Marcus Vipsanius Agrippa ermöglicht den Ubiern den Wechsel auf die linke Rheinseite. Die Gemeinschaft, die Caesar noch rechts des Flusses als Verbündete gewonnen hat, erhält nun Siedlungsland im römisch beherrschten Gebiet. Der griechische Geograph Strabon, der zur Zeit des Augustus und seines Nachfolgers Tiberius schreibt, hält ausdrücklich fest, dass die Ubier der Umsiedlung zustimmen. Für ihre führenden Männer bietet der Wechsel die Aussicht auf eine gesicherte Zukunft unter römischem Schutz.
Wann genau sie den Rhein überqueren, bleibt umstritten. Auch die Entstehung ihres späteren Hauptortes lässt sich davon unterscheiden. Die Ansiedlung der Ubier im Rheinland und der Bau einer Stadt am Standort Kölns gehören zusammen, können aber zeitlich auseinanderliegen.
Agrippa am Rhein – Ein Vertrauter ordnet das eroberte Land

Nach Caesars Ermordung im Jahr 44 v. Chr. kämpft dessen Adoptivsohn Octavian um die Macht im römischen Reich. Agrippa gehört zu seinen engsten Vertrauten. Er führt Heere und übernimmt schwierige Aufträge in den Provinzen. Octavian, der später den Ehrennamen Augustus erhält, kann sich auf ihn verlassen.
Zu diesen Aufgaben gehört die Sicherung Galliens. Caesar hat das Land erobert, doch römische Befehlshaber müssen ihre Herrschaft weiterhin durchsetzen. Aufstände verlangen militärische Eingriffe; am Rhein treffen die Interessen der Römer auf die ihrer rechtsrheinischen Nachbarn.
Agrippa führt in Gallien Krieg und überschreitet auch den Rhein. Der römische Geschichtsschreiber Cassius Dio berichtet darüber lange nach den Ereignissen. Er bezeichnet Agrippa als den zweiten römischen Befehlshaber nach Caesar, der den Fluss zu einem Kriegszug überquert.
Die Aufnahme der Ubier auf der linken Rheinseite gehört in diesen Zusammenhang. Agrippa kann einer verbündeten Gemeinschaft Siedlungsland im römisch beherrschten Gebiet zuweisen. Rom gewinnt dadurch Menschen, auf deren Unterstützung es am Fluss zählen kann. Aus rechtsrheinischen Partnern werden Bewohner eines Gebietes, über das römische Befehlshaber verfügen.
Zwei Aufenthalte – Warum das Datum der Umsiedlung umstritten ist
Agrippa übernimmt zweimal wichtige Aufgaben in Gallien: 39/38 v. Chr. und erneut 20/19 v. Chr. Beide Aufenthalte kommen für die Umsiedlung der Ubier infrage. Die antiken Texte nennen ihn als verantwortlichen Mann, überliefern aber kein eindeutiges Jahr.
Daher stehen sich zwei Datierungen gegenüber. Nach der früheren wechseln die Ubier um 38 v. Chr. das Ufer. Die spätere setzt den Vorgang um 19 v. Chr. an und verbindet ihn mit der Neuordnung Galliens unter Augustus.
Strabon berichtet, Agrippa habe die Ubier mit ihrem Einverständnis auf die linke Rheinseite übersiedeln lassen. Der römische Historiker Tacitus erinnert später ebenfalls an Agrippas Rolle: Er habe die über den Rhein gekommene Gemeinschaft unter römischen Schutz aufgenommen. Wie viele Menschen gleichzeitig übersetzen und wie lange sich die Ansiedlung hinzieht, erfahren wir aus diesen Berichten nicht.
Ein Datum für die Umsiedlung bezeichnet zunächst die Aufnahme der Ubier auf der linken Rheinseite. Daraus ergibt sich noch kein genaues Gründungsjahr für ihren späteren Hauptort.
Schutz und Pflichten – Was beide Seiten gewinnen
Die Ubier haben bereits zu Caesars Zeit nach einem mächtigen Verbündeten gesucht. Nach seinem Bericht setzen die Sueben ihnen zu und zwingen sie zu Tributzahlungen. Zugleich beschreibt Caesar die Ubier als eine Gemeinschaft, die Handel treibt und durch ihre Nachbarschaft zu Gallien mit dortigen Lebensweisen vertraut ist. In seiner Darstellung erscheinen sie damit als geeignete Partner Roms.

