Ende August 1941 rückten britische und sowjetische Truppen in Iran ein. Reza Schah hatte in den vorhergehenden zwanzig Jahren eine Armee aufgebaut, Straßen durch das Land ziehen lassen und die Transiranische Eisenbahn vollendet. Gegen die beiden Großmächte hielt seine Armee nur drei Tage stand.
Ausgerechnet die Infrastruktur, die den Zugriff Teherans auf die Provinzen gestärkt hatte, machte Iran im Zweiten Weltkrieg für die Alliierten besonders wertvoll. Großbritannien wollte den Zugang zu den iranischen Ölfeldern sichern. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion brauchten die Alliierten außerdem einen verlässlichen Weg, um Waffen und andere Lieferungen in die Sowjetunion zu transportieren. Die Bahnstrecke vom Persischen Golf durch Iran bot dafür eine Verbindung, während der nördliche Seeweg nach Archangelsk einen Teil des Jahres durch Eis behindert war.
Die Alliierten wollten Reza Schah loswerden. Den Staat, den er aufgebaut hatte, wollten sie erhalten.
Ein Schah muss gehen

Am 16. September 1941 dankte Reza Schah zugunsten seines einundzwanzigjährigen Sohnes Mohammad Reza ab. Einen Tag später legte der neue Schah vor dem Majles seinen Eid ab. Die Briten brachten den alten Monarchen zunächst nach Mauritius und später nach Südafrika. Dort starb er 1944.
Für die Alliierten hatte der Dynastiewechsel einen praktischen Vorteil. Ministerien, Armee, Eisenbahn und Verwaltung konnten weiterarbeiten. Sie brauchten diese Einrichtungen, um Öl zu sichern und den Nachschub durch Iran zu organisieren. Zugleich beseitigten sie einen Herrscher, der unter vielen Iranern verhasst war. Der britische Gesandte Reader Bullard hielt fest, die Iraner erwarteten nach der Besetzung zumindest, von der Tyrannei des Schahs befreit zu werden.
Mohammad Reza Pahlavi erhielt also die Krone seines Vaters, übernahm dessen Stellung jedoch zunächst nur zum Teil. Die Armee blieb für ihn besonders wichtig. Über Ministerien, Parlament und politische Ernennungen konnte er längst nicht so frei verfügen wie Reza Schah.
Damit begann eine Phase, die bis zum Staatsstreich von 1953 dauern sollte. Die Macht verteilte sich nun auf den Palast und wechselnde Regierungen; zugleich gewann das Majles erheblich an Gewicht. Politische Gruppen meldeten sich auf den Straßen und in den Betrieben zurück.
Die alten Politiker kehren zurück

