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Nach dem Fall der Kaiserstadt – Morea, Trapezunt und Bosnien

Der Palast der Despoten von Mystras auf dem Peloponnes.

Im Sommer 1461 rückten Mehmeds Truppen gegen Trapezunt an der Südküste des Schwarzen Meeres vor. Kaiser David Komnenos konnte sich dort auf eine befestigte Stadt und auf Beziehungen zu mächtigen Nachbarn stützen. Ein eigenes Heer, das den Sultan im offenen Feld hätte aufhalten können, besaß er jedoch nicht. Die Übergabe beendete die Herrschaft einer Dynastie, die den Kaisertitel noch acht Jahre nach dem Fall Konstantinopels geführt hatte.

Herrscher ohne ausreichend starke Verbündete

Mehmeds Eroberungen nach 1453 folgten keinem einzigen geraden Vormarsch. Er griff an unterschiedlichen Rändern seines Reiches an. Dabei bedrohten ihn kleinere Herrschaften selten allein. Gefährlich konnten sie werden, wenn sie einem größeren Gegner einen Hafen oder einen politischen Anspruch zur Verfügung stellten.

Für Mehmed zählten deshalb auch die Verbindungen dieser Herrschaften zu auswärtigen Mächten. Ein verwandter Fürst konnte einem Thronbewerber Schutz geben. Eine Küstenstadt konnte eine fremde Flotte aufnehmen und mit ihr Handel treiben. Solche Möglichkeiten blieben auch dann bestehen, wenn der örtliche Herr bereits Tribut zahlte. Die Anerkennung osmanischer Oberhoheit bot Mehmed weniger Kontrolle als die Einsetzung eigener Amtsträger.

Die Brüder in der Morea

Auf der Peloponnes, damals häufig Morea genannt, regierten Thomas und Demetrios Palaiologos über verbliebene byzantinische Gebiete. Beide waren Brüder des letzten Kaisers Konstantin XI. Der hohe Titel ihres Hauses konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre eigenen Besitzungen zersplittert und ihre Beziehungen untereinander feindselig waren.

Die osmanische Regierung griff in diese Konflikte ein und verlangte Unterordnung. Gleichzeitig suchten die Palaiologen unterschiedliche Wege, ihre Herrschaft zu bewahren. Hoffnung auf westliche Hilfe stand neben der Bereitschaft, mit dem Sultan zu verhandeln. Ein gemeinsames Verteidigungsprogramm für die Halbinsel entstand daraus nicht.

1460 beseitigte Mehmed die Herrschaft der beiden Brüder. Thomas wich nach Westen aus; Demetrios unterwarf sich dem Sultan. Nicht jeder befestigte Ort der Peloponnes wechselte damit am selben Tag den Besitzer. Vor allem die venezianischen Stützpunkte blieben Teil einer anderen politischen Ordnung. Die Aufhebung der byzantinischen Herrschaften bedeutete deshalb noch keine vollständige osmanische Kontrolle jeder Küste.

Die Folgen betrafen auch die Bewohner. Kriege und erzwungene Ortswechsel veränderten die wirtschaftlichen Verbindungen. Angehörige der besiegten Führungsschichten konnten in osmanische Dienste gelangen, während andere ins Exil gingen. Die Aufnahme einzelner Eliten ersparte dem Sultan nicht die militärische Sicherung des neuen Gebiets, erleichterte aber die Nutzung vorhandener Kenntnisse.

Trapezunts Verbindung nach Osten

Trapezunt lebte von seiner Lage zwischen dem Schwarzen Meer und den Wegen ins iranische Hochland. Das kleine Kaiserreich hatte durch Heiraten Beziehungen zu benachbarten muslimischen Herrschern aufgebaut. Besonders die Verbindung zum Akkoyunlu-Herrscher Uzun Hasan versprach Rückhalt. Sie machte Trapezunt für Mehmed zugleich zu einem möglichen Bestandteil einer gegnerischen Allianz.

Überreste der Befestigungen von Trapezunt, dem heutigen Trabzon.
Überreste der Befestigungen von Trapezunt, dem heutigen Trabzon.

