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Eine Insel voller Seeräuber – Gotland 1398

Im März 1398 füllt sich der Hafen von Danzig mit Kriegsschiffen. Der Deutsche Orden hat 84 Fahrzeuge zusammengezogen, die etwa 4000 Bewaffnete nach Gotland bringen sollen. Auch Pferde und Belagerungsgerät kommen an Bord.

Auf der Insel liegen die wichtigsten Stützpunkte der Vitalienbrüder. Von dort überfallen sie Handelsschiffe auf den Routen zwischen dem westlichen und dem östlichen Ostseeraum.

Versorger einer belagerten Stadt

Ihren Ursprung haben die Vitalienbrüder als angeworbene Seekrieger. Im Jahr 1389 besiegt die dänische Königin Margarete ihren Gegner Albrecht von Mecklenburg und nimmt ihn gefangen. Stockholm hält weiterhin zu Albrecht und wird belagert.

Mecklenburgische Herzöge erlauben privaten Schiffern, die Blockade zu durchbrechen und Lebensmittel in die Stadt zu bringen. Von diesen „Vitalien“ leitet sich der Name der Kämpfer ab. Als Gegenleistung dürfen sie Schiffe der feindlichen Seite angreifen und einen Teil der Beute behalten.

Solche Kaperfahrer handeln mit Zustimmung eines Kriegsherrn. Mit einem entsprechenden Auftrag können sie feindliche Ladungen beschlagnahmen und verkaufen. Für die betroffenen Kaufleute unterscheidet sich der Überfall kaum von gewöhnlichem Seeraub.

Nach dem Friedensschluss von 1395 verlieren viele Vitalienbrüder ihren bisherigen Auftrag. Ihre Schiffe und Mannschaften bleiben jedoch bestehen. Einige suchen neue Herren, andere überfallen auf eigene Rechnung jeden Kauffahrer, dessen Ladung Gewinn verspricht.

Gotland wird zum Stützpunkt

Zeitgenössische Darstellung der Vitalienbröder, 1405

Gotland liegt mitten in der Ostsee. Von der Insel aus lassen sich die Routen nach Livland und in die preußischen Häfen ebenso erreichen wie die Fahrt nach Schweden. Visby besitzt einen geschützten Hafen und Speicher für erbeutete Waren.

Die Herrschaft über die Insel ist umstritten. Mecklenburgische und dänische Befehlshaber kämpfen um Burgen und Landesteile. Beide Seiten greifen zeitweise auf Kaperfahrer zurück. Im Jahr 1394 besetzen mecklenburgische Truppen mit Unterstützung der Vitalienbrüder wichtige Plätze auf Gotland.

Nach weiteren Kämpfen übernimmt der mecklenburgische Herzog Erich die Insel. Als er 1397 stirbt, gewinnt sein Hauptmann Sven Sture die entscheidende Stellung. Unter ihm können Seeräuber Gotland als Winterquartier nutzen, wenn sie einen Teil ihrer Beute abgeben.

Für die Kaufleute der Hansestädte wächst damit das Risiko jeder Ostseefahrt. Von Gotland aus können die Kaperfahrer Schiffe aus Livland auf dem Weg nach Westen ebenso erreichen wie preußische Kaufleute auf der Fahrt nach Schweden. Eine verlorene Ladung trifft Händler, Gläubiger und die Besatzung zugleich.

Der Deutsche Orden greift ein

Der Hochmeister Konrad von Jungingen beschließt Anfang 1398, die Insel militärisch zu besetzen. Die preußischen Städte unterstützen den Feldzug, weil ihre Schiffe besonders unter den Überfällen leiden. Zugleich verschafft Gotland dem Orden Einfluss auf die Handelswege der Ostsee.

Die Flotte landet im März an der Westküste. Sven Sture zieht sich mit seinen Männern in Richtung Visby zurück. Gegen das große Aufgebot des Ordens kann er die Insel kaum halten, und die Einwohner der Stadt zeigen wenig Bereitschaft, für die Kaperfahrer zu kämpfen.

Schnee und schlechtes Wetter erschweren den Vormarsch. Statt einer langen Belagerung beginnen Verhandlungen. Am 5. April wird die Übergabe Gotlands vereinbart. Die mecklenburgischen Truppen und ihre Verbündeten dürfen abziehen, während der Deutsche Orden die Insel übernimmt.

Ordensleute besetzen die wichtigen Plätze und lassen mehrere Befestigungen der Seeräuber schleifen. Damit verlieren die Vitalienbrüder ihre sicheren Häfen und einen Ort, an dem sie Beute lagern oder beschädigte Schiffe ausbessern konnten.

Sven Sture und die Störtebeker-Legende

Der belegte Befehlshaber der Vitalienbrüder auf Gotland ist Sven Sture. Die spätere Überlieferung rückt dagegen Klaus Störtebeker in den Mittelpunkt. Sie macht ihn zum Anführer der Seeräuber und verbindet ihn mit Visby.

Seine genaue Rolle auf der Insel lässt sich aus den zeitgenössischen Quellen kaum bestimmen. Viele bekannte Geschichten entstehen erst erheblich später. Dazu gehören die Erzählungen vom gerechten Teilen der Beute und von Störtebekers Gang nach seiner Enthauptung.

Nach dem Verlust Gotlands weichen zahlreiche Kaperfahrer nach Westen aus. Einige finden bei ostfriesischen Häuptlingen neue Stützpunkte und setzen ihre Überfälle in der Nordsee fort.


Stadtmauer von Visby aus dem 13. und 14. Jahrhundert

Zum Weiterlesen

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Hammel-Kiesow, R. (2025): Die Hanse.*

Wubs-Mrozewicz, J.; Jenks, S. (Hrsg.) (2013): The Hanse in Medieval and Early Modern Europe.*

Bildnachweis

Titel: Flugblatt von 1701 zum 300. Jahrestag der Hinrichtung der Vitalienbrüder Gödeke Michels und Klaus Störtebekers auf dem Hamburger Grasbook 1401. Hamburger Stadtarchiv.

Stadtmauer Visby: Wikimedia Commons, En-cas-de-soleil. CC BY-SA 3.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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