Startseite » Zwei Päpste und ein Kaiser – Barbarossas Kampf gegen Alexander III.

Zwei Päpste und ein Kaiser – Barbarossas Kampf gegen Alexander III.

Anfang August 1167 schien Friedrich Barbarossa sein Ziel erreicht zu haben. Seine Truppen beherrschten den befestigten Bezirk um die Peterskirche. Papst Alexander III. war aus Rom geflohen, während der kaisertreue Paschalis III. in Sankt Peter eingezogen war. Dort setzte er Barbarossas Gemahlin Beatrix die Kaiserinnenkrone auf.

Wenige Tage später brach im Heer eine Seuche aus.

Fieber und schwere Darmerkrankungen erfassten das Lager. Bischöfe und Fürsten starben innerhalb kurzer Zeit. Unter ihnen befand sich Rainald von Dassel, der Erzbischof von Köln und einflussreichste Berater des Kaisers. Auch Friedrich von Rothenburg, der junge Herzog von Schwaben, erlag der Krankheit.

Barbarossa musste Rom verlassen. Das Heer, mit dem er Alexander vertreiben wollte, zerfiel auf dem Rückzug. Die Katastrophe rettete den Papst und gab den lombardischen Städten Zeit, sich gegen den Kaiser zusammenzuschließen.

Begonnen hatte der Konflikt acht Jahre zuvor mit der Wahl zweier Päpste.

Ein Papstmantel für zwei Kandidaten

Papst Hadrian IV. starb am 1. September 1159 in Anagni. Sein Verhältnis zu Barbarossa war zuletzt von wachsendem Misstrauen geprägt gewesen. Der Streit betraf päpstliche Besitzungen in Italien, Barbarossas Eingriffe in Rom und die Frage, wer über Konflikte zwischen Kaiser und Papst urteilen durfte.

Die Kardinäle waren gespalten. Die Mehrheit unterstützte den bisherigen päpstlichen Kanzler Roland Bandinelli. Er nahm den Namen Alexander III. an. Eine kleinere Gruppe erhob Kardinal Octavian von Monticelli zum Papst Viktor IV.

Anhänger Alexanders berichteten später von einem Handgemenge. Octavian habe versucht, Roland den päpstlichen Mantel zu entreißen, und sich das Gewand schließlich selbst umgelegt. Weil es dabei verkehrt herum geraten sei, habe er den Kopf durch eine falsche Öffnung gesteckt. Bewaffnete Gefolgsleute hätten ihn anschließend aus der Kirche geführt.

Die Schilderung sollte Viktor als gewaltsamen Eindringling lächerlich machen. Ihr genauer Ablauf lässt sich nicht überprüfen. Sicher ist, dass beide Männer geweiht wurden und sich für den rechtmäßigen Nachfolger Petri hielten.

Der Streit konnte nur enden, wenn einer der beiden aufgab oder die maßgeblichen Bischöfe und Herrscher Europas dem anderen die Anerkennung verweigerten. Barbarossa wollte die Entscheidung durch eine Kirchenversammlung herbeiführen.

Er lud beide Päpste nach Pavia ein.

Das Urteil von Pavia

Alexander III. lehnte die Einladung ab. Ein rechtmäßig gewählter Papst konnte sich aus seiner Sicht keinem vom Kaiser einberufenen Gericht unterwerfen. Schon die Teilnahme hätte den Eindruck erweckt, seine Wahl müsse erst geprüft werden.

Viktor IV. erschien dagegen in Pavia. Im Februar 1160 versammelten sich dort vor allem Bischöfe aus Gebieten, in denen Barbarossa großen Einfluss besaß. Geistliche aus Frankreich und England fehlten weitgehend.

Die Teilnehmer erkannten Viktor als Papst an. Barbarossa warf sich vor ihm nieder, küsste seine Füße und hielt ihm beim Aufsteigen den Steigbügel. Mit diesen Gesten behandelte er Viktor öffentlich als Nachfolger des heiligen Petrus.

Alexander reagierte mit dem Kirchenbann gegen Viktor und den Kaiser. Beide Päpste schickten daraufhin Gesandte durch Europa. Viktor fand seine stärkste Unterstützung im Reich, während die Könige von Frankreich und England Alexander anerkannten. Auch zahlreiche italienische Bischöfe stellten sich auf seine Seite.

Das Konzil von Pavia hatte den Streit damit nicht beendet. Es hatte die Spaltung vertieft.

