Im Juli 1413 besiegte Mehmed seinen Bruder Musa bei Çamurlu südlich von Sofia. Musa wurde auf der Flucht gefasst und getötet. Damit endete die wichtigste Phase eines Krieges, in dem die Söhne Bayezids I. um dessen Reich gestritten hatten. Mehmed herrschte nun über die verbliebenen osmanischen Besitzungen auf beiden Seiten der Meerengen. Er hatte sie nicht als geschlossenes Erbe übernehmen können. Die Verbindung musste gegen Brüder erkämpft werden, die ebenfalls als rechtmäßige Söhne eines Sultans auftraten.
Kein festgelegter Erbe
Bayezid war 1402 in der Schlacht bei Ankara in Timurs Gefangenschaft geraten. Sein Heer zerfiel, und Timur setzte in Anatolien mehrere von den Osmanen verdrängte Fürsten wieder ein. Bayezids überlebende Söhne verfügten deshalb über unterschiedlich große Rückzugsgebiete. Entscheidend war zunächst, wer einen Hof und verlässliche Truppen um sich sammeln konnte.
Eine feste Regel, nach der stets der älteste Sohn den gesamten Thron erbte, gab es nicht. Die Zugehörigkeit zur Dynastie begründete einen Anspruch, entschied aber nicht, welcher Prinz ihn durchsetzen durfte. Auch das spätere Bild eines einzigen rechtmäßigen Sultans darf deshalb nicht auf die ersten Jahre nach Ankara zurückübertragen werden. Zeitgenossen mussten mit mehreren möglichen Siegern rechnen.
Die Prinzen waren keine allein handelnden Abenteurer. Jeder brauchte Beamte, die Einkünfte einziehen konnten, und militärische Befehlshaber, die ihm ihre Leute zuführten. Die Anerkennung durch diese Gruppen machte aus einem Familienanspruch eine Regierung. Umgekehrt konnten dieselben Männer ihre Unterstützung entziehen, wenn ein anderer Bruder bessere Bedingungen bot oder der eigene Herr sie bedrohte.
Verschiedene Ausgangspunkte
Süleyman besaß zunächst besonders günstige Voraussetzungen. Er gelangte nach Rumelien, in die europäischen Provinzen des Reiches. Dort war die osmanische Verwaltung nicht durch Timurs Heer zerschlagen worden. Edirne bot ihm eine Residenz; die Einkünfte des Umlands konnten seinen Hof und seine Soldaten tragen. Zeitweise kontrollierte er auch Bursa auf der anatolischen Seite.

Mehmed hielt sich dagegen im nördlichen Anatolien. Sein Rückhalt lag im Raum Amasya und Tokat. Er musste sich dort gegenüber Nachbarn behaupten, deren Dynastien nach Ankara wieder mehr Handlungsspielraum besaßen. Seine Stellung war anfangs weniger glänzend als die seines Bruders. Sie blieb jedoch tragfähig genug, um Truppen aufzustellen und mit anderen Herrschern zu verhandeln.
Ein weiterer Bruder, Isa, versuchte sich im westlichen Anatolien zu behaupten. Er wurde im Verlauf der Kämpfe ausgeschaltet. Musa, der ebenfalls in Timurs Gewalt geraten war, kehrte zurück und befand sich zeitweise unter Mehmeds Kontrolle. Aus einem Bruder ohne eigenes starkes Herrschaftsgebiet konnte dennoch ein gefährlicher Bewerber werden, sobald andere Gruppen ihn als Gegenkandidaten unterstützten.
Die Aufteilung folgte somit keiner dauerhaft vereinbarten Grenze. Eine Stadt konnte durch einen Feldzug den Herrn wechseln. Eine Niederlage zwang den unterlegenen Prinzen, Schutz zu suchen und neue Versprechen abzugeben. Der Bürgerkrieg bestand aus wechselnden Bündnissen ebenso wie aus offenen Schlachten. Ein einmal erreichter Vorsprung schützte keinen der Brüder vor dem Verlust seiner wichtigsten Stützen.