Der Umzug verändert ihre Lage erheblich. Caesars Rheinübergänge haben jeweils nur kurz gedauert. Auf der linken Seite des Flusses leben die Ubier nun innerhalb des Gebietes, das Rom beherrscht. Ihr Schutz hängt damit weniger von einem einzelnen Vorstoß römischer Legionen ab.
Rom erwartet dafür verlässliche Unterstützung. Tacitus schreibt in seiner um 98 n. Chr. entstandenen Germania, die Ubier seien nach bewährter Treue unmittelbar am Rheinufer angesiedelt worden, um andere abzuwehren. Zwischen der Umsiedlung und diesem Bericht liegen viele Jahrzehnte. Dennoch benennt Tacitus deutlich die Aufgabe, die Rom mit ihrer Anwesenheit am Fluss verbindet: Die Ubier sollen zur Sicherung des Ufers beitragen.
Für die ubischen Anführer bringt die Aufnahme deshalb Schutz und Verpflichtungen mit sich. Ihre Beziehungen zu römischen Befehlshabern gewinnen an Gewicht. Wer innerhalb des römischen Machtbereichs lebt, muss sich mit dessen Amtsträgern verständigen und die vereinbarten Aufgaben erfüllen.
Land für die Ubier – Eine Gemeinschaft braucht einen Hauptort
Die Umsiedlung betrifft eine Gemeinschaft mit ihrem Bedarf an Siedlungsland. Die Ubier brauchen Flächen, auf denen sie wohnen und ihren Lebensunterhalt sichern können. Ihre Geschichte auf der linken Rheinseite reicht deshalb über den späteren Stadtkern Kölns hinaus.
Die Römer bezeichnen eine solche politisch organisierte Gemeinschaft als civitas. Der Begriff meint hier die Ubier mit ihrem Gebiet. Ihr Hauptort bietet einen Platz, an dem ihre führenden Männer zusammenkommen und mit römischen Amtsträgern verkehren können. Für diese Aufgabe entwickelt sich das oppidum Ubiorum, der Hauptort der Ubier.
Sein Standort bietet günstige Voraussetzungen. Die spätere Kölner Altstadt liegt auf einer erhöhten Terrasse am Rhein, die vor gewöhnlichem Hochwasser geschützt ist. Der Fluss ermöglicht den Transport von Menschen und schweren Gütern. Zwischen dem Ufer und einer vorgelagerten Insel verläuft ein Rheinarm, der als Hafen genutzt werden kann.
Damit verbindet der Ort einen geeigneten Bauplatz mit einem Zugang zum wichtigsten Verkehrsweg der Region. Güter können auf dem Wasser ankommen und von hier aus weiterverteilt werden. Auch für römische Amtsträger und Truppen ist die Lage am Fluss günstig.
Das Oppidum entsteht – Köln wird nach römischen Vorstellungen gebaut
Die archäologischen Befunde führen in die Zeit um Christi Geburt und in die ersten Jahre danach. Sie zeigen, wie am Standort Kölns eine Siedlung entsteht, deren Bauten römischen Vorstellungen folgen. Die Nachrichten über Agrippas Aufnahme der Ubier und die ausgegrabenen Spuren des frühen Hauptortes beleuchten damit verschiedene Schritte derselben Entwicklung.
Viele frühe Häuser bestehen aus Holz. Daneben entstehen bereits öffentliche Gebäude aus Stein. Unter dem späteren Praetorium, dem Sitz der römischen Statthalter, liegen Reste eines frühen Steinbaus. Schon in dieser Phase erhält der Ort Gebäude, die über die Bedürfnisse einzelner Haushalte hinausgehen.
Der Name oppidum Ubiorum verweist auf die Gemeinschaft, deren Hauptort hier liegt. Die Bauweise zeigt zugleich, wie stark Rom die Entwicklung prägt. Ubische Bewohner und römische Amtsträger nutzen einen Ort, der unter Augustus ausgebaut wird.
Die Entstehung der Stadt vollzieht sich daher in mehreren Schritten. Agrippa ermöglicht die Aufnahme der Ubier auf der linken Rheinseite. Der Bau ihres Hauptortes gehört zum Ausbau der römischen Herrschaft unter Augustus. Ein genau datierter Gründungsakt der Stadt lässt sich aus den überlieferten Nachrichten und den Bodenfunden nicht gewinnen.
Steinblöcke am Hafen – Das Ubiermonument zeigt den frühen Ausbau

Ein besonders eindrucksvoller Rest dieser frühen Stadt steht im Süden der heutigen Kölner Altstadt: das sogenannte Ubiermonument. Der Turm besteht aus großen Steinquadern und stammt aus dem frühen ersten Jahrhundert n. Chr. Rund sechs Meter des Bauwerks sind erhalten.
Seine ursprüngliche Funktion ist umstritten. Wahrscheinlich gehörte er zu einer älteren Befestigung des oppidum Ubiorum und markierte die Einfahrt zum Rheinhafen.
Schon die Ausführung zeigt den Aufwand, den die Bauherren betreiben. Steinmetze müssen die Quader bearbeiten, Bauleute sie zu einem massiven Turm aufschichten. Der Baugrund in der alten Rheinaue wird mit einem Rost aus Eichenpfählen gesichert. Darüber liegt ein gegossenes Fundament, das die schweren Steinblöcke trägt.
Der moderne Name erinnert an die Ubier. Er bezeichnet jedoch keinen von ihnen schriftlich benannten Gründungsbau. Der Turm gehört zu einer Stadt, deren Bewohner und römische Amtsträger den neuen Hauptort nutzen, während Rom seine Stellung am Rhein ausbaut.
Später verändern die Kölner ihre Befestigung erneut. Beim Bau der großen Stadtmauer tragen die Bauleute Teile des alten Turms ab und beziehen seine Reste in die neue Anlage ein. Das Ubiermonument bleibt damit auch unter der späteren römischen Stadt erhalten: ein Stück des frühen Hauptortes, auf dessen Mauern nachfolgende Generationen weiterbauen.
Zum Weiterlesen
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Jehne, M. (2024): Caesar.*
Eck, W. (2004): Köln in römischer Zeit. Geschichte einer Stadt im Rahmen des Imperium Romanum. Geschichte der Stadt Köln, Band 1.*
Bildnachweis
Titel: Modell des Ubiermonument. Archäologische Zone Köln. CC BY-SA 3.0.
Agrippa-Büste: Wikimedia Commons, Shawn Lipowski (Shawnlipowski). CC BY-SA 3.0.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.




