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Caligula – Der Kaiser und der Senat

Am 18. März 37, zwei Tage nach dem Tod des Kaisers Tiberius, trat in Rom der Senat zusammen, um über die Nachfolge zu entscheiden. In Frage kamen zwei junge Männer aus dem Kaiserhaus. Der eine hieß Gaius und war vierundzwanzig Jahre alt; als Kind hatten ihn die Soldaten seines Vaters Caligula getauft, „Stiefelchen“, und unter diesem Spitznamen ist er in die Geschichte eingegangen. Sein Vater war der populäre Feldherr Germanicus, den Tiberius einst adoptiert hatte. Der andere, Tiberius Gemellus, war der leibliche Enkel des Toten und erst siebzehn.

Hier wuchs Caligula auf: Villa Jovis auf Capri

In seinem Testament hatte Tiberius beide zu gleichen Teilen als Erben seines Vermögens eingesetzt. Über die Herrschaft selbst konnte ein Testament nicht bestimmen, denn die Stellung des Kaisers beruhte auf Vollmachten, die Senat und Volk verliehen. Wer aber das riesige Vermögen des Kaisers erbte, übernahm mit ihm auch dessen Anhängerschaft, und ein Miterbe mit gleichem Anteil wäre für Gaius ein ständiger Rivale geblieben. Der Senat entschied sich für Gaius allein und erklärte das Testament für ungültig, weil Tiberius nicht bei klarem Verstand gewesen sei. Als Beleg führte man an, dass er einen Knaben, der den Senat noch nicht einmal betreten durfte, zum Mitregenten habe machen wollen. Gaius hatte die Aufhebung zuvor mit den Konsuln abgestimmt und ließ das Testament durch Macro in den Senat bringen.

Am 3. April ließ Gaius seinen Vorgänger bestatten und hielt selbst die Leichenrede. Er sprach darin weniger über Tiberius als über Augustus und seinen Vater Germanicus und gab damit zu verstehen, an wen er anknüpfen wollte. Für den Toten beantragte er beim Senat dieselben Ehren, die Augustus erhalten hatte; als die Senatoren zögerten, weil sie den unbeliebten Tiberius nicht ehren mochten, ließ er die Sache fallen.

Was ein Herrschaftsantritt kostete

Der neue Kaiser zeigte sich umgehend großzügig. Tiberius hatte den Prätorianern testamentarisch je 1.000 Sesterzen zugedacht; Caligula zahlte das Doppelte. Dass ein neuer Kaiser die Garde über das Vermächtnis seines Vorgängers hinaus beschenkte, wurde bald zur Regel; Claudius überbot die Summe vier Jahre später um ein Vielfaches. Der Bürgerschaft Roms wurden am 1. Juni und noch einmal am 19. Juli je 300 Sesterzen ausgezahlt.

Gegenüber dem Senat trat er betont zurückhaltend auf. Den Titel pater patriae lehnte er mit dem Hinweis auf sein Alter ab und rief Verbannte zurück; die Akten der Prozesse gegen seine Mutter und seine Brüder ließ er öffentlich verbrennen, angeblich ungelesen, was nicht stimmte. Um die Geschworenen zu entlasten, richtete er eine fünfte Geschworenenbank ein; zugleich konnten Magistrate ohne Berufung an ihn Recht sprechen. Auch für Gladiatorenspiele ersuchte er den Senat um eine Ausnahme: Er ließ sich genehmigen, zahlreiche Männer in der Arena kämpfen zu lassen.

Wer zu Tiberius gehalten hatte, verlor. Der Miterbe Gemellus kam ums Leben – nach dem römischen Biographen Sueton durch einen Offizier getötet, nach dem jüdischen Philosophen Philon zum Selbstmord gezwungen –, weil er ein Gegengift eingenommen haben soll, womit er dem Kaiser unterstellt habe, ihn vergiften zu wollen. Marcus Iunius Silanus, ein langjähriger Vertrauter des Tiberius und Schwiegervater Caligulas, wurde in den Tod getrieben und schnitt sich mit einem Rasiermesser die Kehle durch. Auch Macro, der Prätorianerpräfekt, dem Caligula die Herrschaft mitverdankte, kam bald um: Der Kaiser hatte nicht die Absicht, von einem Gardepräfekten so abzuhängen, wie Tiberius von Seianus abgehangen hatte.

