Inmitten der zerklüfteten Granitfelsen der Matopo-Berge im heutigen Simbabwe suchte Cecil Rhodes im August 1896 eine Entscheidung, die weniger von diplomatischer Weitsicht als von schierer Notwendigkeit getrieben war. Sein imperialer Traum drohte im Blut der Ndebele-Aufstände zu versinken. Ohne Waffen, lediglich begleitet von 3 Gefährten, ritt er in das Versteck der Rebellen. Rhodes, der kurz zuvor politisch gestürzt war, setzte alles auf eine Karte, um sein Lebenswerk zu retten. Er wartete unbewaffnet auf einem Felsen sitzend, bis die Anführer der Ndebele aus dem Dickicht traten.

Dieses Treffen markierte einen Wendepunkt: Rhodes gelang es, durch das Versprechen von Reformen einen brüchigen Frieden auszuhandeln. Doch dieser Erfolg war teuer erkauft. Er sicherte die koloniale Herrschaft der British South Africa Company und festigte ein System, das das südliche Afrika über Generationen spalten sollte.
Goldrausch und Schürfrechte
Der Aufstieg von Cecil John Rhodes begann weit weniger heroisch auf den Baumwollfeldern von Natal. Der 1853 als Sohn eines Pfarrers in England geborene Rhodes war aus gesundheitlichen Gründen nach Südafrika geschickt worden. Schnell erkannte er, dass der wahre Reichtum im Boden unter den Füßen der Siedler lag. In Kimberley, dem Zentrum des Diamantenfiebers, begann er mit der systematischen Übernahme privater Schürfrechte.

Unterstützt durch das Kapital des Bankhauses Rothschild gelang es Rhodes bis 1888, die De Beers Consolidated Mines zu gründen. Er schuf damit ein nahezu lückenloses Weltmonopol für Diamanten. Sein Ziel war dabei nie allein der persönliche Reichtum; Geld war für Rhodes das Schmiermittel für seine imperialen Visionen. Er träumte von einer geschlossenen britischen Herrschaft vom Kap bis Kairo.
Die Zementierung der Ungleichheit
Gestützt auf diese wirtschaftliche Basis stieg Rhodes 1890 zum Premierminister der Kapkolonie auf. Als Politiker und Minenbesitzer zugleich untermauerte er die industriellen Ziele mit einer rassistischen Gesetzgebung. Der Glen Grey Act von 1894 war hierbei ein entscheidendes Instrument: Er führte eine spezifische Arbeitssteuer (Labor Tax) von 10 Shilling ein. Diese richtete sich an Männer, die nicht nachweisen konnten, dass sie mindestens 3 Monate im Jahr in Lohnarbeit standen – ein direkter Zwang, um billige Arbeitskräfte für die Minen zu rekrutieren.
Gleichzeitig verschärfte Rhodes mit dem Franchise and Ballot Act von 1892 die Wahlrechtsbedingungen. Die Vermögensanforderung wurde von 25 auf 75 Pfund verdreifacht. Zudem wurde ein Alphabetisierungstest eingeführt, der verlangte, dass Wähler Namen, Adresse und Beruf eigenhändig niederschrieben – eine Hürde, die die Mehrheit der schwarzen Bürger faktisch vom Stimmrecht ausschloss. Rhodes rechtfertigte dies mit der Behauptung, die indigene Bevölkerung müsse wie „Kinder“ behandelt werden.
Der Fall des Kolosses

Der Expansionsdrang von Rhodes kannte keine Grenzen. Parallel zu seinem Aufstieg in Kimberley sicherte er sich 1888 durch die sogenannte Rudd-Concession – einen Vertrag über exklusive Bergbaurechte – den Zugriff auf Gebiete nördlich des Limpopo. Rhodes nutzte dieses Dokument als Vorwand für eine großangelegte Besiedlung durch die „Pioneer Column“ ab 1890. Als sich König Lobengula gegen den schleichenden Souveränitätsverlust wehrte, brach 1893 der Erste Matabele-Krieg aus, in dem die Ndebele durch den Einsatz von Maxim-Maschinengewehren vernichtend geschlagen wurden.
Nach der militärischen Unterwerfung wurde das Territorium im Mai 1895 offiziell nach ihm benannt: Rhodesien. Doch sein politischer Stern sank jäh. Um den Jahreswechsel 1895/96 unterstützte Rhodes den sogenannten Jameson Raid, einen bewaffneten Umsturzversuch gegen die Burenrepublik Transvaal. Der Überfall endete am 2. Januar 1896 mit einer Kapitulation und löste eine internationale Krise aus. In der Folge musste Rhodes im Januar 1896 als Premierminister zurücktreten. Sein Ruf war dauerhaft beschädigt, auch wenn er im Verwaltungsrat seiner Gesellschaft verblieb und während des Zweiten Burenkrieges die Verteidigung von Kimberley mitorganisierte.
Tod und umstrittenes Erbe
Als Cecil Rhodes am 26. März 1902 im Alter von nur 48 Jahren an Herzversagen starb, hinterließ er ein Erbe, das die Welt bis heute spaltet. Er wurde auf eigenen Wunsch im Granit der Matopo-Berge beigesetzt – an jenem Ort, den er „World’s View“ nannte. Sein Testament sah die Gründung des Rhodes-Stipendiums vor, das es begabten Studenten aus aller Welt ermöglichen sollte, in Oxford zu studieren.
In den letzten Jahren hat die Kritik an Rhodes eine neue Dynamik gewonnen. Die Bewegung „Rhodes Must Fall“, die 2015 in Kapstadt begann, fordert die Entfernung seiner Denkmäler und eine kritische Auseinandersetzung mit seiner Rolle als Wegbereiter kolonialer Gewalt.

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William Kelleher Storey (2025): The Colonialist: The Vision of Cecil Rhodes.*
Bildnachweis
Titel:Das Gemälde „Imperiumsgründer und -zerstörer“ von Henry Wright zeigt eine Szene im Südafrika-Komitee im Jahr 1897 mit Rhodes im Zentrum.
Gedenkstätte: Wikimedia Commons, Georgio (fr.wikipedia). CC BY-SA 3.0.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.




