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Am Webstuhl in Tenochtitlan – Die Arbeit und Stellung der Frauen

Arbeiten und Erziehung im Codex Mendoza, Blatt 60r

Azteken – Folge 11 von 32

Ein Mädchen erhielt bei einer frühen Namenszeremonie kleine Geräte zum Spinnen und Weben. So beschreiben die später aufgezeichneten Nahua-Überlieferungen die Erwartungen an sein künftiges Leben. Während Jungen symbolisch auf den Krieg vorbereitet wurden, verband man Mädchen mit der Arbeit eines Haushalts.

Solche frühen Zuordnungen wurden später durch Ausbildung verstärkt. Mädchen lernten Spinnen und Weben; in den für adlige Mädchen vorgesehenen Einrichtungen gehörte auch aufwendige Stickarbeit dazu. Diese Ausbildung bereitete Mädchen auf Aufgaben vor, die im Haushalt regelmäßig anfielen.

Stoffe entstehen aus Zeit und Können

Vor dem Weben musste die Faser vorbereitet und zu Garn versponnen werden. Ein Gewebe erforderte anschließend gleichmäßige Arbeit und Erfahrung. Aufwendige Muster erhöhten den Arbeitsaufwand. Die fertigen Stoffe kleideten die Familie; manche konnten verkauft oder als Abgabe gefordert werden.

Museal ausgestellte Webgeräte der Mexica
Museal ausgestellte Geräte zum Weben. Die Herstellung von Textilien verband häusliche Arbeit mit den Anforderungen von Handel und Tribut.

Textilien waren deshalb zugleich Gebrauchsgegenstände und Wertträger. Die Arbeitsleistung von Frauen trug zur Erfüllung von Forderungen bei, die an den gesamten Haushalt gerichtet waren. Dass ein Mann öffentlich als Krieger auftrat, machte die Herstellung seiner Ausstattung und die Versorgung während seiner Abwesenheit nicht entbehrlich.

Auch die tägliche Zubereitung von Mais erforderte beträchtliche Zeit. Das Mahlen und die Herstellung von Speisen wiederholten sich, ohne dass der Erfolg als dauerhafter Gegenstand sichtbar blieb. Diese Arbeit setzte dem Umfang anderer Tätigkeiten Grenzen. Wer Lebensmittel für viele Angehörige bereitstellen musste, konnte dieselben Stunden nicht auf dem Markt oder am Webstuhl verbringen.

Arbeit außerhalb des eigenen Haushalts

Frauen verkauften Waren und waren in verschiedenen Berufen tätig. Hebammen besaßen besonderes Wissen über Schwangerschaft und Geburt. Die gesellschaftliche Erwartung, eine Frau solle für den Haushalt sorgen, bedeutete also nicht, dass Frauen ausschließlich innerhalb der eigenen vier Wände arbeiteten.

Ebenso wenig hatten alle dieselben Möglichkeiten. Eine Adlige konnte auf Dienstleistungen anderer Menschen zurückgreifen und durch ihre Familie politischen Rang vermitteln. Eine Frau, deren Haushalt mit der täglichen Versorgung rang, musste ihre eigene Arbeitszeit weit unmittelbarer einsetzen. Das gemeinsame Ideal weiblicher Pflichten überdeckte erhebliche Unterschiede zwischen Lebenslagen.

Die ausführlichen Reden über die gute Ehefrau wurden überwiegend von Männern überliefert und nach der Eroberung unter Beteiligung christlicher Geistlicher aufgezeichnet. Sie formulieren Erwartungen und Ermahnungen. Gerade eine Mahnung, Frauen sollten ein bestimmtes Verhalten vermeiden, kann anzeigen, dass dieses Verhalten vorkam; sie beweist nicht, wie häufig es war.

Ein wertvoller Baumwollstoff konnte als Belohnung an einen Krieger gelangen und dessen Rang sichtbar machen. Er blieb zugleich das Ergebnis der Arbeit einer Frau, die Fasern vorbereitet und das Gewebe hergestellt hatte. Für sie bestand neben dieser Herstellung die tägliche Mahlzeit fort: Mais musste erneut verarbeitet werden, auch wenn ein weiterer Stoff als Tribut fällig wurde. Die verschiedenen Ansprüche griffen auf dieselbe begrenzte Arbeitszeit zu.


Zum Weiterlesen

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Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*

Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*

Bildnachweis

Titel: Arbeiten und Erziehung im Codex Mendoza, Blatt 60r. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.

Webgeräte: Museal ausgestellte Webgeräte der Mexica. Wikimedia Commons, Gary Todd from Xinzheng, China. CC0 1.0.

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