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Zu viele Pelze für Venedig – Hildebrand Veckinchusens großer Plan

Um 1410 wartet Hildebrand Veckinchusen in Brügge auf Nachricht aus Venedig. In den dortigen Lagern liegen Bündel nordischer Pelze, für die sich kaum Käufer zum gewünschten Preis finden. Ein schneller Verkauf würde Verluste bringen. Bleibt die Ware liegen, steckt das Geld seiner Handelsgesellschaft weiter in den Fellen fest.

Veckinchusen wollte den Handel zwischen Ostsee und Mittelmeer in großem Stil betreiben. Nun zeigt sich, wie gefährlich es für einen erfolgreichen Kaufmann werden kann, wenn er mehr Ware bewegt, als ein Markt aufnehmen kann.

Ein Kaufmann zwischen den Märkten

Livland

Hildebrand Veckinchusen gehört zu einer weit verzweigten Kaufmannsfamilie. Seine Geschäfte reichen von Livland – dem Gebiet des heutigen Estlands und Lettlands – über Lübeck bis nach Flandern. Den Mittelpunkt bildet Brügge, wo Händler aus vielen Teilen Europas ihre Waren anbieten und Nachrichten über Preise austauschen.

Veckinchusen handelt mit Tuchen, Wachs und Pelzen. Er kauft Waren häufig auf Kredit und verkauft sie weiter, bevor die ursprüngliche Rechnung fällig wird. Solange die Geschäfte planmäßig laufen, kann dasselbe Kapital nacheinander mehrere Handelsreisen finanzieren.

Briefe halten das Unternehmen zusammen. Darin melden Verwandte und Geschäftspartner, welche Waren gefragt sind, wie sich Preise verändern und ob ein Schuldner gezahlt hat. Bis eine Nachricht ihr Ziel erreicht, können jedoch Wochen vergehen. Veckinchusen muss deshalb oft entscheiden, bevor er weiß, wie die vorige Lieferung verkauft wurde.

Die große Venediggesellschaft

Im Jahr 1407 gründen Hildebrand und sein Bruder Sivert mit weiteren Kaufleuten eine außergewöhnlich große Handelsgesellschaft. Die Partner zahlen Geld ein und teilen später Gewinn oder Verlust. Ihr Ziel ist der regelmäßige Handel mit Venedig.

Nordische Pelze versprechen dort hohe Erlöse. Sie stammen vor allem aus dem russischen Raum und gelangen über Nowgorod und Livland an die Ostsee. Von Lübeck aus werden sie über Land nach Nürnberg und weiter über die Alpen gebracht.

Auf dem Rückweg sollen Gewürze und andere kostbare Waren nach Norden gelangen. Damit reicht ein einziges Unternehmen von der Ostsee bis an die Adria. An verschiedenen Orten kaufen Beauftragte ein. Sie organisieren Transporte und suchen Abnehmer.

Die Größe soll Vorteile bringen. Wer viel Kapital besitzt, kann größere Posten erwerben und Transportkosten auf mehr Ware verteilen. Zugleich wächst das Risiko: Eine falsche Einschätzung gefährdet nun gleich ganze Lagerbestände.

Der Markt nimmt die Ware nicht auf

Die Gesellschaft schickt große Mengen Pelze nach Venedig. Dort treffen die Lieferungen auf eine begrenzte Zahl wohlhabender Käufer. Händler und Kürschner drücken die Preise, sobald sie erkennen, dass reichlich Ware vorhanden ist.

Die Pelze lassen sich lagern, doch jeder weitere Monat kostet Geld. Die Miete für das Lager und der Lohn der Beauftragten laufen weiter. Gleichzeitig fehlt das Kapital für neue Geschäfte.

Veckinchusen steht vor einer schwierigen Wahl. Verkauft er schnell, muss er niedrige Preise akzeptieren. Wartet er, drängen seine Gläubiger trotzdem auf Zahlung. Neue Kredite verschaffen ihm Zeit, erhöhen aber die Summe, die das nächste Geschäft einbringen muss.

Zudem erschwert die Distanz jede Entscheidung: Trifft in Brügge endlich ein Brief aus Venedig ein, beschreibt er einen Markt, der sich längst wieder verändert haben kann.

Ab 1412 wird die Lage auch politisch gefährlich. König Sigismund liegt mit Venedig im Krieg und verbietet den Handel mit der Stadt. Später erneuert er die Sperre. Damit wird die wichtigste Route der Gesellschaft zum Risiko.

Größe schützt nicht vor Verlusten

Brief Hildebrand Veckinchusens vom 18. Februar 1422, den er aus dem Brügger Schuldturm an seine Frau Margarethe schickte 

Die Venediggesellschaft wird nach wenigen Jahren aufgelöst. Einige Waren lassen sich nur mit Verlust verkaufen, bei anderen ziehen sich Verkauf und Abrechnung lange hin. Zwischen den Beteiligten entstehen Auseinandersetzungen darüber, wer noch Geld einzuzahlen hat und welche Forderungen tatsächlich einzutreiben sind.

Veckinchusen setzt seinen Handel fort. Weitere Fehlschläge und neue Kredite vergrößern jedoch seine Schulden. Seine Briefe zeigen einen Kaufmann, der ständig auf Zahlungen wartet und zugleich von anderen zur Begleichung offener Rechnungen gedrängt wird.

Im Jahr 1422 lassen Gläubiger ihn in Brügge festsetzen. Im Frühjahr 1426 kommt Hildebrand Veckinchusen wieder frei. Noch im selben Jahr stirbt er in Lübeck.


Zum Weiterlesen

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Hammel-Kiesow, R. (2025): Die Hanse.*

Wubs-Mrozewicz, J.; Jenks, S. (Hrsg.) (2013): The Hanse in Medieval and Early Modern Europe.*

Bildnachweis

Titel: Händlerszene auf dem Rigafahrergestühl in der Stralsunder Nikolaikirche. Wikimedia Commons, Klugschnacker. CC BY-SA 3.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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