Im Jahr 55 v. Chr. lässt Gaius Julius Caesar eine Holzbrücke über den Rhein schlagen. Seine Soldaten treiben Pfähle in das Flussbett und verbinden die Stützen zu einem Übergang für das Heer. Nach Caesars Angabe vergehen vom Beginn der Materialbeschaffung bis zur Fertigstellung zehn Tage. Die Brücke soll auch den Bewohnern des rechten Ufers zeigen, wie rasch ein römisches Heer den Fluss überwinden kann.
Wo genau die Legionen den Rhein überqueren, ist bis heute nicht sicher geklärt. Häufig wird das Neuwieder Becken als Schauplatz angenommen. Das römische Köln entsteht erst später. Doch Caesar trifft bereits auf eine Gruppe, deren Geschichte eng mit der Entstehung Kölns verbunden sein wird: die Ubier.
Ein Feldherr greift ein – Caesars Krieg erreicht den Rhein
Drei Jahre zuvor, 58 v. Chr., hat Caesar seinen Krieg in Gallien begonnen. Rom beherrscht bereits einen Teil Südgalliens. Die weiter nördlich gelegenen Gebiete regieren eigene Gemeinschaften, deren führende Männer um Einfluss kämpfen und auswärtige Verbündete heranziehen. Caesar nutzt solche Konflikte, um mit seinen Legionen einzugreifen.
Einer seiner Gegner ist Ariovist. Der Heerführer hat Krieger über den Rhein nach Gallien gebracht und dort eigene Herrschaftsansprüche durchgesetzt. Gallische Gesandte suchen bei Caesar Unterstützung gegen ihn. Dabei hatten die Römer Ariovist erst im Vorjahr als König und Freund anerkannt.

Nun verlangt Caesar, dass Ariovist keine weiteren Krieger über den Rhein führt und seine gallischen Gegner schont. Ariovist weist die Forderungen zurück. Nach Caesars Darstellung beruft er sich auf das Recht des Siegers: Auch die Römer schrieben den Besiegten vor, wie sie zu leben hätten. Im Spätsommer 58 schlägt Caesar sein Heer im heutigen Elsass. Ariovist entkommt über den Rhein.
Für Caesar eröffnet der Sieg weitere Möglichkeiten. Wer gallische Verbündete gegen einen mächtigen Nachbarn schützt, kann anschließend selbst Gehorsam verlangen. In den folgenden Jahren ziehen seine Legionen weit nach Norden. Auch die Gemeinschaften zwischen Maas und Rhein geraten in den Bereich seiner Feldzüge.
Verhandlungen und Gewalt – Der Angriff auf Usipeter und Tenkterer
Im Winter 56/55 v. Chr. überschreiten Usipeter und Tenkterer den unteren Rhein. Nach Caesars Bericht haben Sueben sie aus ihren bisherigen Wohngebieten verdrängt. Mit ihnen ziehen Familien, die auf der linken Rheinseite eine neue Lebensgrundlage suchen.
Caesar verhandelt mit ihren Gesandten. Nach einem Reitergefecht lässt er die Männer, die erneut zu ihm kommen, festhalten und greift das Lager ihrer Gemeinschaften an. Auch Frauen und Kinder geraten in die Flucht; römische Reiter verfolgen sie. Zahlreiche Menschen sterben.
Caesar rechtfertigt sein Vorgehen mit dem Vorwurf, seine Gegner hätten die Verhandlungen zur Täuschung benutzt. Schon in Rom bleibt diese Begründung umstritten. Der griechische Biograph Plutarch berichtet rund anderthalb Jahrhunderte später, Caesars politischer Gegner Cato habe wegen des gebrochenen Waffenstillstands sogar verlangt, den Feldherrn an die Geschädigten auszuliefern. Die Nachricht stammt aus einer späteren Überlieferung, macht aber deutlich, dass Caesars Handeln auch unter Römern auf scharfe Kritik stieß.
Ein Teil der Reiter der geschlagenen Gruppen findet auf der rechten Rheinseite bei den Sugambrern Zuflucht. Caesar fordert ihre Auslieferung. Damit trägt er seinen Anspruch, über Freund und Feind zu entscheiden, über den Fluss hinaus. Zugleich erhält er von einer anderen rechtsrheinischen Gemeinschaft die Bitte, dort militärisch einzugreifen.
Die Ubier suchen Schutz – Ein Bündnis mit ungleichen Partnern
Die Ubier leben zu dieser Zeit rechts des Rheins. Ihre Gesandten haben bereits Verbindung zu Caesar aufgenommen und Geiseln als Pfand übergeben. Unter dem Druck der Sueben bitten sie ihn um militärische Hilfe. Nach seiner Darstellung verschaffe ihnen bereits der Übergang des römischen Heeres Rückhalt.
Die Ubier bieten Schiffe für die Überfahrt an. Caesar entscheidet sich für eine Brücke. So verbindet er die Unterstützung seiner neuen Partner mit einem Vorstoß gegen die Sugambrer, die seine Auslieferungsforderung zurückgewiesen haben.
Die ubischen Anführer verfolgen dabei eigene Ziele. Mit römischer Unterstützung hoffen sie, sich gegen stärkere Nachbarn behaupten zu können. Caesar gewinnt durch ihre Hilfe Zugang zum rechten Ufer und Informationen über die dortigen Verhältnisse. Allerdings geben die Geiseln ihm ein Druckmittel gegen seine neuen Partner. Schutz durch Rom bindet die Ubier an einen Feldherrn, der seine Forderungen mit einem Heer durchsetzen kann.
Pfähle gegen die Strömung – Die Brücke als Machtdemonstration
Caesar beschreibt den Bau ungewöhnlich ausführlich. Die Soldaten setzen schräg gestellte Pfahlpaare in den Flussgrund, verbinden sie durch Querbalken und legen darüber die Fahrbahn. Zusätzliche Pfähle schützen die Konstruktion gegen Gegenstände, die flussabwärts treiben oder gegen sie geschickt werden könnten.
Einzelne technische Angaben lassen sich unterschiedlich deuten. Die genaue Gestalt der Brücke bleibt deshalb trotz der Beschreibung umstritten. Erkennbar ist jedoch, wie sorgfältig die Konstruktion auf den Druck des Wassers abgestimmt war.
Für Caesars Leser in Rom bekommt der Übergang dadurch ein besonderes Gewicht. Der Feldherr kann sein Heer innerhalb kurzer Zeit über einen großen Fluss führen. Der ausführlich geschilderte Bau lenkt die Aufmerksamkeit zugleich auf eine Leistung, die Caesar als Beweis seiner Handlungsfähigkeit vorführen kann.
Nach dem Übergang verwüsten seine Truppen sugambrisches Gebiet. Anschließend zieht er zu den Ubiern und verspricht ihnen Hilfe gegen die Sueben. Nach insgesamt achtzehn Tagen rechts des Rheins führt er sein Heer zurück und lässt die Brücke abbrechen.
Die römische Militärpräsenz am rechten Ufer bleibt auf diesen kurzen Feldzug beschränkt. Doch die Bewohner beider Seiten müssen nun damit rechnen, dass Caesar den Rhein erneut überschreiten wird.
Ambiorix schlägt zurück – Die Besatzung ist nicht gesichert

