Kaiser Konstantin der Große gab im Jahr 326 den Auftrag, die Tempelanlagen der Aphrodite in Jerusalem niederzureißen. Unter dem Schutt des römischen Heiligtums stießen seine Arbeiter auf eine Grabhöhle, die sie als das Grab Christi deuteten. Konstantin ließ den Felsen rund um die Ruhestätte abtragen, bis die Kammer als freistehendes Monument, die Ädikula (Grabkapelle), im Zentrum einer gewaltigen Rotunde thronte. Am 13. September 335 wurde die Anlage feierlich geweiht und entwickelte sich rasch zum bedeutendsten Ziel christlicher Pilgerströme aus dem gesamten Römischen Reich.
Die Katastrophe des Jahres 1009

Doch diese Beständigkeit war trügerisch. Fast 7 Jahrhunderte lang überdauerte die Kirche verschiedene Herrschaftswechsel, bis der fatimidische Kalif al-Hakim eine radikale Kehrtwende in der Religionspolitik vollzog. Am 28. September 1009 befahl er die systematische Zerstörung des Bauwerks. Arbeiter rückten mit Spitzhacken gegen die Mauern vor, brachen die Basilika ab und versuchten, den Felsen des Heiligen Grabes vollständig zu zertrümmern. Die Nachricht von der Verwüstung löste im christlichen Abendland Entsetzen aus und gilt als langfristiger Wegbereiter für die späteren Kreuzzüge.
Wiederaufbau und Kreuzritter
Trotz der Zerstörung blieb der Ort ein Magnet für Gläubige. Bereits im Jahr 1048 ermöglichte der byzantinische Kaiser Konstantin IX. Monomachos eine erste Teilrestaurierung, bei der er die Rotunde wiederaufbauen ließ. Als die Kreuzritter Jerusalem im Jahr 1099 eroberten, fanden sie eine funktionsfähige, wenn auch verkleinerte Kirche vor. Nach einer ersten Notweihe im Jahr 1100 begannen sie mit einer umfassenden Neugestaltung. Am 15. Juli 1149 – dem 50. Jahrestag der Eroberung – vollzog der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fulcherius (Fulk von Angoulême), schließlich die feierliche Vollendungsweihe des Gebäudes. Er weihte den neuen zentralen Kirchenraum, das Katholikon, und die repräsentative Südfassade ein, die das Gesicht der Kirche bis heute prägen.
Ein zerbrechliches Gleichgewicht

Nach dem Ende der Kreuzfahrerherrschaft blieb die Kirche im Wesentlichen erhalten, doch das Nebeneinander der verschiedenen christlichen Konfessionen erforderte zunehmend verbindliche Absprachen. Seit dem 19. Jahrhundert regelt die sogenannte Status-quo-Regelung das komplizierte Miteinander der 6 Glaubensgemeinschaften. Jede Gruppe wacht eifersüchtig über ihre Rechte an Altären und Kapellen. Ein Symbol für diesen Stillstand ist eine hölzerne Leiter an der Fassade: Sie wurde um 1850 von einem Handwerker dort vergessen und darf seither nicht bewegt werden, da keine der Kirchen das Recht besitzt, sie anzurühren. Um den Frieden zu wahren, verwalten seit der Zeit Saladins 2 muslimische Familien die Schlüssel und schließen die Haupttür täglich auf und zu.
Die Rettung der Ädikula
Im Jahr 2016 zwang der baufällige Zustand der Grabkapelle die zerstrittenen Konfessionen schließlich doch zu einer klaren Vereinbarung. Ein griechisches Expertenteam trug das osmanische Barockgehäuse ab, das nach einem Brand im Jahr 1808 errichtet worden war. Während der Arbeiten öffneten die Forscher für 60 Stunden die Marmorplatte über der Grabbank, um die originale Felsoberfläche zu untersuchen. Sie sicherten die Grabkapelle gegen Erdbeben und entfernten ein britisches Stahlkorsett aus dem Jahr 1947. Am 22. März 2017 feierten die Oberhäupter der Kirchen eine gemeinsame ökumenische Einweihung – ein seltener Moment der Einheit an diesem historisch so umkämpften Ort.
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Krüger, J. (2000): Die Grabeskirche zu Jerusalem.*
Bildnachweis
Titel: Eingang zur Grabeskirche, 2007.
Alles eigene Aufnahmen.