Der Papstkonflikt verband sich nun mit Barbarossas Krieg gegen die lombardischen Städte. Mailand unterstützte Alexander. Nach der Unterwerfung der Stadt im März 1162 verließ der Papst Italien und suchte Schutz in Frankreich.

Barbarossa hatte in der Lombardei militärisch gesiegt. Außerhalb des Reiches konnte er seinen Papst dennoch kaum durchsetzen.

Der Kaiser bindet sich durch einen Eid

Viktor IV. starb am 20. April 1164 in Lucca. Sein Tod eröffnete die Möglichkeit, das Schisma zu beenden. Barbarossa hätte Alexander anerkennen können, ohne einen noch lebenden Gegenpapst fallen zu lassen.

Rainald von Dassel verhinderte diesen Ausweg. Bereits zwei Tage später sorgte der Kölner Erzbischof dafür, dass Guido von Crema zum neuen Papst erhoben wurde. Er nannte sich Paschalis III.

Alexander III. verabschiedet sich von Thomas Becket, 13. Jhdt.

Rainald handelte, ohne zuvor eine ausdrückliche Anweisung des Kaisers einzuholen. Er konnte jedoch davon ausgehen, Barbarossas Haltung zu kennen. Eine Anerkennung Alexanders hätte das Urteil von Pavia entwertet. Sie hätte außerdem den Eindruck erweckt, der Kaiser beuge sich einem Mann, den er seit Jahren bekämpfte.

Im Mai 1165 versammelte Barbarossa weltliche und geistliche Fürsten in Würzburg. Rainald berichtete dort von seinen Verhandlungen am englischen Königshof und stellte Alexander als gemeinsamen Gegner des Reiches und Englands dar.

Der Erzbischof von Köln schwor als Erster, Alexander niemals anzuerkennen. Barbarossa folgte ihm. Zahlreiche Fürsten schlossen sich an, einige allerdings nur unter Vorbehalt. Mit dem Eid banden sie ihre persönliche Glaubwürdigkeit und ihr Seelenheil an Paschalis.

Ein späterer Ausgleich wurde dadurch erheblich schwieriger. Wer Alexander nun doch anerkannte, brach einen feierlich geleisteten Schwur.

Alexander kehrte noch 1165 nach Rom zurück. Der normannische König Wilhelm I. von Sizilien unterstützte ihn. Auch der byzantinische Kaiser Manuel I. suchte seine Nähe. Barbarossa stand damit einem Papst gegenüber, der außerhalb des Reiches breiten Rückhalt besaß und sich mit den Gegnern des Kaisers in Italien verbinden konnte.

Friedrich bereitete einen neuen Romzug vor.

Der Sieg vor Rom

Im Herbst 1166 überschritt Barbarossa erneut die Alpen. Rainald von Dassel und Christian von Buch, der Erzbischof von Mainz, zogen mit eigenen Truppen nach Mittelitalien voraus.

Am 29. Mai 1167 trafen sie bei Tusculum auf ein zahlenmäßig überlegenes Heer der römischen Kommune. Die kaiserlichen Kämpfer schlugen die Römer vernichtend. Der Sieg öffnete Barbarossa den Weg zur Stadt.

Alexander III. hatte sich in die befestigten Häuser der Familie Frangipani beim Kolosseum zurückgezogen. Ende Juli griffen kaiserliche Truppen den von den Römern verteidigten Bezirk um die Peterskirche an. Bei den Kämpfen gerieten Teile der Vorhalle von Sankt Peter in Brand, bevor die Angreifer schließlich in den Petersbezirk eindrangen.

Alexander verließ unterdessen Rom in Pilgerkleidung. Über Terracina und Gaeta gelangte er nach Benevent, das zum normannischen Königreich Sizilien gehörte. Paschalis III. nahm die Peterskirche in Besitz und krönte Beatrix am 1. August zur Kaiserin.

Barbarossa hatte Rom militärisch bezwungen und seinen Papst in Sankt Peter eingesetzt. Für wenige Tage schien der lange Kampf entschieden.

Dann breitete sich die Krankheit im Heer aus.

Die zeitgenössischen Berichte nennen hohes Fieber und einen schnellen Tod. Eine sichere moderne Diagnose ist nicht möglich. Wahrscheinlich verschärften Sommerhitze, verunreinigtes Wasser und die schlechten Bedingungen im Lager die Epidemie.

