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Agrippinas Stadt – Die Gründung der Kölner Kolonie im Jahr 50

Agrippina erreicht bei Kaiser Claudius, dass Veteranen im Hauptort der Ubier angesiedelt werden und ihr Geburtsort den Rang einer römischen Kolonie erhält. Im Jahr 50 n. Chr. verändert dieser Schritt die Stadt am Rhein. Ehemalige Soldaten kommen hinzu, die städtische Verwaltung erhält eine neue rechtliche Grundlage. Auch der Name des Ortes verweist nun auf Agrippina.

Der römische Historiker Tacitus berichtet darüber in seinen Annalen. Er schreibt Agrippina ausdrücklich die Initiative zu. Nach seiner Darstellung will sie ihren Einfluss auch gegenüber den Gemeinschaften in den Provinzen zeigen. Die Kaisergattin verschafft ihrem Geburtsort eine Auszeichnung, die ihre Verbindung mit der Stadt dauerhaft sichtbar macht.

Agrippina in Rom – Die Tochter des Germanicus gewinnt Einfluss

Agrippina ist vermutlich im Jahr 15 n. Chr. im oppidum Ubiorum geboren worden. Ihr Vater Germanicus führt damals die römischen Heere am Rhein. Ihre Mutter, Agrippina die Ältere, ist eine Enkelin des Augustus. Über beide Eltern gehört die Tochter zum engsten Kreis des Kaiserhauses.

Ihr Weg nach oben führt durch dessen gefährliche Familienpolitik. Ihr Bruder Caligula wird 37 n. Chr. Kaiser. Zwei Jahre später lässt er sie verbannen. Nach seinem Tod holt sein Nachfolger Claudius sie zurück.

Anfang 49 n. Chr. heiratet Agrippina Claudius, ihren Onkel. Für diese Verbindung muss das Ehehindernis zwischen Onkel und Nichte eigens beseitigt werden. Die Ehe gibt ihr unmittelbaren Zugang zum Kaiser und seinen Entscheidungen.

Im folgenden Jahr adoptiert Claudius ihren Sohn aus erster Ehe, den späteren Kaiser Nero. Agrippina erhält den Ehrennamen Augusta. Im selben Jahr gelingt ihr die Koloniegründung am Rhein. Während sie die Stellung ihres Sohnes in Rom stärkt, trägt eine Stadt in den Provinzen fortan ihren Namen.

Modell des Prätoriums

Eine bestehende Stadt – Die Kolonie erhält neue Bewohner

Agrippinas Geburtsort hat bereits eine eigene Geschichte. Die Ubier sind unter Agrippa auf die linke Rheinseite gekommen. Ihr Hauptort ist unter Augustus ausgebaut worden. Hier stehen öffentliche Gebäude, hier wird der Kaiser am Ubieraltar verehrt. Römische Befehlshaber nutzen die Siedlung schon lange vor dem Jahr 50.

Die Koloniegründung setzt diese Entwicklung fort. Eine colonia ist eine Stadtgemeinde mit einem besonderen römischen Rechtsstatus. In Köln verbindet sich ihre Einrichtung mit der Ansiedlung von Veteranen: Männern, die ihren Dienst in den Legionen beendet haben und bereits römische Bürger sind.

Tacitus nennt weder die früheren Einheiten dieser Männer noch ihre genaue Zahl. Die Ansiedlung verändert jedoch die Bevölkerung des Ortes. Menschen, die viele Jahre im Heer verbracht haben, werden nun Bewohner einer Stadt, in der bereits ubische Familien leben.

Zu einer solchen Ansiedlung gehören Fragen des Besitzes und des Lebensunterhalts. Die Veteranen brauchen Wohnraum und eine wirtschaftliche Grundlage. Die genaue Verteilung von Land oder anderem Besitz an die Veteranen in Köln und seinem Umland ist nicht überliefert.

Ein Name für die Kolonie – Claudius und Agrippina bleiben präsent

Die neue Stadt taucht in antiken Zeugnissen unter verschiedenen Namen und Abkürzungen auf. Besonders bekannt sind die vier Buchstaben CCAA. Ihre meistverwendete Auflösung lautet Colonia Claudia Ara Agrippinensium.

In dieser Lesart nennt Colonia den Rang der Stadtgemeinde. Claudia erinnert an Kaiser Claudius, unter dem die Gründung erfolgt. Ara, das lateinische Wort für Altar, verweist auf das ältere Heiligtum des Kaiserkults. Agrippinensium bezeichnet die Agrippinenser, die nach Agrippina benannten Bürger der Stadt. Die genaue Auflösung der abgekürzten Namensformen ist allerdings umstritten.

Tacitus überliefert unabhängig davon, dass die Kolonie ihren Namen von Agrippina erhält. Auch die kürzere Bezeichnung colonia Agrippinensis ist in antiken Texten bezeugt. Im Stadtnamen steht damit die Verbindung zum Kaiserhaus neben der Erinnerung an den älteren Kultort.

