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Priscus und Verus im Kolosseum

Priscus und Verus kämpfen so lange gegeneinander, dass die Zuschauer ihre Entlassung aus dem Kampf verlangen. Doch der Kaiser lässt sie weiterfechten. Erst als beide gleichzeitig aufgeben, erhalten beide den Siegespreis. Der Dichter Martial schildert diesen außergewöhnlichen Ausgang in seinem Buch über die Schauspiele. Gewöhnlich wird das Gedicht den Eröffnungsspielen des Kolosseums unter Titus im Jahr 80 n. Chr. zugeordnet. Im Text selbst heißt der Herrscher nur Caesar. Es erzählt auch davon, wer in der Arena entscheiden durfte.

Ein Wunsch des Publikums und eine Entscheidung des Kaisers

Martials Publikum fordert die missio: Die Kämpfer sollen diesen Kampf lebend beenden dürfen. Der Kaiser beharrt zunächst auf der angekündigten Bedingung, bis zum Aufgabezeichen zu kämpfen. Schließlich haben die Gegner einander so ebenbürtig gefochten, dass beide ausgezeichnet werden. Jeder erhält eine Palme als Siegeszeichen und ein hölzernes Schwert, die rudis, als Zeichen der Entlassung aus dem Gladiatorendienst. Diese Entlassung ist von der bloßen Verschonung nach einem einzelnen Kampf zu unterscheiden.

Martial lobt den Kaiser dafür, dass er die Regeln wahrt und dennoch eine besondere Belohnung ermöglicht. Der Jubel der Ränge bildet dabei die öffentliche Forderung, auf die der Kaiser reagieren kann. Die Entscheidung bleibt ihm vorbehalten. Das Gedicht macht aus dem langen, ebenbürtigen Zweikampf eine Geschichte kaiserlicher Großzügigkeit.

Das Gedicht konzentriert sich auf die Entscheidung des Kaisers und lässt Einzelheiten der Fechtbewegungen offen. Wo Verfilmungen eine Freundschaft und persönliche Herkunftsgeschichten erzählen, ergänzen sie Martials Bericht; auch die Bewaffnung der Gegner bleibt im Gedicht ungenannt.

Eine Niederlage musste nicht das Ende sein

Öllampe mit Abbildungen eines Kämpfers, der aufgibt

Die Möglichkeit, einen Kampf zu überleben, gehörte zur Gladiatur. Eine römische Öllampe aus Wehringen bei Augsburg zeigt einen knienden Gladiator: Sein Schild liegt am Boden, die erhobene Hand gibt das Aufgabezeichen.

Regeln und Verschonung machten den Kampf keineswegs ungefährlich. Wer unterlag, konnte getötet werden; auch eine im Duell erlittene Wunde konnte tödlich sein. Gerade die Verbindung von vorgeführtem Können und realer Todesgefahr verlieh dem Urteil Gewicht.

Martial beendet sein Gedicht mit dem Lob, unter diesem Kaiser hätten zwei gekämpft und beide gesiegt. Die bemerkenswerte Ausnahme sollte im Gedächtnis bleiben. Über die vielen Kämpfer, deren Auftritt keine solche Wendung nahm, schweigt das kurze Gedicht.


Zum Weiterlesen

Futrell, Alison (2008): The Roman Games. Historical Sources in Translation.*

Junkelmann, Marcus (2000): Das Spiel mit dem Tod. So kämpften Roms Gladiatoren.*

Bildnachweise

Titel: Kolosseum, 2023.

Alles eigene Aufnahmen.

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