Mit Rainald von Dassel verlor Barbarossa den Mann, der seine Italienpolitik und den Kampf gegen Alexander maßgeblich geprägt hatte. Auch zahlreiche Bischöfe und weltliche Große starben. Das Heer musste überstürzt nach Norden ziehen.

Der Rückweg wurde zum Überlebenskampf. Städte verweigerten den Durchzug, Straßen waren gesperrt und Vorräte schwer zu beschaffen. Barbarossa erreichte zwar Pavia, konnte sich dort aber nicht dauerhaft halten. Einem späteren Bericht zufolge entkam er aus Susa als Pferdeknecht verkleidet. Im Frühjahr 1168 überschritt er mit wenigen Begleitern die Alpen.

Während der Kaiser in Rom gekämpft hatte, war seine Herrschaft in der Lombardei zusammengebrochen.

Mailand kehrt zurück

Barbarossa, um 1189

Barbarossas Amtsträger hatten in den unterworfenen Städten Abgaben eingezogen und Geiseln festgehalten. Selbst frühere Verbündete empfanden ihr Vorgehen zunehmend als drückend. Cremona, das 1162 noch an der Zerstörung Mailands mitgewirkt hatte, wandte sich nun gegen den Kaiser.

Bereits 1164 hatten sich Verona, Padua und Vicenza zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Im März 1167 folgte ein weiterer Bund, dem unter anderem Cremona, Bergamo und Brescia beitraten.

Am 27. April führten die Verbündeten die vertriebenen Mailänder in ihre Stadt zurück. Gemeinsam begannen sie, Häuser und Mauern wiederaufzubauen. Noch im selben Jahr schlossen sich die verschiedenen Bündnisse enger zusammen. Der Lombardenbund verpflichtete seine Mitglieder zur gegenseitigen Hilfe und untersagte ihnen, einzelne Abkommen mit dem Kaiser zu schließen.

Die beteiligten Städte waren oft alte Rivalen. Cremona und Mailand hatten einander über Jahrzehnte bekämpft. Viele Gemeinden stritten um Handelswege oder benachbarte Gebiete. Nun überwog jedoch die Furcht, einzeln den kaiserlichen Amtsträgern ausgeliefert zu sein.

Im Frühjahr 1168 nahmen die Verbündeten eine neue Siedlung zwischen Asti und Tortona unter ihren Schutz. Sie erhielt zu Ehren Alexanders III. den Namen Alessandria.

Der Name war eine offene Herausforderung. Eine Stadt im Norden Italiens erklärte ausgerechnet jenen Papst zu ihrem Schutzpatron, dessen Anerkennung Barbarossa durch einen Eid ausgeschlossen hatte.

Paschalis III. starb noch im selben Jahr. Seine Anhänger erhoben Calixtus III. zum nächsten Gegenpapst. Außerhalb des kaiserlichen Umfeldes besaß er kaum Rückhalt.

Barbarossa blieb zunächst nördlich der Alpen. Erst sechs Jahre später kehrte er mit einem neuen Heer zurück.

Der Kaiser vor Alessandria

Im Oktober 1174 begann Barbarossa mit der Belagerung Alessandrias. Seine Anhänger verspotteten den Ort als Strohstadt, weil zahlreiche Dächer aus einfachem Material bestanden. Hinter Erdwällen und breiten Gräben waren die Bewohner jedoch besser geschützt, als der Spottname vermuten ließ.

Herbstregen verwandelte das Gelände vor den Befestigungen in Schlamm. Die Angreifer bauten Belagerungsmaschinen und versuchten, Stollen unter die Wälle zu treiben. Alessandria hielt stand.

In der Osternacht des Jahres 1175 unternahmen Barbarossas Truppen einen letzten Angriff. Auch dieser Versuch scheiterte. Gleichzeitig näherte sich ein Heer des Lombardenbundes. Der Kaiser brach die Belagerung ab und zog den Städten entgegen.

Bei Montebello standen sich beide Seiten mehrere Tage gegenüber. Vier Fahnenwagen der verbündeten Städte waren vom kaiserlichen Lager aus zu erkennen. Keine Seite wollte das Risiko einer großen Schlacht eingehen.

Unterhändler begannen zu verhandeln. Zwei Anführer des Bundes warfen sich mit Schwertern über dem Nacken vor Barbarossa nieder. Der Kaiser hob sie auf und gab ihnen den Friedenskuss. Das Ritual gestattete beiden Seiten, die Verhandlungen als Erfolg darzustellen: Barbarossa hatte eine Unterwerfung empfangen, der Bund war als Verhandlungspartner behandelt worden.

