Im Oktober 1947 geriet eine Zeugenbefragung in Washington zum Wortgefecht. Der Drehbuchautor John Howard Lawson wollte erklären, warum er Fragen nach seiner politischen Zugehörigkeit zurückwies. Der Ausschussvorsitzende bestand auf Antworten. Lawson erhob die Stimme, der Vorsitzende versuchte ihn mit dem Hammer zum Schweigen zu bringen.
Weitere Zeugen widersetzten sich ebenfalls. Zehn Filmschaffende wurden schließlich wegen Missachtung des Kongresses verfolgt. Bekannt wurden sie als die „Hollywood Ten“. Bald verloren sie auch ihre Arbeit.
Warum Hollywood?
Die Anhörungen führte der Ausschuss für unamerikanische Umtriebe des Repräsentantenhauses durch, meist HUAC genannt. Er untersuchte den angeblichen kommunistischen Einfluss auf die Filmindustrie. Hollywood bot ihm eine besonders große Bühne: Was Filmstars sagten, erreichte ein Millionenpublikum.
In der Branche gab es tatsächlich eine aktive kommunistische Bewegung. Viele ihrer Mitglieder waren in den Dreißigerjahren zur Partei gekommen, angezogen vom Kampf gegen den Faschismus. Sie engagierten sich auch für Gewerkschaften.
Ihr Einfluss auf die fertigen Filme blieb jedoch begrenzt. Die Produzenten entschieden, was auf die Leinwand kam. Selbst ein erfolgreicher Drehbuchautor konnte seine politischen Vorstellungen deshalb nur eingeschränkt durchsetzen.
Der Ausschuss wollte dennoch wissen, ob Kommunisten über Unterhaltungsfilme politische Botschaften verbreiteten. Bei den öffentlichen Befragungen rückte dann die Parteizugehörigkeit einzelner Mitarbeiter in den Mittelpunkt.
Eine riskante Verteidigung
Die entscheidende Frage lautete, ob ein Zeuge gegenwärtig oder früher der Kommunistischen Partei angehörte. Die späteren Hollywood Ten verweigerten darauf eine eindeutige Antwort.
Sie beriefen sich auf den ersten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung, der die Meinungsfreiheit schützt. Ihre Anwälte argumentierten, der Kongress dürfe Menschen nicht wegen ihrer politischen Überzeugungen ausforschen. Sie hofften, diese Position vor Gericht durchsetzen zu können.
Zugleich wollten die Zeugen vermeiden, anschließend über die politische Zugehörigkeit ihrer Kollegen Auskunft geben zu müssen.
Unterstützung kam zunächst auch von prominenten Schauspielern. Humphrey Bogart und Lauren Bacall reisten nach Washington, um gegen die Anhörungen zu protestieren. Sie fürchteten Eingriffe in die Freiheit der Filmindustrie.
Doch die lautstarken Auseinandersetzungen schwächten diese Unterstützung. Der Ausschuss präsentierte zudem Belege für kommunistische Parteiverbindungen. Viele liberale Unterstützer gingen nun auf Abstand. Bogart bezeichnete seine Reise später öffentlich als unklug.
Die Studios ziehen mit
Noch zu Beginn der Anhörungen hatte der Sprecher der großen Filmstudios versichert, es werde keine schwarze Liste geben. Wenige Wochen später verständigten sich die Unternehmensleitungen auf das Gegenteil.
Ende November 1947 trafen sie sich im New Yorker Waldorf-Astoria-Hotel. In ihrer gemeinsamen Erklärung kündigten sie die Entlassung der zehn an. Außerdem verpflichteten sie sich, wissentlich keine Kommunisten zu beschäftigen.
Damit verbanden sich staatlicher Druck und die Entscheidungen privater Arbeitgeber. Der Ausschuss konnte Zeugen vorladen und öffentlich belasten. Die Studios konnten ihnen anschließend die berufliche Existenzgrundlage entziehen.
Wer bei einem Unternehmen ausgeschlossen wurde, fand deshalb kaum einen Ausweg bei einem anderen.
Gefängnis und Arbeit unter fremdem Namen
Die zehn kämpften vor Gericht gegen ihre Verurteilungen wegen Missachtung des Kongresses. Ihre Verteidigung über die Meinungsfreiheit scheiterte. 1950 traten sie Haftstrafen zwischen sechs Monaten und einem Jahr an.

Die schwarze Liste wirkte weit über diese Haftzeit hinaus. Sie erfasste bald weitere Filmschaffende, denen kommunistische Verbindungen zugeschrieben wurden.
Einige Drehbuchautoren arbeiteten heimlich weiter. Sie verwendeten Decknamen oder ließen Kollegen ihre Texte als eigene Arbeiten verkaufen. Dafür mussten sie oft deutlich geringere Honorare akzeptieren.
Dalton Trumbo, einer der zehn, schrieb unter dem Namen „Robert Rich“ die Vorlage zu The Brave One, einem Film von 1956. Die Geschichte erhielt einen Oscar, während der tatsächliche Autor öffentlich ausgeschlossen blieb. 1960 konnte Trumbo wieder unter seinem eigenen Namen arbeiten.
Zum Weiterlesen
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Cohen, L. (2003): A Consumers’ Republic. The Politics of Mass Consumption in Postwar America.* Gesellschaftsgeschichte des amerikanischen Nachkriegswohlstands mit einer differenzierten Einordnung des GI Bill.
Patterson, J. T. (1996): Grand Expectations. The United States, 1945–1974.* Umfassende Darstellung der amerikanischen Nachkriegsgeschichte und ihrer gesellschaftlichen Veränderungen.
Bildnachweis
Titel: Hollywood Ten, Wikimedia Commons, Los Angeles Times photographic archive. CC BY-SA 4.0.
Dalton Trumbo: Wikimedia Commons, Los Angeles Times photographic archive. CC BY-SA 4.0.



