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Der Händedruck im Admiralspalast – Wie die SED entstand

Am 31. März 1946 stimmten Berliner Sozialdemokraten über die Zukunft ihrer Partei ab. Rund 82 Prozent der Abstimmenden lehnten einen sofortigen Zusammenschluss mit der Kommunistischen Partei Deutschlands, der KPD, ab. Gleichzeitig befürworteten etwa 62 Prozent eine Zusammenarbeit beider Parteien.

Die Mitglieder hatten damit zwischen gemeinsamer Arbeit und einer Verschmelzung unterschieden. Abstimmen durften sie allerdings nur in den drei westlichen Sektoren Berlins. Im sowjetischen Sektor verhinderte die Besatzungsmacht die Befragung.

Drei Wochen später gründeten Delegierte von KPD und SPD im Berliner Admiralspalast dennoch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, die SED. Die Gegner der Vereinigung hatten den Zusammenschluss in der sowjetischen Besatzungszone nicht aufhalten können.

Die Hoffnung auf eine gemeinsame Partei

Nach dem Ende der NS-Diktatur wollten zahlreiche Sozialdemokraten und Kommunisten ihre frühere Feindschaft überwinden. Manche hatten gemeinsam Haft und Verfolgung erlebt. Sie gaben der Spaltung der Arbeiterbewegung eine Mitverantwortung dafür, dass Hitler 1933 an die Macht gekommen war.

Die KPD hatte in den letzten Jahren der Weimarer Republik die SPD erbittert bekämpft. Nach 1945 erschien vielen Mitgliedern beider Parteien eine Zusammenarbeit deshalb als notwendiger Bruch mit der Vergangenheit. In einigen Orten gründeten sie gemeinsame Ausschüsse und halfen beim Aufbau der Verwaltungen.

Aus solchen Erfahrungen erwuchs auch der Wunsch nach einer einzigen Arbeiterpartei. Ihre Anhänger hofften, gemeinsam stärker für sozialistische Reformen eintreten zu können.

Die Parteiführungen gingen zunächst unterschiedliche Wege. Im Juni 1945 ließ die sowjetische Besatzungsmacht beide Organisationen wieder zu. Die KPD-Führung hielt einen sofortigen Zusammenschluss zu diesem Zeitpunkt für verfrüht. Sie wollte zuerst ihre eigene Partei aufbauen.

Die KPD ändert ihren Kurs

Die Kommunisten besaßen einen beträchtlichen Vorsprung bei der Besetzung öffentlicher Ämter. Funktionäre aus dem Moskauer Exil waren mit Unterstützung der Roten Armee zurückgekehrt und hatten wichtige Stellen in den Verwaltungen übernommen.

Trotz dieses Einflusses fehlte der KPD eine sichere Mehrheit unter den Wählern. Die SPD gewann rasch Mitglieder und erwies sich als ernsthafte Konkurrentin. Eine gemeinsame Partei bot der KPD die Möglichkeit, diese Konkurrenz zu beseitigen und die sozialdemokratische Anhängerschaft einzubinden.

Seit dem Herbst 1945 drängte die kommunistische Führung deshalb zunehmend auf die Vereinigung. Die sowjetische Militäradministration unterstützte sie dabei.

In den westlichen Besatzungszonen widersetzte sich Kurt Schumacher diesem Vorhaben. Der frühere Reichstagsabgeordnete, der fast zehn Jahre in Konzentrationslagern verbracht hatte, baute die SPD von Hannover aus wieder auf. Er sah in der KPD eine von Moskau abhängige Partei und verteidigte die Eigenständigkeit der Sozialdemokratie.

Otto Grotewohl leitete dagegen den Berliner Zentralausschuss der SPD, dessen Zuständigkeit sich auf die sowjetische Zone beschränkte. Auch er verlangte zunächst, dass über eine Vereinigung auf gesamtdeutscher Ebene entschieden werde. Unter den bestehenden Besatzungsverhältnissen ließ sich das kaum verwirklichen.

Zustimmung unter Druck

Sowjetische Offiziere bestellten sozialdemokratische Funktionäre zu Gesprächen ein und verlangten ihre Zustimmung. Gegner des Zusammenschlusses verloren Ämter oder wurden verhaftet. Manche flohen in die westlichen Zonen.

Auch die öffentliche Debatte wurde eingeschränkt. Im Januar 1946 ließ die sowjetische Zensur eine bereits gedruckte Ausgabe der Dresdner SPD-Zeitung einstampfen, die Vorbehalte gegen die Vereinigung enthielt. Kritiker konnten ihre Argumente dadurch kaum noch verbreiten.

