Startseite » Paris im Juli 1789 – Der Sturm der Bastille

Paris im Juli 1789 – Der Sturm der Bastille

Im Palais-Royal springt Camille Desmoulins auf einen Tisch. Es ist der 12. Juli 1789. Vor ihm drängt sich eine unruhige Menge. Die Nachricht von der Entlassung Jacques Neckers hat sich in Paris in wenigen Stunden verbreitet. Desmoulins ruft dazu auf, Waffen zu ergreifen und sich gegen ein mögliches Vorgehen des Hofes zu verteidigen. Seine Worte fallen in eine Stadt, die seit Tagen auf Gerüchte über Truppenbewegungen reagiert. Viele Pariser rechnen mit einem Eingriff gegen die Nationalversammlung und gegen die Hauptstadt selbst.

Necker und die wachsende Unruhe

Jacques Necker ist in der Öffentlichkeit weit mehr als ein Minister für Finanzen. Viele verbinden mit ihm die Hoffnung, dass der König an Zugeständnissen festhält und die Versammlung in Versailles nicht gewaltsam auseinanderjagt. Als Ludwig XVI. ihn am 11. Juli entlässt, lesen viele Zeitgenossen diese Entscheidung als politischen Kurswechsel.

In Paris trifft diese Nachricht auf eine angespannte Versorgungslage und extrem hohe Brotpreise. Viele Haushalte geben einen großen Teil ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Wer auf den Märkten steht, erlebt die Krise nicht als fernes Verfassungsproblem, sondern als täglichen Druck. Aus diesem Grund greift die politische Unruhe rasch auf die Straßen über.

Die Stadt bewaffnet sich

Am 13. Juli beginnen Bürger in Paris, sich in ihren Bezirken zusammenzuschließen. Sie wollen Wachen organisieren und Straßenzüge sichern. Dafür brauchen sie Waffen. Der erste große Zugriff gilt am Morgen des 14. Juli dem Hôtel des Invalides. Dort lagern Gewehre und militärische Ausrüstung. Eine große Menge dringt in den Komplex ein und schafft Tausende Waffen fort.

Was weiterhin fehlt, ist Schießpulver. Damit richtet sich der Blick auf die Bastille im Osten von Paris. Zwar ist die Festung militärisch nicht mehr von zentraler Bedeutung, doch ihr Name steht für königliche Gewalt, für Haft ohne öffentliches Verfahren und für den Zugriff der Krone auf ihre Gegner.

Der 14. Juli

Im Lauf des Vormittags zieht eine wachsende Menge zur Bastille. Unter den Beteiligten sind Handwerker, Ladenbesitzer, Tagelöhner und Angehörige der Bürgerwehr, die sich gerade erst bildet. Sie verlangen Pulver und die Übergabe der Festung. Der Gouverneur Bernard-René de Launay verhandelt, gibt die Bastille aber nicht frei.

Die Lage kippt, als Schüsse fallen. Wer zuerst feuert, bleibt in vielen Berichten umstritten. Sicher ist, dass sich der Kampf über Stunden hinzieht. Erst als sich auf Seiten der Angreifer auch Soldaten der Gardes françaises beteiligen und Geschütze herangezogen werden, gerät die Besatzung in eine aussichtslose Lage. De Launay kapituliert am Nachmittag.

Nach der Einnahme der Festung wird der Gouverneur festgesetzt und auf dem Weg durch die Stadt getötet. Auch der Stadtvorsteher, der prévôt des marchands Jacques de Flesselles, fällt der Gewalt zum Opfer. In der Bastille sitzen nur wenige Gefangene. Der Sturm des Gefängnisses ist daher in erster Linie ein politisches Signal gegen die Autorität des Königs.

Versailles reagiert

Als die Nachricht Versailles erreicht, erkennt Ludwig XVI. zunächst nicht die volle Tragweite. In den folgenden Tagen muss der Hof jedoch auf die neue Lage reagieren. Die in der Umgebung von Paris zusammengezogenen Truppen werden zurückgenommen. Jacques Necker wird wieder in sein Amt berufen. Der König akzeptiert damit einen Machtverlust, den er wenige Tage zuvor noch abwenden wollte.

In Paris bildet sich zugleich eine neue Führung heraus. Jean-Sylvain Bailly wird Bürgermeister. Lafayette übernimmt den Oberbefehl über die Nationalgarde. Damit erhält die Hauptstadt eigene Institutionen, die aus der Krise des Juli hervorgehen und sich nicht mehr aus königlicher Anordnung ableiten.

Der Blick aufs Land

Die Ereignisse in Paris bleiben nicht auf die Hauptstadt beschränkt. Mit den Nachrichten breiten sich auch Gerüchte und Ängste über das Land aus. In vielen Gegenden bewaffnen sich Bauern, weil sie Überfälle durch Söldner oder Vergeltungsmaßnahmen von Grundherren erwarten. Herrensitze werden angegriffen, Archive geöffnet und Urkunden über Abgaben sowie Rechte verbrannt.

Damit verändert der Juli 1789 nicht nur die Lage in Paris. Die Eingriffe in die alte Herrschaftspraxis erreichen nun auch die Dörfer und kleinen Städte. Zwischen Versailles, der Hauptstadt und dem Land entsteht eine neue Bewegung, die sich nicht mehr durch einzelne Befehle anhalten lässt.


Zum Weiterlesen

Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.

Bildnachweis

Titel: La Prise de la Bastille von Jean-Pierre Houël (1789).

Alle Bilder gemeinfrei.

Schreibe einen Kommentar