Traurig und unwillig streifte Papst Gregor VI. im Dezember 1046 seine päpstlichen Gewänder ab. Die in der Kleinstadt Sutri versammelte Synode blickte auf ein Kirchenoberhaupt, das soeben den Kauf seines eigenen Amtes eingestanden hatte. König Heinrich III. hatte diesen beispiellosen Akt der Unterwerfung mit massivem politischem Druck erzwungen.
Das erkaufte Pontifikat
Rom war im Vorfeld dieser Absetzung in heillose politische Verwirrung geraten. Der stadtrömische Adel hatte Benedikt IX. im Jahr 1044 vertrieben. Dieser behauptete sich nach seiner Rückkehr nur mit Mühe gegen den Gegenpapst Silvester III., bevor er sich zu einem bemerkenswerten Rechtsgeschäft entschloss. Benedikt trat sein Amt gegen eine hohe Geldzahlung an seinen eigenen Taufpaten ab, der am 1. Mai 1045 als Gregor VI. den Stuhl des heiligen Petrus bestieg. Zeitgenossen hielten diesen Vorgang zunächst für unbedenklich, da der neue Pontifex weithin als frommer Mann galt.
Auch Heinrich III. traf sich im Herbst 1046 in Piacenza einvernehmlich mit Gregor und trug sich gemeinsam mit dem Papst in das Gebetsbuch des Klosters San Savino ein. Wenig später rückte die Geldzahlung jedoch in ein neues kirchenrechtliches Licht. Der Handel verletzte unmittelbar die Autorität einer kurz zuvor in Pavia abgehaltenen Synode, welche den Erwerb kirchlicher Ämter gegen Geld strikt untersagt hatte. Heinrich berief daraufhin die Synode in Sutri ein. Er richtete den Vorwurf des Ämterkaufs direkt gegen den amtierenden Papst. In diesem Zuge beendete er zugleich die konkurrierenden Ansprüche Benedikts IX. sowie Silvesters III.

Ein fränkischer Bischof für Rom
Nach der erzwungenen Absetzung Gregors trieb der König umgehend eine machtpolitische Neuordnung voran. Bereits vier Tage nach den Ereignissen von Sutri fand in Rom eine Neuwahl statt, deren Ausgang der Salier diktierte: die Erhebung des Bischofs Suidger von Bamberg. Dieser fränkische Oberhirte bestieg als Clemens II. den Thron und löste das Papsttum damit aus der zerstörerischen Umklammerung des stadtrömischen Adels. Der König integrierte das höchste kirchliche Amt durch diesen personellen Zugriff faktisch in das Gefüge der Reichskirche.
Die Inthronisierung des neuen Papstes bildete die unabdingbare Voraussetzung für den eigentlichen Höhepunkt der Italienreise. Am Weihnachtstag des Jahres 1046 empfingen Heinrich und seine Gemahlin Agnes aus den Händen von Clemens II. die Kaiserkrone. Der Herrscher sicherte sich durch die Vergabe eines eigens freigehaltenen Sessels zur Rechten des Papstes sogleich eine herausgehobene Position auf der anschließenden Krönungssynode.
Das Schwert der irdischen Gerechtigkeit
Heinrich III. knüpfte mit diesem weitreichenden Eingriff an die traditionelle Herrschaftspraxis Ottos III. an. Der neue Salierkaiser strebte ein enges Zusammenwirken von geistlicher und weltlicher Gewalt unter seiner eigenen Führung an. Clemens II. behielt bezeichnenderweise auch nach seiner Papstwahl das heimatliche Bistum Bamberg.
Der Herrscher baute seinen direkten Einfluss auf die Bistümer zielstrebig aus. Er wies den Bischöfen im Rahmen der Investitur neben dem Hirtenstab nun erstmals zusätzlich den Ring zu. Zugleich rekrutierte er zahlreiche künftige Oberhirten aus seiner eigenen Hofkapelle, auch wenn er bei Vakanzen weiterhin lokale Wahlentscheidungen und die Interessen des regionalen Adels berücksichtigte.
Dieser rigide Führungsstil erzeugte rasch massive Spannungen innerhalb des Reiches. Bischof Wazo von Lüttich positionierte sich als scharfer Gegner dieses Zugriffs auf die geistlichen Ämter und konfrontierte den Herrscher offen mit den Normen des Kirchenrechts. Wazo hielt dem Kaiser entgegen, dass die Bischofsweihe die Menschen zum Ewigen Leben führe, während die Königssalbung lediglich zum Töten ermächtige. Der Lütticher Bischof wies dem König damit allein die Gewalt des weltlichen Schwertes zu – ohne geistliche Befehlsgewalt über Bischöfe oder das Recht, einen Papst abzusetzen. Diese fundamentale Kritik an der kaiserlichen Kirchenhoheit kündigte bereits die offene Rebellion an, welche die nachfolgende Herrschergeneration in ihre größte Krise stürzen sollte.

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Laudage, J. (2024): Die Salier. Das erste deutsche Königshaus.*
Weinfurter, S. (2008): Das Jahrhundert der Salier 1024–1125: Kaiser oder Papst?*
Bildnachweis
Titel: Synode von Sutri, 19. Jhdt.
Sutri: Wikimedia Commons, Fiat 500e. CC BY-SA 4.0.
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