
Im Frühjahr 1532 arbeiteten ausgewählte Florentiner an einer neuen Regierungsordnung. Papst Clemens VII. wollte Alessandro de’ Medici als dauerhaften und erblichen Herrn der Stadt sichern. Eine Kommission setzte den Auftrag um. Die Signoria, deren Mitglieder über Generationen in kurzen Abständen gewechselt hatten, sollte als Mittelpunkt der Regierung verschwinden.
Alessandro hatte die Stadt bereits im Vorjahr als maßgeblicher Vertreter seiner Familie betreten. Nun erhielt seine Stellung eine andere Grundlage. Die neuen Bestimmungen gaben dem Herzog und seinen Nachkommen einen Anspruch, der nicht bei jeder Ämterziehung erneuert werden musste. Dass weiterhin Florentiner Räte zusammentraten, änderte den Mittelpunkt der Gewalt.
Die belagerte Republik
Diesem Eingriff war ein weiterer Sturz der Medici vorausgegangen. 1527 hatten kaiserliche Truppen Rom geplündert und Clemens VII. in der Engelsburg eingeschlossen. In Florenz nutzten Gegner der Familie die Schwäche des Medici-Papstes und vertrieben dessen Vertreter. Die Stadt stellte ihre republikanische Ordnung wieder her.
Der Erfolg blieb militärisch gefährdet. Clemens verständigte sich mit Kaiser Karl V., dessen Truppen ihn kurz zuvor bedroht hatten. Die Sicherung seiner Familie in Florenz gehörte zu diesem Ausgleich. Damit konnte sich das auswärtige Kräfteverhältnis gegen die Republik wenden.
1529 begann die Belagerung. Die Florentiner verstärkten ihre Befestigungen; Michelangelo arbeitete an den Verteidigungsanlagen mit. Die Bereitschaft zum Widerstand war groß, doch die Versorgung wurde schwieriger. Von außen ließ sich die Stadt auf Dauer nicht ausreichend entlasten.
Nach dem Scheitern der Entsatzhoffnungen kapitulierte Florenz im August 1530. Die Niederlage beseitigte die militärische Grundlage der Republik. Im Inneren hatten Sondersteuern und Beschlagnahmen das Vermögen der alten Elite getroffen. Prozesse richteten sich gegen Angehörige dieser Schicht. Nach der Niederlage war das Verhältnis zwischen Handwerkern und Patriziern so zerrüttet, dass eine gemeinsame republikanische Politik kaum noch möglich schien. Das machte die Zusammenarbeit mit den Medici für einen Teil der führenden Familien wieder annehmbar.
Ein Herzog mit Räten
Ende 1531 hatte Clemens VII. führende Parteigänger um Gutachten gebeten. Der erfahrene Politiker Francesco Guicciardini wollte ein enges Regime unter den Medici und ihren Verbündeten; einen Herzog von Florenz schlug er nicht vor. Auch Roberto Acciaiuoli warnte vor der Abhängigkeit von Alessandro und dessen Leibwache. Der Papst entschied sich dennoch für die Fürstenwürde.

Am 3. April 1532 erhielt eine Kommission von zwölf Florentinern einen Monat Zeit für die Reform. Guicciardini und Acciaiuoli gehörten ihr an. Kardinal Cibo bearbeitete den Entwurf mit Randbemerkungen und Änderungen, auch zu den Regeln der Nachfolge. Der Titel sollte zunächst an Alessandros Sohn oder weitere männliche Nachkommen gehen; fehlten diese, kam der nächste männliche Blutsverwandte zum Zug.
Die Verfassung von 1532 ließ größere und kleinere Beratungskörper bestehen. Ein Rat der Zweihundert und ein Senat der Achtundvierzig boten führenden Bürgern weiterhin politische Plätze. Die höchste Gewalt lag jedoch bei einer obersten Magistratur, in deren Mittelpunkt der Herzog stand. Alessandro konnte an der Auswahl der Männer mitwirken, die ihn beraten sollten.
Damit veränderte sich die Bedeutung der Beratung. Ein Patrizier nahm weiterhin an Staatsgeschäften teil, musste aber innerhalb einer Ordnung handeln, die den dauerhaften Vorrang des Medici ausdrücklich anerkannte. Die Ämter waren nun nicht mehr nur durch persönliche Verpflichtungen mit dem Haus verbunden. Ein Teil ihrer Abhängigkeit stand in den Bestimmungen der Regierung selbst.
Die beteiligten Florentiner arbeiteten damit an den Regeln ihrer eigenen künftigen Mitwirkung. Räte und angesehene Familien behielten politische Aufgaben, während der erbliche Vorrang des Herzogs festgeschrieben wurde. Päpstlicher Druck und kaiserlicher Rückhalt begrenzten ihre Möglichkeiten, die Fürstenwürde als solche noch abzuwenden.
Die Festung in der eigenen Stadt
Mit der Fortezza da Basso erhielt die Regierung eine große militärische Anlage am Rand von Florenz. Der Bau konnte der Verteidigung dienen. Seine Lage und die dort verfügbaren Soldaten machten ihn zugleich zu einem Mittel der Kontrolle über die Bewohner.
