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Die Villa Rustica 59 im Hambacher Forst – Geschichte und Aufbau eines römischen Landguts

Wie sah ein römisches Landgut am Rand des Imperiums aus, fern vom mediterranen Klima und den Städten Italiens? Die Villa Rustica 59 im Hambacher Forst gibt darauf eine Antwort. Sie zeigt, wie sich Bauweise, Landwirtschaft und Alltagsorganisation an die Bedingungen in den nördlichen Provinzen anpassten.

Historischer und geografischer Hintergrund

Die Villa Rustica 59 lag in der Rheinischen Lössbörde, einer fruchtbaren Landschaft, die schon in der Jungsteinzeit besiedelt war. Im ersten Jahrhundert vor Christus annektierte Julius Caesar das Gebiet. Der germanische Stamm der Eburonen wurde besiegt, ihre Dörfer zerstört.

In den Jahren 39 bis 38 vor Christus siedelte Agrippa, Statthalter der Provinz, die mit Rom verbündeten Ubier am linken Rheinufer an. Unter Kaiser Augustus entstand eine gut ausgebaute Infrastruktur in Niedergermanien. Zwischen Mitte und Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus entstanden im Hambacher Forst erste Landgüter. Die größte Dichte erreichte die Besiedlung im zweiten und dritten Jahrhundert.

Mit den Einfällen germanischer Stämme und politischen Umbrüchen verlor das Gebiet an Bedeutung. Viele Höfe wurden aufgegeben oder umgenutzt. Auf der Villa Rustica 59 richtete man in dieser Zeit eine Glasverhüttung ein. 459 endete mit der Eroberung Kölns durch die Franken die römische Herrschaft im Rheinland.

Ausgrabungen und Erhaltungszustand

1985 begann die archäologische Untersuchung des Geländes. Oberirdisch war nichts mehr erhalten. Das Mauerwerk fehlte vollständig, die Oberfläche war erodiert. Nur Fundamentreste, dreißig bis vierzig Zentimeter tief, blieben im Boden.

Die Rekonstruktion ist daher nur durch Vergleiche mit besser erhaltenen Anlagen im Rheinland möglich. Dennoch lassen sich Grundriss, Ausdehnung und einige Funktionsbereiche nachvollziehen.

Größe und Anordnung

Ein Hypokaust war eine römische Fußboden und Wandheizung, bei der heiße Luft aus einem Feuerraum unter dem Boden zirkulierte und die Räume gleichmäßig erwärmte. Hier ein Beispiel aus der Constantin-Therme in Arles

Das bebaute Areal umfasste etwa eineinhalb Hektar. Im Norden lag das Haupthaus, acht Nebengebäude umrahmten den Hof. Die gesamte Wirtschaftsfläche wird auf vierzig bis fünfzig Hektar geschätzt.

Das Hauptgebäude entstand im ersten Jahrhundert und wurde mehrfach erweitert und modernisiert, unter anderem mit einem Bad und einer Hypokaustenheizung. Die Nutzung der meisten Räume ist nicht mehr sicher festzustellen. Nur das Bad, das vom Wohnbereich abgesetzt war, lässt sich eindeutig zuordnen.

Nebengebäude

Die acht Nebengebäude hatten unterschiedliche Bauweisen: drei Pfostenbauten, drei mit Fundamenten, zwei Mischformen.

Das westliche Nebengebäude I könnte ein Getreidespeicher gewesen sein. Dafür sprechen Mauervorsprünge, die besondere statische Anforderungen verraten. Das südwestliche Nebengebäude III gehörte vermutlich bereits zur späteren Glashütte.

Stallungen sind nicht eindeutig zuzuordnen. Die Flächen aller Gebäude hätten für mehrere Rinder ausgereicht. Schafe, Ziegen und Schweine wurden wohl meist im Freien gehalten und nur zeitweise eingestallt.

Brunnen, Gräber und Landschaft

Vier Brunnen befanden sich am Südflügel des Haupthauses. Insektenreste darin deuten auf eine offene Landschaft mit nur geringem Waldanteil. Funde von Aas- und Kompostkäfern weisen auf intensive Tierhaltung hin.

Die Gräber lagen, wie in der Region üblich, an den äußeren Grenzen des Grundstücks. Bestattungen innerhalb des Hofareals sind nicht nachgewiesen.