Der Ausgleich scheiterte dennoch. Der Kaiser verlangte, dass Alessandria aufgegeben werde. Die Städte wollten eine Siedlung, die mit ihrer gemeinsamen Hilfe entstanden war, nicht preisgeben. Auch in der Frage des rechtmäßigen Papstes bewegte sich keine Seite.

Barbarossa wartete nun auf Verstärkungen aus Deutschland. Besonders wichtig war Heinrich der Löwe. Der Herzog von Sachsen und Bayern hatte frühere Italienzüge unterstützt, lehnte diesmal jedoch ein größeres Aufgebot ab.

Eine spätere Erzählung berichtet, der Kaiser habe sich bei einem Treffen in Chiavenna vor Heinrich auf die Knie geworfen. Der Herzog habe seine Hilfe trotzdem verweigert. Ob dieser Kniefall tatsächlich stattfand, bleibt offen. Sicher ist, dass Heinrich 1176 keine Truppen nach Italien führte.

Andere Fürsten brachten dem Kaiser neue Kämpfer. Das Heer blieb jedoch kleiner als erhofft.

Der Kaiser verschwindet bei Legnano

Im Mai 1176 wollte Barbarossa seine Verstärkungen nach Pavia führen. Reiter des Lombardenbundes versuchten, ihm den Weg abzuschneiden. Aus dem Zusammenstoß der Vorhuten entwickelte sich am 29. Mai bei Legnano eine große Schlacht.

Die kaiserliche Reiterei drängte ihre Gegner zunächst zurück. Anschließend griff sie die Fußkämpfer an, die sich um den Mailänder Fahnenwagen versammelt hatten. Der Carroccio bildete den sichtbaren Mittelpunkt des städtischen Heeres.

Die Männer am Wagen hielten den Angriffen stand. Geflohene Reiter des Bundes sammelten sich und kehrten auf das Feld zurück. Nun gerieten Barbarossas Truppen unter wachsenden Druck.

Der Kaiser kämpfte mitten im Gedränge. Sein Pferd wurde getötet, Friedrich verschwand zwischen den Kämpfenden. Im kaiserlichen Lager glaubten viele, er sei gefallen. Erst später erreichte er Pavia.

Das Reichsheer war geschlagen und das kaiserliche Banner verloren. Barbarossas Stellung in Italien brach damit nicht vollständig zusammen. Pavia und weitere Städte hielten weiterhin zu ihm. Legnano zeigte jedoch, dass sich der Lombardenbund mit militärischer Gewalt kaum zerschlagen ließ.

Ein weiterer Umstand drängte den Kaiser zum Einlenken. Im September 1176 erkrankte er schwer. Auf dem Krankenlager soll er versprochen haben, sich in der Kirchenfrage dem Rat Erzbischof Wichmanns von Magdeburg anzuvertrauen. Wichmann nahm Verbindung zu Alexander III. auf.

Im November einigten sich Gesandte in Anagni auf die Grundlagen eines Friedens. Barbarossa sollte Alexander als Papst anerkennen. Alexander war bereit, den Kaiser vom Bann zu lösen und ihm den Bruch des Würzburger Eides zu vergeben.

Die öffentliche Begegnung musste jedoch so gestaltet werden, dass keine Seite ihr Gesicht verlor.

Schlacht von Legnano, Gemälde von 1870

Der Fußfall von Venedig

Venedig wurde zum Ort der Versöhnung bestimmt. Alexander III. traf im Frühjahr 1177 in der Lagunenstadt ein. Barbarossa wartete zunächst in Chioggia, während Gesandte über die Einzelheiten verhandelten.

Der Kaiser wollte einen umfassenden Frieden. Die Vertreter des Lombardenbundes bestanden jedoch auf ihren städtischen Rechten und auf dem Fortbestand Alessandrias. Sie waren nur zu einem befristeten Waffenstillstand bereit.

Barbarossa reagierte wütend. Wenn er Alexander nach fast zwei Jahrzehnten als Papst anerkannte, wollte er wenigstens die Unterwerfung der Städte vorweisen können. Ein bloßer Waffenstillstand ließ diesen Ausgleich nicht zu.

Wichmann von Magdeburg und Christian von Mainz drängten ihn zum Einlenken. Beide hatten Alexander bereits eidlich zugesagt, den Frieden herbeizuführen. Schließlich akzeptierte Barbarossa die Vereinbarung.