Für eine Stadt mit starker Erinnerung an politische Selbstregierung war das ein sichtbarer Eingriff. Ein unzufriedener Rat oder ein Auflauf auf dem Platz konnte einen Herrscher schwerer verdrängen, wenn bewaffnete Kräfte aus einer befestigten Stellung heraus handelten. Die Einwohner mussten die Festung auch dann in ihre Überlegungen einbeziehen, wenn ihre Geschütze nicht eingesetzt wurden.
Dabei hing Alessandro selbst von Mächten außerhalb seiner Person ab. Garnisonen und Befehlshaber standen in einem größeren kaiserlichen Zusammenhang. Wer den Herzog beseitigen wollte, musste damit rechnen, dass der Kaiser seine eigenen Interessen an der Stadt verteidigte.
Alessandros Heirat mit Margarete, einer Tochter Karls V., festigte 1536 diese Verbindung. Sie erhöhte seinen dynastischen Rang und machte einen Angriff auf ihn zugleich zu einer Angelegenheit des kaiserlichen Familienkreises. Die Medici-Herrschaft hatte damit einen Rückhalt gewonnen, den eine innerstädtische Opposition kaum aus eigener Kraft übergehen konnte.
Ein umstrittenes Leben
Die Gegner warfen Alessandro Willkür und Übergriffe vor. Besonders Berichte über sein Sexualleben wurden zu Mitteln politischer Anklage. Manche Texte entstanden im Umfeld der Verbannten, die den Herzog stürzen wollten. Das macht ihre Aussagen nicht pauschal falsch, verlangt aber die Prüfung jeder einzelnen Behauptung.
Auch seine Herkunft wurde zum Streitgegenstand. Alessandro galt offiziell als Sohn Lorenzos, des Herzogs von Urbino; andere Zuschreibungen bezogen Clemens VII. ein. Die genaue Abstammung und die Herkunft seiner Mutter lassen sich nicht in allen Einzelheiten sicher bestimmen. Seine politischen Gegner nutzten solche Unsicherheiten, um die Würde des Herrschers in Frage zu stellen.
Für seine tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten waren andere Verhältnisse eindeutiger. Clemens VII. hatte die Verfassung betrieben, die Alessandro den erblichen Vorrang gab. Der Kaiser, dessen Tochter er geheiratet hatte, stützte diese Herrschaft. Ihr Bestand war damit auch außerhalb des Streits um Alessandros Abstammung abgesichert.
Lorenzinos Zugang
Im Januar 1537 wurde Alessandro von seinem Verwandten Lorenzino de’ Medici ermordet. Lorenzino konnte sich dem Herzog in einem privaten Umfeld nähern, weil er zu dessen vertrautem Kreis gehörte. Dieser Zugang umging den Schutz, den Soldaten und öffentliche Vorsichtsmaßnahmen gegen weiter entfernte Gegner boten.
Lorenzino stellte die Tat später als Befreiung von einem Tyrannen dar. Damit griff er auf das antike Vorbild des Brutus zurück. Die Rechtfertigung erklärt, welches Bild er von seinem Handeln verbreiten wollte; sie beweist nicht, dass sämtliche Motive in einem klaren republikanischen Plan aufgingen.
Ein solcher Plan wurde nach dem Mord jedenfalls nicht erfolgreich umgesetzt. Lorenzino floh. Er ließ keinen handlungsfähigen Kreis zurück, der die Regierung sofort übernehmen konnte. Die Gegner des Herzogtums erhielten deshalb keine sichere Gelegenheit, den Mord in einen Verfassungswechsel zu verwandeln.
Die Ordnung überlebte ihren Träger
Führende Florentiner berieten rasch über die Nachfolge. Kardinal Cibo wollte Alessandros unehelichen Sohn Giulio einsetzen und selbst die Regentschaft übernehmen. Der Senat der Achtundvierzig wies diesen Vorschlag zurück; die Senatoren wollten dem Kardinal nicht eine solche Macht überlassen. Eine Wiederherstellung der Republik hätte wiederum den Kaiser herausfordern und neue innere Auseinandersetzungen eröffnen können. Die Wahl fiel auf Cosimo aus einer jüngeren Linie der Medici, den Sohn Giovanni delle Bande Neres.
Alessandros Tod beendete seine persönliche Herrschaft, ließ aber die Möglichkeit einer herzoglichen Nachfolge bestehen. Lorenzinos Gegner nutzten die vorhandenen Räte, um einen neuen Medici an die Spitze zu stellen. Der Senat hatte über Cibos Regentschaftsvorschlag gestritten; Lorenzinos erhoffte Befreiung der Republik war daraus nicht geworden.
Zum Weiterlesen
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Reinhardt, V. (2009): Geld und Freunde. Wie die Medici die Macht in Florenz eroberten.* Darstellung der politischen Verfahren und persönlichen Verbindungen im Florenz des frühen 15. Jahrhunderts.
Reinhardt, V. (2022): Die Medici. Florenz im Zeitalter der Renaissance.* Überblick über die Familie und die politische Gesellschaft der Stadt.
Bildnachweise
Titelbild: Fortezza da Basso in Florenz. Freepenguin. CC BY-SA 3.0. Bildquelle.
Alessandro de’ Medici, Porträt von Pontormo. Pontormo. gemeinfrei. Bildquelle.
Clemens VII., Porträt von Sebastiano del Piombo. Sebastiano del Piombo. gemeinfrei. Bildquelle.



