte er schließlich die Übernahme der kaiserlich kontrollierten Festungen von Florenz und Livorno. Der Erfolg beruhte auf Verhandlungen und finanziellen Leistungen im Rahmen seiner Verbindung zu Karl V. Die Anerkennung des Kaisers hatte die militärischen Abhängigkeiten also nicht sofort beseitigt; erst weitere Gegenleistungen veränderten die tatsächliche Verfügung.

Diese Übergabe war mehr als eine Frage der Ehre. Solange eine auswärtige Besatzung einen zentralen Stützpunkt hielt, besaß deren Auftraggeber eine unmittelbare Eingriffsmöglichkeit. Mit der Festung erhielt Cosimo einen wesentlichen Teil der Mittel, mit denen die Stadt im Krisenfall beherrscht werden konnte.
Die Bindung an die habsburgische Seite blieb bestehen. Cosimo gewann innerhalb dieser Verbindung jedoch mehr eigenen Spielraum. Sein Aufstieg vollzog sich damit auch durch die schrittweise Veränderung eines Bündnisses, dessen militärische Bedingungen er am Anfang nur begrenzt bestimmen konnte.
Herrschaft im Namen der Ordnung
Cosimo stellte sich als Bewahrer des Friedens und Förderer religiösen Lebens dar. Er nahm Einfluss auf kirchliche Angelegenheiten und die Vergabe wichtiger Stellen. Der Anspruch auf eine gottgewollte Ordnung erhielt dadurch eine praktische Seite: Geistliche und städtische Gemeinschaften mussten ihre Interessen auch gegenüber dem Herzog vertreten.
Nach Jahrzehnten, in denen viele Florentiner auf eine christliche Erneuerung ihrer Stadt gehofft hatten, sollte die Fürstenherrschaft selbst als Trägerin von Frieden und sittlicher Besserung erscheinen. Cosimo griff damit Erwartungen auf, die zuvor durchaus gegen die Medici gerichtet gewesen waren.
Schon 1539 ließ die Regierung Cosimos Amtsantritt als Feiertag begehen. Eine feierliche Messe im Dom und ein Feuerwerk gaben dem politischen Anlass Formen, die den Florentinern aus religiösen Festen vertraut waren. Spätere Regelungen hielten den Tag im Kalender fest. Die Einordnung seiner Herrschaft in die religiöse Ordnung blieb damit nicht auf Bilder im Palast beschränkt: Sie griff in die Zeitgliederung des städtischen Lebens ein.
Zum Weiterlesen
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Reinhardt, V. (2009): Geld und Freunde. Wie die Medici die Macht in Florenz eroberten.* Darstellung der politischen Verfahren und persönlichen Verbindungen im Florenz des frühen 15. Jahrhunderts.
Reinhardt, V. (2022): Die Medici. Florenz im Zeitalter der Renaissance.* Überblick über die Familie und die politische Gesellschaft der Stadt.
Bildnachweise
Titelbild: Eingangsportal des Palazzo Vecchio. Andrzej Otrębski. CC BY-SA 4.0. Bildquelle.
Cosimo I. de’ Medici, Porträt aus der Bronzino-Werkstatt. Workshop of Bronzino. gemeinfrei. Bildquelle.
Fortezza da Basso in Florenz. Freepenguin. CC BY-SA 3.0. Bildquelle.