Innerhalb der SPD war die Haltung trotzdem uneinheitlich. Einige Funktionäre befürworteten den Zusammenschluss aus Überzeugung. Andere hofften, sozialdemokratische Ziele in der neuen Partei weiterverfolgen zu können. Die KPD versprach ihnen gleiche Rechte: Leitungsämter sollten jeweils mit einem früheren Kommunisten und einem Sozialdemokraten besetzt werden.

Im Februar 1946 gab der Zentralausschuss um Grotewohl seine bisherigen Vorbehalte auf. Am 26. Februar legten Vertreter beider Parteien den Termin für den Vereinigungsparteitag fest.

Dieser Beschluss fiel ohne eine freie Befragung der Mitglieder. In Berlin organisierten Vereinigungsgegner deshalb die Abstimmung vom 31. März. Ihr Ergebnis zeigte, wie groß der Widerstand dort war. Es erlaubte jedoch keine genaue Aussage darüber, wie sämtliche Sozialdemokraten in der sowjetischen Zone entschieden hätten. Eine vergleichbare geheime Befragung blieb ihnen verwehrt.

Der Parteitag im Admiralspalast

Am 19. und 20. April 1946 beschlossen die getrennten Parteitage von KPD und SPD den Zusammenschluss. Anschließend versammelten sich ihre Delegierten am 21. und 22. April im Admiralspalast an der Berliner Friedrichstraße.

Wilhelm Pieck, der Vorsitzende der KPD, und Otto Grotewohl reichten sich die Hände. Die Geste sollte das Ende der jahrzehntelangen Spaltung zeigen. Zwei ineinandergreifende Hände wurden zum Parteizeichen der SED.

Pieck und Grotewohl übernahmen gemeinsam den Vorsitz. Auch die nachgeordneten Leitungen sollten Kommunisten und Sozialdemokraten gleichberechtigt besetzen. Das Gründungsprogramm versprach einen demokratischen Weg zum Sozialismus.

Die Hoffnungen einzelner Mitglieder auf eine gemeinsame Partei waren real. Sie änderten jedoch nichts an den Bedingungen des Zusammenschlusses: Die sowjetische Besatzungsmacht hatte die Vereinigung durchgesetzt und ihren Gegnern eine freie politische Entscheidung verwehrt. Darauf bezieht sich die Bezeichnung Zwangsvereinigung.

In der sowjetischen Besatzungszone bestand danach keine eigenständige SPD mehr. In den westlichen Zonen blieben SPD und KPD getrennt.

Walter Ulbricht, Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck bei ihrem historischen Händedruck beim Vereinigungsparteitag

Berlin bleibt die Ausnahme

Berlin stand unter der gemeinsamen Verantwortung der vier Siegermächte. Im Mai 1946 einigten sie sich darauf, sowohl die SED als auch die SPD in der gesamten Stadt zuzulassen.

Damit konnten Sozialdemokraten auch im sowjetischen Sektor ihre Organisation erhalten. Ihre Arbeit wurde dort zunehmend behindert, doch die Partei bestand bis zum Mauerbau 1961 weiter.

Auch innerhalb der SED war die kommunistische Vorherrschaft im Frühjahr 1946 noch nicht vollständig durchgesetzt. Frühere Sozialdemokraten besetzten zunächst zahlreiche Leitungsstellen. In den folgenden Jahren verloren sie jedoch ihren Einfluss. Die zugesagte Gleichberechtigung wich einer zentral geführten Partei nach sowjetischem Vorbild.

Vorerst musste sich die neue Organisation aber einer Wahl stellen. Am 20. Oktober 1946 traten SPD und SED in ganz Berlin gegeneinander an. Die Wähler konnten nun entscheiden, welcher der beiden Parteien sie ihre Stimme geben wollten.


Zum Weiterlesen

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Kleßmann, C. (1986): Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945–1955.*

Malycha, A. (2000): Die SED. Geschichte ihrer Stalinisierung 1946–1953.* Untersuchung der Parteigründung und der schrittweisen Ausschaltung sozialdemokratischer Traditionen.

Bildnachweis

Titel: Admiralspalast zum Vereinigungsparteitag. Deutsche Fotothek, df_pk_0000172_018. CC-BY-SA 3.0.

Bundesarchiv, Bild 183-W0910-305 / CC-BY-SA 3.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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