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Krise und Durchbruch – Die NSDAP 1928–1930

Serie: Hitler, Folge 6

Im Jahr 1928 bleibt die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei politisch unbedeutend. Bei der Reichstagswahl im Mai erhält sie 2,6 Prozent der Stimmen. Zwölf Abgeordnete ziehen ins Parlament ein. Die Partei verfügt nun über eine kleine Vertretung und tritt öffentlich kaum hervor.

Diese Lage ändert sich rasch.

Partei (Wahl Mai 1928) Stimmen % Sitze +/-
SPD29,8 %153+22
DNVP14,3 %73-30
Zentrum12,1 %61-8
KPD10,6 %54+9
NSDAP 2,6 % 12 -2
Sonstige30,6 %138

Das Ende der Stabilisierung

Seit Mitte der zwanziger Jahre hatte sich die wirtschaftliche Situation im Deutschen Reich spürbar verbessert. Internationale Kredite, vor allem aus den Vereinigten Staaten, stützen Industrie und Staatshaushalt. Arbeitslosigkeit geht zeitweise zurück.

Im Herbst 1929 bricht diese Entwicklung ab. Der Zusammenbruch der New Yorker Börse löst eine weltweite Wirtschaftskrise aus. Kredite werden zurückgezogen, Unternehmen geraten unter Druck, Banken verlieren an Stabilität. Die Arbeitslosenzahlen steigen stark an. Innerhalb kurzer Zeit verlieren Millionen Menschen ihre Arbeit.

Politische Folgen der Wirtschaftskrise

Die wirtschaftliche Erschütterung trifft auch die staatlichen Institutionen. Im März 1930 zerbricht die Große Koalition unter Reichskanzler Hermann Müller am Streit über die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung. Damit endet die letzte Regierung, die auf einer tragfähigen parlamentarischen Mehrheit beruhte.

Zum neuen Reichskanzler wird Heinrich Brüning ernannt. Seine Regierung regiert fortan mithilfe von Notverordnungen des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Das Parlament verliert weiter an Einfluss, das Vertrauen in die parlamentarische Demokratie nimmt ab.

In dieser Situation gewinnen radikale Parteien an Zulauf. Kommunisten und Deutschnationale verzeichnen ebenfalls Stimmengewinne. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei kann sich jedoch besonders stark ausbreiten. Ihre seit Mitte der zwanziger Jahre aufgebauten regionalen Gliederungen ermöglichen es, neue Anhänger rasch aufzunehmen und dauerhaft zu organisieren. Adolf Hitler steht dabei als zentrale Person im Mittelpunkt.

Massenmobilisierung

Zwischen 1929 und 1930 steigt die Zahl der Parteimitglieder deutlich an. Wahlveranstaltungen und Aufmärsche nehmen zu. Die Bewegung spricht gezielt Arbeitslose, kleinere Gewerbetreibende und junge Wähler an. Wirtschaftliche Sorgen werden aufgegriffen und in ein politisches Gesamtbild eingeordnet, das nationale Erneuerung und autoritäre Führung verspricht.

Adolf Hitler tritt nun als landesweit präsenter Parteiführer auf. Innovative Logistik und der gezielte Einsatz moderner Kommunikationsmittel verstärken den Eindruck von Dynamik.

Die Reichstagswahl 1930

Bei der Reichstagswahl im September 1930 erzielt die NSDAP 18,3 Prozent der Stimmen. Sie wird zur zweitstärksten Fraktion. Der Stimmenzuwachs verändert das Kräfteverhältnis erheblich. Aus einer kleinen Oppositionsgruppe ist innerhalb von zwei Jahren eine Massenpartei geworden.

Der Erfolg beruht auf innerer Vorbereitung und äußerer Krise. Viele Wähler reagieren auf Arbeitslosigkeit, politische Unsicherheit und das Gefühl mangelnder Orientierung.

Partei (Wahl Sept. 1930) Stimmen % +/- %-Pkt. Sitze +/- Sitze
SPD24,5 %-5,3143-10
NSDAP 18,3 % +15,7 107 +95
KPD13,1 %+2,577+23
Zentrum11,8 %-0,368+7
DNVP7,0 %-7,341-32
Sonstige25,3 %141

Eine neue politische Lage

Mit dem Wahlergebnis von 1930 beginnt eine neue Phase. Die NSDAP ist nun ein gewichtiger Akteur im Parlament. Zugleich verschärfen sich die politischen Spannungen. Mehrheiten werden schwieriger zu bilden, Straßengewalt nimmt zu.

Die Jahre 1929 und 1930 markieren damit den Übergang von einer Randbewegung zu einer Kraft, die die parlamentarische Demokratie ernsthaft herausfordert. Der Durchbruch ist erreicht, die Macht jedoch noch nicht gewonnen.


Der Einzug der Nationalsozialisten in den Reichstag in Berlin, 1930

Zum Weiterlesen

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Bildnachweis

Titel: Reichtagswahl 1930. Bundesarchiv, Bild 102-10313. CC-BY-SA 3.0.

Eröffnung des Reichtags: Bundesarchiv, Bild 102-10549. CC-BY-SA 3.0.

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