Der Herbst 39

Im Spätsommer 39 erklärte Caligula, eine Verschwörung entdeckt zu haben, die Marcus Aemilius Lepidus an seine Stelle setzen wollte – den Witwer seiner Schwester Drusilla, die er während einer schweren Erkrankung zwei Jahre zuvor zur Erbin eingesetzt hatte. Die Konsuln, die an seinem Geburtstag am 31. August keine Dankfeste angeordnet hatten, setzte er ab. Dann marschierte er mit den Prätorianern nach Norden, wo Cnaeus Cornelius Lentulus Gaetulicus, dem man die Beteiligung am Komplott vorwarf, seit rund zehn Jahren die obergermanischen Legionen führte. Caligula ließ Gaetulicus hinrichten und entließ zahlreiche Offiziere.

Auch Lepidus wurde getötet. Caligulas Schwestern Agrippina und Livilla wurden wegen Ehebruchs verurteilt und verbannt; Agrippina musste die Asche des Hingerichteten nach Rom tragen, eine höhnische Umkehrung jener Heimführung, mit der ihre Mutter einst die Asche des Germanicus nach Rom gebracht hatte. Wie der Senat sich in solchen Lagen verhielt, zeigt ein Name: Der spätere Kaiser Vespasian, damals Prätor, beantragte Spiele zur Feier des Sieges in Germanien und schlug vor, die Leichen der Verschwörer unbestattet liegen zu lassen. Die Protokolle der Arvalbrüder1 verzeichnen für den 27. Oktober 39 ein Dankopfer für die Aufdeckung des Anschlags.

Wie sehr die Beziehung danach zerrüttet war, lässt sich an einer Kleinigkeit ablesen. Caligula überwinterte in Lugdunum und trat dort am 1. Januar 40 sein drittes Konsulat an. Weil der vorgesehene Kollege kurz zuvor gestorben war und die Nachricht den abwesenden Kaiser nicht rechtzeitig erreichte, amtierte er ohne Kollegen, und manche legten ihm das als Hochmut aus. Möglicherweise gehört in diesen Zusammenhang die Geschichte, er habe sein Pferd Incitatus zum Konsul machen wollen.

Kaisermord

Tötung des Caligula, zwischen 1624 und 1703

Die Unzufriedenheit gipfelte in einem Anschlag auf Caligula am 24. Januar 41.

Es waren nicht Senatoren, die ihn töteten, sondern Offiziere der Garde um Cassius Chaerea. Sie erschlugen auch seine Frau und die kleine Tochter und rechtfertigten ihre Tat als Tyrannenmord.

Chaerea hatte durchaus politische Gründe, doch überliefert ist auch ein persönlicher: Der Kaiser hatte ihn wiederholt als weibisch verspottet.

Damit lag die Entscheidung über das Weitere bei den Prätorianern.


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Eck, W. (2018): Augustus und seine Zeit.*

Dahlheim, W. (2024): Augustus: Aufrührer, Herrscher, Heiland.*

Beard, M. (2024): Die Kaiser von Rom: Herrscher über Volk und Reich.*

Clauss, M. (2011): Die römischen Kaiser: 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian.*

Eich, A. (2019): Die römische Kaiserzeit: Die Legionen und das Imperium.*

Bildnachweis

Titel: Caligula-Büste, Carlsberg Glyptotek. Wikimedia Commons, Sergey Sosnovskiy. CC BY-SA 2.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

Fußnote

  1. Die Arvalbrüder (lat. fratres arvales) waren ein römisches Zwölferkolleg von Priestern. ↩︎

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