Die Männer sollen dicht beieinanderbleiben. Zwischen ihren Schilden darf keine Lücke entstehen. Auch die leichter Bewaffneten sollen sich in ihrer Nähe halten. So mahnt der Dichter Tyrtaios die Spartaner in Versen, die während erneuter Kämpfe um Messenien entstanden.
Seine Gedichte sind die wichtigste frühe Stimme zu diesem Krieg. Tyrtaios beschreibt jedoch keinen Feldzug von Anfang bis Ende. Er will Männer zum Durchhalten bewegen und erinnert sie an das fruchtbare Land, das ihre Vorfahren jenseits des Taygetos erobert hatten.
Neue Kämpfe westlich des Taygetos
Sparta hatte bereits in einem früheren Krieg Teile Messeniens unterworfen. Wie weit seine Herrschaft damals reichte, lässt sich kaum bestimmen. Im 7. Jahrhundert v. Chr. kam es erneut zu langwierigen Auseinandersetzungen. Besonders die Ebene von Stenyklaros im Zentrum Messeniens entzog sich offenbar noch dem dauerhaften Zugriff Spartas.
Die antiken Berichte sprechen von einem Zweiten Messenischen Krieg. Wann er begann, wie lange er dauerte und welche Kämpfe aufeinanderfolgten, bleibt offen. Spätere Autoren schildern einen messenischen Freiheitskampf unter Aristomenes. Ihre Erzählungen entstanden Jahrhunderte nach den Ereignissen und gestalten ihn zum Helden. Aus ihnen lässt sich der Verlauf des Krieges nicht zuverlässig nachzeichnen.
Dass die Messenier erheblichen Widerstand leisteten, zeigen Tyrtaios’ Mahnungen. Seine Verse richten sich an Männer, die wieder ins Feld ziehen sollten. Messenische Krieger konnten den Spartanern offenbar auch in offenen Gefechten entgegentreten.
Schilde in der Reihe
Tyrtaios verlangt von den schwer bewaffneten Kämpfern, eng zusammenzustehen. Jeder soll seinen Platz halten, damit neben ihm keine Lücke entsteht. Die leichter Bewaffneten gehören ebenfalls zum Aufgebot. Ihre Erwähnung zeigt, dass sich nicht jeder Spartaner eine vollständige Ausrüstung für den Kampf in der geschlossenen Reihe leisten konnte.

Das Heer brauchte sie dennoch. Ein langer Krieg beanspruchte immer neue Kämpfer, während Erfolge auf sich warten ließen. Tyrtaios versprach Ruhm für Tapferkeit und warnte vor dem Los der Besiegten. Sein Ruf zum Zusammenhalt zielte damit auf ein praktisches Problem: Die Spartaner mussten weiter ins Feld ziehen, obwohl der Krieg ihre Gemeinschaft belastete.
Aristoteles berichtet Jahrhunderte später unter Berufung auf Tyrtaios’ Gedicht Eunomia („gute Ordnung“), dass verarmte Spartaner während des Krieges eine Neuverteilung des Landes verlangten. Wie sie diese Forderung vorbrachten, wissen wir nicht. Die Verse, auf die Aristoteles sich stützte, sind nur in Teilen erhalten.
Tyrtaios erinnerte an das fruchtbare Messenien, das eine frühere Generation erobert hatte. Die Aussicht auf weiteres Land konnte Männer ohne eigenen Grundbesitz ansprechen. Ein ausdrückliches Versprechen neuer Grundstücke für den laufenden Krieg ist in den erhaltenen Versen jedoch nicht überliefert.
Was von den Schlachten bekannt ist
Spätere Geschichten nennen eine große Schlacht an einem Graben. Die Messenier sollen durch den Verrat ihres arkadischen Verbündeten Aristokrates verloren haben. Wo dieser Kampf stattfand und was dort geschah, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Pausanias berichtet, die überlebenden Messenier hätten sich danach auf den Berg Eira zurückgezogen und dort weitere elf Jahre Widerstand geleistet. Auch diese Zeitangabe ist unsicher.
Die zwanzig Jahre, die Tyrtaios in seinen Versen nennt, beziehen sich auf den Ersten Messenischen Krieg. Für den Zweiten rechnet Pausanias mit rund siebzehn Jahren. Seine Jahreszahlen beruhen jedoch auf späteren Berechnungen; wie lange die erneuten Kämpfe tatsächlich dauerten, bleibt offen.
Wahrscheinlich endeten sie erst, als Sparta seine Herrschaft über große Teile Messeniens bis zur Westküste ausgedehnt hatte. Welche Niederlage dabei den Ausschlag gab, wissen wir nicht.

Land und Arbeit nach dem Sieg
Nach den Kämpfen konnten Spartaner Land in den fruchtbaren Ebenen Messeniens übernehmen. Wie sie es untereinander aufteilten, ist unbekannt. Eine gleiche Ausstattung aller Bürger lässt sich daraus nicht ableiten; Besitzunterschiede bestanden in Sparta weiter.
Für einen beträchtlichen Teil der messenischen Bevölkerung bedeutete der Sieg den Verlust der Freiheit. Diese Menschen wurden zu Heloten. Sie mussten Land bewirtschaften, von dessen Erträgen spartanische Besitzer lebten. Die Unterwerfung ermöglichte vielen Spartanern, mehr Zeit für Kriegsdienst und politische Aufgaben aufzuwenden. Zugleich blieb Sparta von der Arbeit und dem Gehorsam der Messenier abhängig.
Tyrtaios’ Verse richten sich an Spartas Kämpfer. Sie fordern Standhaftigkeit und rufen die Eroberung fruchtbaren Landes durch ihre Vorfahren in Erinnerung. Von den Messeniern, deren Felder erneut umkämpft waren, sind keine vergleichbaren Stimmen aus dieser Zeit erhalten. Mehr als ein Jahrhundert später verschanzten sich aufständische Messenier auf dem Berg Ithome.

Zum Weiterlesen
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Karl-Wilhelm Welwei (2013): Sparta: Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht.*
Bildnachweis
Titel: Mount Ithome, Messenien. Wikimedia Commons, Mark Landon. CC BY-SA 4.0.
Taygetos: Wikimedia Commons, Deyan Vasilev ( Dido3 ). CC BY-SA 3.0.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.