Alexander ließ den Kaiser noch vor ihrer öffentlichen Begegnung vom Bann lösen. Friedrich sollte auf dem Markusplatz als rechtgläubiger Herrscher erscheinen, nicht als Ausgestoßener, der um Wiederaufnahme bat.

Am 24. Juli 1177 fuhr Barbarossa nach Venedig. Vor der Markuskirche legte er seinen roten Kaisermantel ab, sank vor Alexander zu Boden und küsste dessen Füße. Der Papst hob ihn auf und gab ihm den Friedenskuss.

Beide Seiten konnten die Szene unterschiedlich verstehen. Für Alexanders Anhänger hatte sich der Kaiser dem rechtmäßigen Papst unterworfen. Barbarossas Gefolge konnte den Fußkuss als übliche Ehrung des Nachfolgers Petri deuten. Gerade diese Mehrdeutigkeit machte das Ritual annehmbar.

Spätere Berichte schmückten den Vorgang aus. Alexander habe Barbarossa den Fuß in den Nacken gesetzt und dabei einen Psalmvers gesprochen. Zeitnahe Zeugnisse bestätigen diese Demütigung nicht.

Der Kaiser erkannte Alexander III. an. Mit dem normannischen Königreich Sizilien vereinbarte er einen fünfzehnjährigen Frieden. Der Lombardenbund erhielt einen sechsjährigen Waffenstillstand. Über die Rechte der Städte sollte weiterverhandelt werden.

Der Frieden von Konstanz

Der Gegenpapst Calixtus III. hielt nach dem Frieden von Venedig zunächst an seinem Anspruch fest. Am 29. August 1178 unterwarf er sich Alexander III. in Tusculum und verzichtete auf das Papstamt. Alexander nahm ihn wieder in die Kirche auf und übertrug ihm später die Verwaltung von Benevent. Damit war auch dieser letzte Strang des Schismas beendet.

Alexander III. starb 1181. Der Ausgleich von Venedig überdauerte ihn. Barbarossa versuchte nicht mehr, einen neuen Gegenpapst einzusetzen.

Auch mit den lombardischen Städten näherten sich die Verhandlungsführer schrittweise einer Einigung. Im Juni 1183 erschienen ihre Gesandten vor dem kaiserlichen Hof in Konstanz.

Der Kaiser erkannte den Lombardenbund an. Die Städte durften ihre Konsuln wählen und zahlreiche bisher umstrittene Rechte weiterhin ausüben. Sie behielten ihre Befestigungen und konnten Streitfälle untereinander regeln. Im Gegenzug empfingen die Konsuln ihre Ämter förmlich vom Kaiser, die Städte leisteten Treueide und entrichteten vereinbarte Zahlungen.

Für Alessandria fand man einen bezeichnenden Ausweg. Die Stadt sollte dem Namen nach neu gegründet werden und fortan Caesarea heißen. So konnte Barbarossa behaupten, die gegen ihn gegründete Stadt habe aufgehört zu bestehen. Die Einwohner blieben an Ort und Stelle. Im alltäglichen Gebrauch setzte sich der neue Name ohnehin nicht dauerhaft durch.

Der Frieden von Konstanz nahm wesentliche Forderungen von Roncaglia zurück. Barbarossa blieb anerkannter Herrscher, musste aber hinnehmen, dass die Städte ihre Rechte gemeinsam verteidigten und ihre inneren Angelegenheiten weitgehend selbst regelten.

Der Kaiser hatte Alexander III. nicht verdrängen und den Lombardenbund nicht zerschlagen können. Die Rituale von Venedig und Konstanz hatten dennoch Kompromisse ermöglicht, ohne eine Seite zur vollständigen Kapitulation zu zwingen.


Zum Weiterlesen

Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.

Görich, K. (2019): Die Staufer. Herrscher und Reich.* Überblick über den Aufstieg der frühen Staufer und ihre Königs- und Kaiserherrschaft.

Althoff, G. (2003): Die Macht der Rituale. Symbolik und Herrschaft im Mittelalter.* Grundlegende Untersuchung zur politischen Bedeutung öffentlicher Gesten und ausgehandelter Rituale.

Görich, K. (2022): Friedrich Barbarossa.* Eine Biographie.

Bildnachweis

Titel: Friedrich Barbarossa unterwirft sich der Autorität von Papst Alexander III. Fresko in Sienna, 1407/08.

Cappenberger Kopf: Wikimedia Commons, Rainer Halama. CC BY-SA 4.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

Schreibe einen Kommentar