Die Nachbarn verhandeln mit
Der byzantinische Kaiser Manuel II. gewann durch die osmanische Krise Bewegungsfreiheit. Vor Ankara hatte Bayezid Konstantinopel bedrängt. Nun benötigten dessen Söhne Zugang zu den Meerengen und wollten verhindern, dass der Kaiser ihre Rivalen unterstützte. Im Vertrag von 1403 trat Süleyman unter anderem Thessalonike an die Byzantiner ab und verzichtete auf den bisherigen Tribut des Kaisers. Auch mit Venedig und Genua vereinbarte er Handelsvorrechte. Die Seemächte sollten im Gegenzug Timurs Übergang nach Europa verhindern.
Solche Verträge waren kein bloßer Zusatz zum Krieg an Land. Wer Truppen zwischen Anatolien und Europa bewegen wollte, musste eine Überfahrt organisieren. Schiffe und Häfen besaßen dadurch unmittelbare militärische Bedeutung. Ein Prinz konnte auf der einen Seite der Meerengen stark sein und trotzdem zu spät auf einen Angriff auf der anderen Seite reagieren.
Auch Herrscher im Inneren des Balkans griffen ein. Der walachische Fürst Mircea unterstützte Musa. Serbische Machthaber verfolgten ebenfalls eigene Interessen. Sie wollten Abhängigkeiten lockern und ihre Gebiete gegen Nachbarn sichern. Dass ein Bündnispartner Christ war, hinderte einen osmanischen Prinzen nicht daran, seine Hilfe anzunehmen. Die Frage nach dem künftigen Sultan wurde außerhalb der Dynastie mitentschieden.
Musa greift Süleyman an
Mehmed setzte Musa gegen Süleyman ein. Während er selbst in Anatolien vorging, sollte sein Bruder dessen europäische Herrschaft bedrohen. Süleyman musste dadurch Kräfte auf verschiedenen Schauplätzen einsetzen. Was zunächst als gemeinsame Strategie gegen den stärksten Bruder begann, schuf zugleich einen neuen Rivalen für Mehmed.
Musa gewann schließlich Edirne. Süleyman verlor den Rückhalt wichtiger Gefolgsleute und wurde 1411 auf der Flucht getötet. Sein Besitz ging jedoch nicht geschlossen an Mehmed über. Musa betrachtete die europäischen Provinzen als Grundlage einer eigenen Herrschaft. Damit standen sich erneut zwei Höfe gegenüber, die beanspruchten, das Erbe Bayezids zusammenzuführen.
Musas Regierung belastete das Verhältnis zu mehreren Gruppen, auf die sie angewiesen war. Grenzkommandeure wollten ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten bewahren. Der neue Herr griff in bestehende Ansprüche ein und ging gegen Gegner vor. Die spätere Überlieferung zeichnet ihn häufig als besonders unberechenbar. Dieses Bild stammt vielfach aus einem Umfeld, das seinen erfolgreichen Bruder rechtfertigte; es sollte deshalb nicht wie eine neutrale Charakterbeschreibung gelesen werden.
Die politischen Folgen lassen sich genauer fassen als Musas Persönlichkeit. Bedeutende Unterstützer wandten sich von ihm ab. Sein Angriff auf Konstantinopel machte außerdem den Kaiser zu einem entschiedenen Gegner. Mehmed konnte nun Kräfte zusammenführen, die aus verschiedenen Gründen ein Ende von Musas Herrschaft wünschten. Eine gemeinsame Absicht für die Zukunft des gesamten Reiches mussten diese Verbündeten dafür nicht besitzen.
Mehmed gewinnt die Verbindung nach Europa

Mehmeds erste Versuche gegen Musa führten noch nicht zum endgültigen Erfolg. Der Krieg verlangte wiederholte Überfahrten und neue Absprachen. Ein verlorenes Gefecht bedeutete nicht zwangsläufig das Ende eines Bewerbers, solange ihm auf der anderen Seite der Meerengen eine belastbare Basis blieb. Genau diese Möglichkeit hatte Süleyman zuletzt verloren.
