Die Festungstore der Burg Böckelheim schlossen sich im Dezember 1105 hinter Heinrich IV., der sich unvermittelt als Gefangener seines eigenen Sohnes wiederfand. Nachdem Heinrich V. seinen Vater zuvor in Koblenz durch eine inszenierte Versöhnung zur Entlassung des kaiserlichen Heeres bewegt hatte, lockte er ihn unter dem Vorwand, ihn vor drohenden Gefahren in Mainz zu schützen, in die stark befestigte Anlage an der Nahe. Dort übernahm Bischof Gebhard von Speyer die Bewachung des getäuschten Monarchen und zwang ihn in die strikte Isolation. Dieser kalkulierte Verrat markierte den entscheidenden machtpolitischen Zugriff in einem dynastischen Konflikt, der das Reich bereits seit einem Jahr erschütterte.
Der Bruch des Treueids
Der Thronfolger hatte das Lager seines Vaters bereits ein Jahr zuvor, im Dezember 1104, während eines Aufenthalts in Fritzlar heimlich verlassen, weil er offenbar um seine zukünftige Herrschaftsbasis fürchtete. Ein anderer Bewerber, so warnten ihn seine Anhänger, könne ihm als Sohn eines gebannten Kaisers zuvorkommen. Um diese politische Gefahr abzuwenden, verbündete sich der Sohn mit den aufständischen bayerischen sowie sächsischen Großen und brach damit den feierlichen Treueid, den er noch bei seiner Krönung zum Mitkönig geschworen hatte. Papst Paschalis II. flankierte den Aufstand wenig später, indem er Heinrich V. um den Jahreswechsel 1104/1105 durch seinen Legaten Gebhard von Konstanz die Absolution zusicherte.
Die erzwungene Abdankung

Die harte Isolationshaft in Böckelheim brach schließlich den Willen des Monarchen, den Heinrich V. Ende Dezember 1105 unter strenger Bewachung nach Ingelheim bringen ließ. Konfrontiert mit einer feindseligen Versammlung oppositioneller Fürsten, verzichtete der erpresste Gefangene am Silvestertag auf die Herrschaft. Die ihm abgenötigten Reichsinsignien, darunter Krone und Heilige Lanze, wurden wenige Tage später in Mainz seinem Sohn überreicht. Dort wurde der bereits 1098/1099 zum Mitkönig erhobene Heinrich V. erneut gewählt und als alleiniger König bestätigt.
Der entmachtete Kaiser ergab sich jedoch nicht kampflos in sein Schicksal. Nachdem ihm Ende Januar oder Anfang Februar 1106 die Flucht aus dem Ingelheimer Gewahrsam gelungen war, schlug sich Heinrich IV. über Köln, wo ihn die Bürger loyal empfingen, nach Lüttich durch. Dort fand er Schutz bei Bischof Otbert. Von Niederlothringen aus formierte er umgehend neuen militärischen Widerstand gegen seinen Sohn, der bald darauf eine empfindliche Niederlage hinnehmen musste, als die Truppen des alten Kaisers das gegnerische Heer bei Visé an der Maas zurückschlugen.
Ein Sarg in der ungeweihten Kapelle
Eine plötzliche Erkrankung beendete diesen neu entflammten Bürgerkrieg abrupt, als Heinrich IV. am 7. August 1106 in Lüttich starb. Lütticher Geistliche bestatteten den Monarchen zunächst ehrenvoll im örtlichen Dom, mussten den Leichnam jedoch nach massiven kirchenpolitischen Protesten exhumieren und in ungeweihter Erde beisetzen. Wenig später ließ Heinrich V. seinen Vater nach Speyer überführen, wo der Sarg ab September 1106 fast fünf Jahre lang in einer ungeweihten Seitenkapelle des Doms ruhte. Der Tod des Vaters beseitigte die letzte Bedrohung für den jungen Salier, der nach seiner formalen Herrschaftsübernahme zunächst mit dem Reformpapsttum zusammenarbeitete, später jedoch selbst in Konflikt mit Rom geriet.
Zum Weiterlesen
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Laudage, J. (2024): Die Salier. Das erste deutsche Königshaus.*
Weinfurter, S. (2008): Das Jahrhundert der Salier 1024–1125: Kaiser oder Papst?*
Bildnachweis
Titel: Burg Böckelheim. Stich, 17. Jhdt.
Alle Bilder gemeinfrei.