Auf dem Feldzug griffen osmanische Truppen zunächst Stellungen Uzun Hasans an. Dessen Mutter Saray Hatun kam daraufhin als Vermittlerin in Mehmeds Lager. Die Vereinbarung verpflichtete Uzun Hasan, Trapezunt keine Hilfe zu leisten. Mehmed hielt die Gesandten bis zum Ende des Feldzugs bei sich und wandte sich nach Norden gegen die Stadt. Sein Heer bewegte sich durch schwieriges Gelände, während die Flotte von der Seeseite Druck ausübte. Die Verbindung beider Kräfte begrenzte die Möglichkeiten der Verteidiger. Ein Hafen war nur dann ein Schutz, wenn noch Schiffe mit Hilfe zu ihm durchdringen konnten.

David übergab die Stadt 1461. Mehmed nahm die kaiserliche Familie aus ihrem bisherigen Machtbereich heraus. Damit verlor sie den unmittelbaren Zugriff auf die Einwohner und auf die Einkünfte des Hafens. Der Sultan konnte eine osmanische Verwaltung einsetzen. Die ehemalige Dynastie blieb als mögliche Trägerin fremder Ansprüche dennoch gefährdet; David wurde später hingerichtet.

Die Eroberung veränderte die Kontrolle über den Handel, ohne den Handel selbst einfach zu beenden. Ein Hafen konnte für den neuen Herrscher gerade deshalb wertvoll sein, weil Händler seine Verbindungen weiterhin benötigten. Abgaben, die zuvor einem Komnenenkaiser zugeflossen waren, ließen sich nun für die osmanische Regierung nutzen.

Das Ende des bosnischen Königtums

In Bosnien bestand ein anderes Kräfteverhältnis. Das Königreich lag zwischen osmanischen Besitzungen und dem Machtbereich Ungarns. König Stjepan Tomašević hoffte, seine Stellung durch westliche Unterstützung zu sichern. Solange diese Unterstützung nicht in ausreichender militärischer Stärke eintraf, musste er aber mit den Truppen des Sultans selbst fertigwerden.

Die Festung Jajce in Bosnien.
Die Festung Jajce in Bosnien.

Mehmed griff 1463 an. Die königliche Herrschaft brach rasch zusammen; Stjepan geriet in Gefangenschaft und wurde getötet. Ungarn griff anschließend ein und hielt Teile des nördlichen Bosnien. Auch hier wäre es deshalb falsch, aus dem Ende eines Königs die sofortige dauerhafte Eroberung des gesamten Landes abzuleiten.

Osmanische Register zeigen später, dass auch christliche Reiter in Bosnien Ansprüche auf bestimmte Steuereinkünfte behielten. Solche Zuweisungen, Timare genannt, verpflichteten ihren Inhaber zum militärischen Dienst. Er erhielt damit Einnahmen für seine Ausrüstung; das Land wurde dadurch nicht einfach sein Eigentum. Die Bevölkerung wurde nicht durch einen einzigen allgemeinen Befehl muslimisch. Herrschaftswechsel und religiöse Veränderung verliefen in verschiedenen Zeiträumen.

Mit den beseitigten Höfen verschwanden eigenständige Ansprechpartner für mögliche Bündnisse gegen Mehmed. An ihre Stelle traten osmanische Bezirke und Amtsträger. Doch die Grenzen blieben umkämpft: Venedig behauptete Stützpunkte an den griechischen Küsten, Ungarn befestigte seine Position in Nordbosnien. Der Sultan musste seine neuen Einkünfte daher weiterhin für Garnisonen verwenden, die den Besitz gegenüber diesen Nachbarn absicherten.


Zum Weiterlesen

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Douglas A. Howard: A History of the Ottoman Empire*. Cambridge University Press, 2017. Erklärt die Verbindungen zwischen Eroberung und Kontrolle der Handelswege.

Suraiya Faroqhi: Geschichte des Osmanischen Reiches*. C.H.Beck, 2000. Ordnet Mehmeds Feldzüge und die Eingliederung regionaler Eliten ein.

Bildnachweis

Titelbild: Der Palast der Despoten von Mystras auf dem Peloponnes. Stathis floros; Wikimedia Commons; CC BY-SA 4.0.

Abbildung: Überreste der Befestigungen von Trapezunt, dem heutigen Trabzon. Dmitri Ivanovich Ermakov (1846 – 1916); Wikimedia Commons; gemeinfrei.

Abbildung: Die Festung Jajce in Bosnien. Julian Nyča; Wikimedia Commons; CC BY-SA 3.0.

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