Für den entscheidenden Feldzug erhielt Mehmed Unterstützung aus dem serbischen Herrschaftsbereich Stefan Lazarevićs. Auch frühere Anhänger Musas wechselten zu ihm. Die Überläufer verstärkten Mehmeds Heer und schwächten Musas Aufgebot. Musas Herrschaft wurde enger, während der Kreis der Beteiligten auf der Gegenseite wuchs.
Bei Çamurlu fiel 1413 die Entscheidung. Musa konnte sich nach der Niederlage nicht mehr in ein ausreichend gesichertes eigenes Gebiet retten. Seine Tötung beseitigte den Bruder, der Mehmeds Anspruch auf Rumelien unmittelbar entgegenstand. Die Dynastie besaß damit wieder einen Herrscher, der Befehle in beiden Reichsteilen erteilen konnte. Dass viele Amtsträger und militärische Strukturen überlebt hatten, erleichterte die Verbindung.
Was nach dem Sieg wiederhergestellt werden musste
Mehmed musste die Einkünfte, von denen seine Truppen lebten, erneut verlässlich zuordnen. Während des Bruderkriegs hatten verschiedene Herren Rechte vergeben. Wer einen solchen Anspruch besaß, wollte ihn auch unter dem Sieger behalten. Eine neue Zuweisung konnte den Begünstigten des besiegten Bruders treffen und damit weitere Gegner schaffen. Die Wiederherstellung einer Regierung bestand deshalb aus mehr als der Beseitigung eines Prätendenten.
Auch die anatolischen Fürstentümer waren nicht verschwunden. Einige standen außerhalb von Mehmeds unmittelbarer Herrschaft und konnten auf seine Schwächen warten. Er musste militärischen Druck mit Vereinbarungen verbinden. Die Beziehungen zu christlichen Nachbarn blieben ebenfalls wichtig. Ein siegreicher Sultan konnte nicht sämtliche Helfer sofort so behandeln, als hätten sie nie eigene Gegenleistungen erwartet.
Besonders deutlich wurde die fortdauernde Unsicherheit durch das Auftreten eines weiteren Mustafa, der als Sohn Bayezids den Thron beanspruchte. Mehmed besiegte ihn, konnte ihn aber nicht endgültig aus der Politik entfernen. Der Bewerber fand Schutz im byzantinischen Machtbereich. Eine Vereinbarung sollte sicherstellen, dass er zu Mehmeds Lebzeiten nicht erneut freikam. Damit hing ein Stück der inneren Stabilität des Reiches weiterhin von einem auswärtigen Herrscher ab.
Mit Mehmeds Tod 1421 endete die Vereinbarung über Mustafas Festhaltung. Murad übernahm die Regierung, während der Kaiser wieder über einen Rivalen verfügte, den er gegen den neuen Sultan einsetzen konnte.
Zum Weiterlesen
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Douglas A. Howard: A History of the Ottoman Empire*. Cambridge University Press, 2017. Verbindet den Bruderkrieg mit den religiösen und politischen Konflikten der Zeit.
Suraiya Faroqhi: Geschichte des Osmanischen Reiches*. C.H.Beck, 2000. Zeigt, weshalb die europäischen Provinzen für den Fortbestand der Dynastie entscheidend waren.
Bildnachweis
Titelbild: Die geteilten Herrschaftsgebiete während des osmanischen Interregnums. Joyfulmapper; Wikimedia Commons; CC0.
Abbildung: Mehmed I. in einer osmanischen Miniatur. Urheber unbekannt; Wikimedia Commons; gemeinfrei.
Abbildung: Süleyman Çelebi in einer späteren europäischen Porträtdarstellung. Jean-Jacques Boissard; Wikimedia Commons; gemeinfrei.



