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Tribut aus Tochtepec – Was die Herrschaft für die Unterworfenen bedeutete

Tributdarstellung im Codex Mendoza, Blatt 46r

Azteken – Folge 10 von 32

Auf Blatt 46r des Codex Mendoza sind die Abgaben aus Tochtepec verzeichnet, einem Gebiet im Tiefland am Golf von Mexiko. Zwischen kostbaren Federn und Goldgegenständen erscheinen Baumwollstoffe; aufwendig gefertigte Kriegskleidung gehört ebenfalls zu den geforderten Gütern. Bildzeichen halten ihre Mengen fest. Die Seite zeigt damit auch die Ausstattung, mit der die Herrscher im Hochland erfolgreiche Krieger belohnen konnten.

Der Codex entstand erst nach der spanischen Eroberung, im 16. Jahrhundert. Indigene Maler stellten darin auch ältere Herrschaftsverhältnisse dar; spanische Erläuterungen ergänzten die Bilder. Die Seite ist damit eine kolonialzeitliche Aufzeichnung über vorspanische Ansprüche. Eine Forderung in dieser Liste beweist nicht, dass jede Lieferung jederzeit vollständig eintraf.

Eine Abgabe enthält viele Arbeitsgänge

Zur Forderung aus Tochtepec gehörten auch Schnüre grüner Schmucksteinperlen. Daneben stehen Behälter für Kakao und Federbündel. Die Güter verbanden unterschiedliche Arbeiten: Für ein Gewebe mussten Fasern gesponnen und verwoben werden; für einen Federschmuck waren geeignete Vögel und die Fertigkeiten spezialisierter Handwerker nötig. Die Entfernung zum Hochland begünstigte Lieferungen, deren Wert im Verhältnis zu ihrem Gewicht hoch war.

Ein fertiger Gegenstand stand dabei für mehr Arbeit, als die kleine Zeichnung erkennen lässt. Rohstoffe mussten beschafft und von Menschen mit besonderen Fertigkeiten verarbeitet werden. Auch die Beförderung beschäftigte Träger oder Bootsleute. Die Tributpflicht griff daher in die Verteilung von Arbeitszeit ein, selbst wenn der Oberherr nicht jeden Arbeitsschritt unmittelbar beaufsichtigte.

Örtliche Machthaber konnten zwischen den Forderungen aus der Hauptstadt und den Produzenten ihrer Gemeinden stehen. Dass eine Gemeinde ihren eigenen Herrscher behielt, schützte ihre Bewohner also nicht vor auswärtigen Ansprüchen. Gerade bestehende Einrichtungen ließen sich dafür nutzen, Lieferungen einzuziehen und weiterzugeben.

Belohnungen aus fremder Arbeit

In Tenochtitlan sammelte der Herrscher Tribute und verwendete sie auch zur Ausstattung verdienter Krieger. Für ausgezeichnete Männer gewöhnlicher Herkunft konnten die Belohnungen den Alltag verändern. Sie durften Baumwolle statt der gröberen Agavenfaser tragen und wurden von eigenen Tributleistungen befreit. Dennoch blieb an ihrer Ausstattung ein Unterschied zum Erbadel sichtbar: Nach einer überlieferten Rangordnung war dessen Kriegskleidung mit Federn besetzt, während die aufgestiegenen Männer andere Besätze erhielten.

Würdenträger und Krieger im Codex Mendoza, Blatt 67r
Würdenträger und Krieger mit Rangabzeichen, Codex Mendoza, Blatt 67r (16. Jahrhundert). Kleidung und Ausstattung machten gesellschaftliche Unterschiede sichtbar.

Abgaben und Kriegführung verstärkten sich auf diese Weise. Eroberungen eröffneten neue Lieferansprüche; ein Teil der eingehenden Güter belohnte Männer, deren weitere Dienste der Herrscher benötigte. Für die Unterworfenen bedeutete dieselbe Verbindung, dass ihre Arbeit zur Ausstattung derjenigen beitrug, die weitere Forderungen durchsetzen konnten.

Ein auf Blatt 46r gezeichnetes Kriegergewand durchlief damit zwei verschiedene Beziehungen. Die Unterworfenen waren verpflichtet, es herzustellen und zu liefern. Beim Empfänger konnte dasselbe Gut als verdiente Auszeichnung erscheinen. Die Zeichnung hält vor allem die Forderung des Hofes fest; über die einzelnen Menschen am Webstuhl schweigt sie.


Zum Weiterlesen

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Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*

Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*

Bildnachweis

Titel: Tributdarstellung im Codex Mendoza, Blatt 46r. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.

Handschrift: Würdenträger und Krieger im Codex Mendoza, Blatt 67r. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.

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