Wie wenig die römischen Siege Ruhe garantieren, zeigt der folgende Winter. Im Jahr 54 v. Chr. verteilt Caesar seine Truppen auf mehrere Winterlager. Eine Legion und fünf zusätzliche Kohorten, also mehrere Tausend Soldaten, beziehen Quartier im Gebiet der Eburonen zwischen Maas und Rhein. Den Befehl führen Quintus Titurius Sabinus und Lucius Aurunculeius Cotta.
Der eburonische Anführer Ambiorix bringt sie zum Abzug aus ihrem befestigten Lager. Er warnt vor einem bevorstehenden Angriff und verspricht einen sicheren Weg. Sabinus setzt sich gegen Cottas Bedenken durch. Auf dem Marsch greifen die Eburonen die römische Kolonne an. Beide Befehlshaber und der größte Teil ihrer Soldaten kommen ums Leben.
Die Niederlage trifft Caesar an einem empfindlichen Punkt. Gemeinschaften, von denen er bereits Gehorsam und Versorgung verlangt hat, können seine Truppen weiterhin vernichten. Ambiorix versucht, den Erfolg auszuweiten und weitere Gegner der Römer zum Kampf zu bewegen.
Caesar antwortet im folgenden Jahr mit neuen Feldzügen. Dabei richtet er seinen Blick erneut auf die Verbindungen über den Rhein.
Der zweite Übergang – Caesars Krieg gegen die Eburonen
Im Jahr 53 v. Chr. lässt Caesar etwas stromaufwärts vom ersten Übergang eine weitere Brücke bauen. Er will rechtsrheinische Gruppen bestrafen, die seinen Gegnern Hilfstruppen geschickt haben, und Ambiorix die Flucht zu ihnen erschweren.
Die Ubier schicken Gesandte. Sie versichern, keine Unterstützung gegen die Römer geleistet zu haben, und bieten weitere Geiseln an. Caesar akzeptiert ihre Erklärung. Danach dienen ihm ubische Kundschafter als wichtige Informationsquelle über die Sueben. Diese ziehen sich vor dem römischen Heer zurück.
Caesar verzichtet auf einen tieferen Vorstoß. Er fürchtet Schwierigkeiten bei der Versorgung. Beim Rückzug lässt er diesmal am rechten Rheinufer, wo die Ubier leben, etwa 200 römische Fuß der Brücke abbrechen, also rund 60 Meter. Zur Sicherung der teilweise abgebrochenen Brücke errichtet er einen vierstöckigen Turm und stationiert eine Besatzung.
Westlich des Rheins führt er nun einen Verwüstungsfeldzug gegen die Eburonen. Die Bewohner zerstreuen sich und suchen Schutz in schwer zugänglichem Gelände. Caesar fordert benachbarte Gemeinschaften auf, sich an der Plünderung zu beteiligen. Er benennt das Ziel selbst: Name und Gemeinschaft der Eburonen sollen vernichtet werden.
Ambiorix entkommt. Caesars eigener Bericht zeigt damit zugleich die Grenzen seiner Kontrolle. Er kann große Gebiete verwüsten, ohne den Anführer zu fassen, gegen den sich seine Rache richtet. Wie viele Eburonen die Verwüstungen überleben, bleibt offen.
Caesars Legionen haben den Ubiern Rückhalt gegeben, zugleich aber neue Verpflichtungen auferlegt. Noch liegen ihre Wohngebiete auf der rechten Rheinseite. Später wird Agrippa ihre Ansiedlung auf dem linken Ufer ermöglichen. Dort entsteht der Ort, aus dem das römische Köln hervorgeht.

Zum Weiterlesen
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Jehne, M. (2024): Caesar.*
Eck, W. (2004): Köln in römischer Zeit. Geschichte einer Stadt im Rahmen des Imperium Romanum. Geschichte der Stadt Köln, Band 1.*
Bildnachweis
Titel: Rheinbrücke Caesars, Gemälde von John Soane aus dem Jahr 1814.
Brücken-Skizze: Wikimedia Commons, Pechristener. CC BY-SA 3.0.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.