Der neue Name ersetzt im öffentlichen Gebrauch zunehmend die Bezeichnung oppidum Ubiorum, Hauptort der Ubier. Die Bewohner können sich nun über ihre Zugehörigkeit zur Kolonie benennen. Ihre ubische Herkunft bleibt dabei Teil ihrer Familiengeschichte.

Rat und Amtsträger – Die Bürger verwalten ihre Stadt

Die Kolonie besitzt eine städtische Selbstverwaltung. An ihrer Spitze stehen zwei höchste Amtsträger, die duumviri. Sie führen die Geschäfte der Stadt und nehmen Aufgaben der Rechtsprechung wahr. Daneben gibt es einen Rat, dessen Mitglieder Dekurionen heißen.

Dieser Rat entscheidet über Angelegenheiten der Gemeinde, etwa über öffentliche Ausgaben und Ehrungen. Wohlhabende Bürger prägen seine Arbeit. Wer ein städtisches Amt übernimmt, gewinnt Ansehen, muss aber auch Pflichten und Kosten tragen. Die Verwaltung der Kolonie liegt damit wesentlich in den Händen ihrer vermögenden Familien.

Städtische Amtsträger und römische Befehlshaber haben unterschiedliche Aufgaben. Die Kolonie kümmert sich um ihre eigenen Angelegenheiten; die militärische Führung am Rhein vertritt den Kaiser. Beide begegnen einander am selben Ort. Die neue Stadtverfassung fügt sich in diese bereits bestehende Nähe zur römischen Macht ein.

Für die Teilnahme an der städtischen Führung ist das römische Bürgerrecht entscheidend. Die angesiedelten Legionsveteranen besitzen es bereits. Auch Angehörige ubischer Familien können römische Bürger sein, etwa durch eine frühere kaiserliche Verleihung. Wie umfassend die Koloniegründung die Rechtsstellung der übrigen Ubier verändert, ist umstritten. Aus dem neuen Rang der Stadt lässt sich daher keine einheitliche Rechtsstellung sämtlicher Bewohner ihres Gebietes ableiten.

Bauen nach der Gründung – Die Kolonie wächst über Jahrzehnte

Die neue Stadtgemeinde übernimmt einen Ort, dessen Bebauung bereits römisch geprägt ist. Öffentliche Steinbauten stehen neben Wohnhäusern aus Holz. Nach der Koloniegründung wird die Stadt weiter ausgebaut. Bei neuen Wohngebäuden kommen häufiger Stein oder Steinsockel mit Fachwerkwänden zum Einsatz.

Die Bauten entstehen über längere Zeit. Der Rechtsakt des Jahres 50 und die Errichtung der späteren großen Stadtgebäude lassen sich deshalb zeitlich unterscheiden. Auch der Verlauf und das Alter einzelner früher Straßen sind nur teilweise geklärt.

Besonders deutlich wird der zeitliche Abstand an der Stadtmauer. Die große steinerne Umwehrung, von der heute noch Abschnitte erhalten sind, entsteht nach den jüngeren Ausgrabungsbefunden erst gegen Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. Sie umschließt die Kolonie also Jahrzehnte nach deren Gründung. Mit Toren und Rundtürmen gibt sie der gewachsenen Stadt einen weithin sichtbaren Rahmen.

Veteranen und Ubier – Aus Nachbarn werden Verwandte

Römerturm, Köln

Die Nähe zwischen Veteranen und ubischen Bewohnern lässt sich besonders deutlich an ihren Familien erkennen. Ehemalige Soldaten verbinden sich durch Heirat mit Einheimischen. Ihre Kinder wachsen in derselben Stadt auf. Für sie ist der Ort am Rhein Heimat, unabhängig davon, woher ihre Eltern stammen.

Ein Bericht des Tacitus führt etwa zwanzig Jahre nach der Koloniegründung in diese Familien hinein. Während des Aufstands am Rhein im Jahr 70 verlangen rechtsrheinische Tenkterer von den Kölnern, die Römer in ihrer Stadt zu töten.

Die Kölner weisen diese Forderung zurück. In der von Tacitus wiedergegebenen Antwort erklären sie, die einst angesiedelten Männer seien durch Ehen längst mit ihnen verbunden. Für diese Männer und ihre Kinder sei Köln die Heimat. Wer ihre Tötung fordere, verlange deshalb den Tod eigener Eltern, Geschwister und Kinder.


Zum Weiterlesen

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Jehne, M. (2024): Caesar.*

Eck, W. (2004): Köln in römischer Zeit. Geschichte einer Stadt im Rahmen des Imperium Romanum. Geschichte der Stadt Köln, Band 1.*

Bildnachweis

Titel: Archäologische Stätte Prätorium, Köln. Wikimedia Commons, Carole Raddato. CC BY-SA 2.0.

Modell Prätorium: Wikimedia Commons, Nicolas von Kospoth (Triggerhappy). CC BY-SA 2.5.

Römerturm: Wikimedia Commons, Hartmann Linge. CC BY-SA 4.0.

Alle weiteren Bilder eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.

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