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Cholula 1519 – Ein Massaker und seine Rechtfertigungen

Heutige archäologische Anlage an der Großen Pyramide von Cholula

Im Oktober 1519 griffen die Männer des Hernán Cortés in Cholula eine versammelte Menschenmenge an. Tlaxcaltekische Verbündete beteiligten sich an der anschließenden Gewalt in der Stadt. Die Angreifer erklärten später, sie seien einem geplanten Anschlag zuvorgekommen. Gerade diese Rechtfertigung gehört zu den umstrittensten Teilen der Überlieferung.

Eine Stadt zwischen Gegnern

Cholula war ein bedeutender religiöser Ort, besonders mit dem Kult Quetzalcoatls verbunden. Seine Beziehungen zu Tenochtitlan unterschieden sich von denen des benachbarten Tlaxcala. Für die tlaxcaltekischen Verbündeten der Spanier war Cholula daher kein politisch neutraler Zwischenhalt.

Cortés musste auf dem Weg in das Tal von Mexiko entscheiden, welchen örtlichen Auskünften er vertraute. Warnungen vor einer Gefahr konnten zutreffen; sie konnten zugleich den Interessen jener dienen, die einen Rivalen schwächen wollten. Die Expedition bewegte sich durch eine politische Landschaft, über die ihre indigenen Begleiter weit mehr wussten als die meisten Spanier.

Spanische Berichte erzählen von Hinweisen auf einen Hinterhalt. Besonders bekannt wurde die Geschichte, eine Frau aus Cholula habe Malintzin gewarnt, die den Plan an Cortés weitergab. Die erhaltenen Fassungen entstanden jedoch nach dem Geschehen und stimmen nicht in allen Einzelheiten überein. Ein zuverlässig rekonstruierbarer, von Moctezuma angeordneter Gesamtplan lässt sich daraus nicht gewinnen.

Ein Angriff auf Versammelte

Massaker von Cholula in der Überlieferung des Lienzo de Tlaxcala
Massaker von Cholula im Lienzo de Tlaxcala

Die Spanier ließen führende Männer und weitere Bewohner zusammenkommen. Auf ein verabredetes Zeichen begann die Tötung. Der Ablauf gab den Angreifern einen Vorteil: Die Menschen waren an einem begrenzten Ort versammelt und konnten nicht wie eine aufgestellte Armee reagieren.

Danach weitete sich die Gewalt aus. Spanier plünderten und brannten Tempel nieder; tlaxcaltekische Kämpfer griffen ebenfalls Einwohner an. Nach den Berichten traf die Zerstörung besonders Viertel der führenden Adligen und hohen Priester sowie Ansiedlungen der Mexica. Andere Viertel blieben verschont. Angehörige einer mit Tlaxcala verbundenen Gegenpartei überlebten und boten Cortés ihre Zusammenarbeit an. Die Gewalt veränderte damit auch, welche Familien innerhalb Cholulas die Herrschaft ausüben konnten. Die stark schwankenden Opferzahlen erlauben keine exakte Gesamtbilanz.

Für Cortés besaß das Geschehen auch eine Wirkung über Cholula hinaus. Nachrichten von der Gewalt konnten andere Gemeinden abschrecken. Wer die Fremden empfing, musste nun mit der Möglichkeit rechnen, dass ein behaupteter Verdacht einen Angriff auslöste. Gleichzeitig erleichterte die Deutung als vereitelter Verrat die Rechtfertigung gegenüber der spanischen Krone.

Die überlebenden Verbündeten profitierten von der Ausschaltung ihrer örtlichen Rivalen. Daraus folgt nicht, dass sie das Massaker von Anfang an geplant hatten. Ebenso wenig beweisen die spanischen Berichte den behaupteten Hinterhalt. Dass Cortés nach der Gewalt neue örtliche Machthaber als Untertanen des spanischen Königs annahm, ist dagegen Teil derselben Überlieferung: Die Tötung ging in eine Neuordnung der Beziehungen zur Expedition über.


Zum Weiterlesen

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Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*

Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*

Bildnachweis

Titel: Heutige archäologische Anlage an der Großen Pyramide von Cholula. Wikimedia Commons, Arian Zwegers from Brussels, Belgium. CC BY 2.0.

Massaker von Cholula in der Überlieferung des Lienzo de Tlaxcala. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler des Lienzo de Tlaxcala. Gemeinfrei.

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