Organisation und Arbeitskräfte

Autoren wie Columella und Cato der Ältere schrieben Bücher über die Hofwirtschaft

Ein Landgut sollte möglichst autark sein. In Niedergermanien bedeutete das vor allem Getreideanbau, da Wein und Oliven klimatisch kaum gediehen.

Vermutlich lebten zwölf bis fünfzehn arbeitsfähige Erwachsene und fünf bis acht Kinder dauerhaft auf dem Hof. In der Erntezeit kamen acht bis zwölf Saisonkräfte hinzu. Über die Herkunft der Bewohner ist nichts Sicheres bekannt.

Antike Autoren wie Columella empfehlen, die Auswahl der Arbeitskräfte nach ihren Fähigkeiten zu treffen. Ein guter Verwalter sollte körperlich fit, erfahren und in der Lage sein, Aufgaben angemessen zu verteilen.

Ackerbau

Die Felder lieferten Gerste und Dinkel, auf benachbarten Höfen auch Emmer und Weizen. Die Römer brachten neue Geräte und Methoden mit, um die Erträge zu steigern.

Die Arbeit begann mit dem Pflügen, gefolgt von Säen, Eggen und Jäten. Geerntet wurde mit Sicheln oder Mähkämmen. Gedroschen wurde mit Stöcken, Dreschtafeln oder durch Tiere, die das Korn austraten.

Zentrales Arbeitsgerät war der von Ochsen gezogene Pflug, in unterschiedlichen Bauformen für verschiedene Böden. Saatgut wurde aus der besten Vorjahresernte gewonnen, oft durch Aussieben der schwersten Körner.

Viehwirtschaft

Tierknochen aus den Ausgrabungen belegen die Haltung von Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Hühner und Pferde.

Rinder dienten sowohl als Fleischlieferanten als auch als Zugtiere. Neben kleinen einheimischen Rassen hielt man größere Arbeitsochsen. Schweine ernährten sich von Hofabfällen und Eicheln. Längere Mastzeiten führten zu höherem Schlachtgewicht.

Schafe und Ziegen benötigten Betreuung, besonders während der Geburt. Hühner wurden in Ställen mit Auslauf gehalten, über die Größe der Bestände gibt es keine sicheren Angaben.

Waldwirtschaft

Hambacher Forst

In der Umgebung dominierten offene Flächen, Wald gab es nur noch in Restbeständen. Eichenholz wurde ganzjährig geschlagen. Der Wald bot Weideflächen für Schweine und lieferte Eicheln und Wildfrüchte.

Gartenwirtschaft

In den Gärten wuchsen Erbsen, Linsen, Saatwicken, Feldsalat, Portulak und möglicherweise Möhren. Korianderfunde weisen auf einen Kräutergarten hin. Obstkerne und Pollen belegen Kirsch- und Walnussbäume.

Die Pflege umfasste Düngen, Jäten und Bewässern. Obstbäume wurden teils durch Ableger vermehrt. Fallobst konnte an das Vieh verfüttert werden.

Hauswirtschaft

Die Hauswirtschaft koordinierte Vorräte, Werkzeuge und Kleidung, hielt das Haus sauber und organisierte die Verarbeitung von Lebensmitteln.

Kräuter wurden eingemacht, Obst gedörrt, Käse hergestellt. Auch die Schur der Schafe fiel in diesen Bereich. Antike Ratgeber gaben detaillierte Hinweise – bis hin zur Schädlingsabwehr bei gelagerter Kleidung.

Schlussgedanke

Die Villa Rustica neunundfünfzig war eine vielschichtige Wirtschaftseinheit. Feldarbeit, Tierhaltung, Verarbeitung und Verwaltung griffen eng ineinander. Der Befund zeigt, wie römische Landwirtschaft im Norden funktionierte, angepasst an Klima, Böden und verfügbare Ressourcen, und wie stark das tägliche Leben von der Organisation des gesamten Hofes geprägt war.


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Eck, W. (2004): Köln in römischer Zeit. Geschichte einer Stadt im Zentrum des Imperiums.*

Fischer, T. (2013): Das römische Köln. Ein Stadtführer.*

Bildnachweis

Titel: Hambacher Fost Kohleabbau. Wikimedia Commons, Dinock90. CC BY-SA 4.0.

Hambacher Forst: Wikimedia Commons, Lüllwitz. CC BY-SA 4.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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