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Solon und die Schuldenkrise – Die Pfandsteine von Attika

Solon lässt in einem seiner Gedichte die Erde Attikas als Zeugin auftreten. Er habe die Steine entfernt, die auf ihren Feldern standen. Wahrscheinlich zeigten sie an, dass Bauern für ihre Äcker Abgaben an Gläubiger leisten mussten.

Solon schrieb diese Verse, um sein Handeln zu rechtfertigen. Denn als die Athener ihn 594/93 v. Chr. zum Archon, einem ihrer führenden Amtsträger, und zum Vermittler in einem schweren Konflikt machten, erwarteten viele von ihm eine Entscheidung über Schulden, Land und die Freiheit verschuldeter Bürger.

Wenn die Ernte nicht reicht

Viele Familien in Attika lebten von kleinen Äckern. Wurde ein Grundstück unter Erben geteilt, mussten mehrere Haushalte von Flächen leben, die zuvor eine Familie versorgt hatten. Wer Saatgut oder Lebensmittel brauchte, konnte bei einem wohlhabenden Grundbesitzer ein Darlehen aufnehmen. Nach einer schlechten Ernte wurde die Rückzahlung schwierig.

Solon, Büste, 90 n. Chr.

Manche Bauern mussten regelmäßig einen Teil ihrer Ernte abgeben. Spätere Quellen nennen solche Abhängigen Hektemoroi, „Sechstler“. Was genau ihr Name über die Höhe der Abgabe aussagt und welchen rechtlichen Status sie hatten, ist umstritten. Sie bewirtschafteten weiterhin Land, waren gegenüber dem Gläubiger aber kaum noch frei in ihren Entscheidungen.

Anderen drohte der Zugriff auf ihre Person. Wer seine Verpflichtungen nicht erfüllen konnte, musste für einen Gläubiger arbeiten oder konnte als Sklave verkauft werden. Solon berichtet in seinen Gedichten von Athenern, die bereits in fremde Städte verkauft worden waren. Weitere hatten Attika verlassen, um diesem Schicksal zu entgehen.

Nicht alle Bauern waren verschuldet. Es gab weiterhin Familien mit ausreichend Land, die ihren Lebensunterhalt selbst sichern konnten. Doch die Zahl der Bedrohten war groß genug, um die Stadt in eine Krise zu treiben. Zugleich stritten einflussreiche Familien um politische Macht. Wer den Verschuldeten Land versprach, konnte Anhänger für einen eigenen Griff nach der Herrschaft gewinnen.

Solon erhält den Auftrag

Solon stammte selbst aus der athenischen Führungsschicht. Er hatte die Härte wohlhabender Grundbesitzer kritisiert und zugleich vor einem Mann gewarnt, der die Unzufriedenheit für eine Alleinherrschaft nutzen könnte. Das machte ihn für Gegner aus beiden Lagern zumindest als Vermittler annehmbar.

Sein dringendster Eingriff betraf die Schulden. Solon ließ Verpflichtungen aufheben, die Bauern in Abhängigkeit gebracht hatten. Die Steine auf den Feldern wurden entfernt. Athener, die wegen ihrer Schulden ihre Freiheit verloren hatten, sollten freikommen. Viele der ins Ausland Verkauften holte Solon nach eigener Aussage zurück. Wie das gelang, ist unbekannt. Künftig durfte ein Gläubiger einen zahlungsunfähigen Athener nicht mehr in Schuldknechtschaft zwingen.

Die Athener nannten diese Maßnahmen Seisachtheia, die „Abschüttelung der Lasten“. Für Betroffene war das greifbar: Ein Bauer musste den bisherigen Anteil seiner Ernte nicht länger abgeben. Ein anderer konnte in seine Heimat zurückkehren. Wie viele Menschen tatsächlich freikamen und ob Rückkehrer ihre früheren Äcker wiedererhielten, wissen wir nicht.

Wem sollte das Land gehören?

Mit der Befreiung war der Streit um den Boden nicht erledigt. Viele ärmere Athener verlangten, Land neu zu verteilen. Solon verweigerte das. Die Besitzer großer Güter behielten ihren Grundbesitz, obwohl sie durch die Aufhebung der Schulden bereits Ansprüche verloren hatten. Kleinbauern wiederum mussten weiter von ihren oft kleinen Feldern leben.

Solon verteidigte diese Entscheidung in seinen Versen. Er beschrieb sich als Mann, der zwischen den Streitenden stand und beide Seiten daran hinderte, die andere zu überwältigen. Diese Selbstdarstellung zeigt auch, wie wenig Zustimmung er sicher erwarten konnte: Gläubiger beklagten ihre Verluste, während viele Verschuldete mehr Land erhofft hatten.

Solon ließ darüber hinaus Gesetze schriftlich festhalten. Sie betrafen zahlreiche Bereiche des Zusammenlebens und wurden auf hölzernen Trägern verzeichnet. Spätere Athener schrieben ihm auch Regeln über Vermögensklassen und den Zugang zu Ämtern zu. Wie viel davon tatsächlich neu auf Solon zurückging, lässt sich nicht in jedem Fall bestimmen. Die höchsten Ämter blieben jedenfalls Männern mit erheblichem Besitz vorbehalten.

Nach dem Eingriff

Solon hatte verhindert, dass Athener allein wegen ihrer Schulden dauerhaft ihre Freiheit verloren. Die Unterschiede beim Landbesitz bestanden fort. Auch der Machtkampf führender Familien dauerte an; in den folgenden Jahren geriet selbst die Besetzung des Archontenamtes wieder zum Streitfall.

Gut drei Jahrzehnte nach Solons Amtsjahr erhielt Peisistratos von der Volksversammlung die Erlaubnis, eine Leibwache aufzustellen. Mit ihr besetzte er die Akropolis. Die Frage, wer in Athen Macht ausüben sollte, stand damit erneut offen.


Amphore mit Dartellung einer Olivenernte, 520 v. Chr.

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Karl-Wilhelm Welwei (2013): Sparta: Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht.*

Bildnachweis

Titel: Krösus auf dem Scheiterhaufen, 500-490 v. Chr.

Alle Bilder gemeinfrei.

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