Mohammad Ali Foroughi übernahm beim Herrscherwechsel eine Schlüsselrolle. Der erfahrene Politiker hatte bereits unter den Qajaren Ämter bekleidet und später Reza Schah gedient. Nun organisierte er dessen Abdankung und half, die Pahlavi-Monarchie unter dem Sohn fortzuführen.
Mit Foroughi kehrte ein ganzer Typus von Politiker zurück, den Reza Schah an den Rand gedrängt hatte. Großgrundbesitzer und ehemalige Minister drängten zurück an die Macht. Viele gehörten einflussreichen Familien an, die schon vor 1921 die Kabinette und das Majles geprägt hatten.
Die Zahlen zeigen, wie unstet die folgenden Jahre verliefen. Zwischen 1941 und 1953 gab es 31 Kabinette. Zwölf Männer wechselten sich als Ministerpräsidenten ab. Von 148 Politikern, die in dieser Zeit Ministerämter bekleideten, waren 81 Söhne ehemals titulierter Familien.
Viele dieser Männer hatten Reza Schahs Herrschaft überlebt, indem sie sich zurückgezogen oder mit ihm arrangiert hatten. Jetzt traten sie wieder offen auf.
Auch das Majles gewann Rechte zurück, die Reza Schah ausgehöhlt hatte. Abgeordnete konnten wieder Untersuchungen verlangen, genossen parlamentarische Immunität und traten dem Hof mit neuem Selbstbewusstsein gegenüber.
Auf dem Land behielten dagegen Großgrundbesitzer großen Einfluss auf die Wahlen. Sie bestimmten vielerorts, wer zur Abstimmung ging und wie Wahlen organisiert wurden. Lokale Wahlkommissionen verteilten die Stimmzettel; Dorfvorsteher führten Pächter zu den Wahllokalen. In Isfahan konnte ein einflussreicher Großgrundbesitzer noch in den 1940er Jahren entscheidend darauf einwirken, wer die Stadt im Parlament vertrat.
Iran erlebte damit nach 1941 eine politische Öffnung, in der sehr alte Machtverbindungen wieder sichtbar wurden.
Eine Partei für die Massen
Gleichzeitig kehrten Männer aus Reza Schahs Gefängnissen zurück.
Nur wenige Wochen nach seiner Abdankung trafen sich ehemalige politische Gefangene und junge Akademiker im Haus von Sulayman Iskandari in Teheran. Unter ihnen befand sich dessen Neffe Iraj Iskandari. Er hatte in Europa studiert und war nach seiner Rückkehr gemeinsam mit anderen linken Intellektuellen verhaftet worden. Diese Gefangenen waren als die Gruppe der Dreiundfünfzig bekannt geworden.
Nun gründeten sie die Tudeh-Partei. Der Name bedeutete Partei der Massen.
Die Gründer versuchten bewusst, über einen kleinen kommunistischen Zirkel hinauszugehen. Sie wollten Arbeiter und Intellektuelle erreichen und zugleich ältere Politiker einbinden, die schon während der Konstitutionellen Revolution aktiv gewesen waren. Der betagte Sulayman Iskandari übernahm den Vorsitz.
Die Tudeh wuchs schnell. Ihre Organisatoren gingen in die neuen Fabriken, zu Eisenbahnern und Hafenarbeitern. Besonders erfolgreich waren sie in den Textilbetrieben von Isfahan und in der Ölindustrie von Khuzestan.
Nach britischen Berichten zählte der von der Tudeh geführte Gewerkschaftsbund 1945 bereits mehr als 275.000 Mitglieder. Neben den Arbeitern im Öl- und Textilsektor schlossen sich Eisenbahner und Bergleute an; auch unter Hafenarbeitern fand die Bewegung Anhänger.
Im Mai 1946 demonstrierten die Gewerkschaften ihre Stärke mit einem Streik in der Ölindustrie. Die Anglo-Iranian Oil Company musste unter anderem den Achtstundentag und bezahlte Freitage akzeptieren. Auch die Löhne stiegen. Kurz darauf erließ die Regierung ein umfassendes Arbeitsgesetz.
Die Partei fand zugleich starken Rückhalt unter Intellektuellen und Kulturschaffenden. Damit stand den alten Familien im Parlament erstmals eine landesweit organisierte politische Bewegung gegenüber, die ihre Anhänger vor allem in den Städten mobilisierte.
Iran wird zum Durchgangsland der Alliierten

Diese innenpolitischen Konflikte spielten sich in einem besetzten Land ab. Bereits nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten im Dezember 1941 waren die USA als dritter alliierter Akteur hinzugekommen. Damit trat eine Macht in Iran auf, die in den Jahrzehnten zuvor gegenüber Großbritannien und Russland eine wesentlich kleinere Rolle gespielt hatte.
Politisch hielten sich die Amerikaner zunächst im Hintergrund. Ihre militärische Präsenz während des Krieges markierte jedoch den Beginn einer Entwicklung, die in den 1950er Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen sollte.
Für die Bevölkerung brachte der Krieg erhebliche Belastungen. Ausländische Truppen beanspruchten Verkehrswege und Ressourcen; ein großer Teil des alliierten Nachschubs wurde durch das Land transportiert. Gleichzeitig verlor die Regierung einen Teil ihres Zugriffs auf Gebiete, in denen britische oder sowjetische Truppen standen.
Besonders deutlich zeigte sich das im Norden.
Die Sowjets bleiben in Aserbaidschan
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hätte auch die ausländische Militärpräsenz enden sollen. Im sowjetisch besetzten Norden entwickelte sich jedoch ein neuer Konflikt.
Im September 1945 unterstützte die Sowjetunion in Aserbaidschan eine Bewegung unter Jafar Pishevari. Er gründete die Demokratische Partei Aserbaidschans und übernahm mit bewaffneten Anhängern die Kontrolle über die Provinz. Im benachbarten Kurdistan entstand ebenfalls eine autonome Regierung.
Für die Regierung in Teheran war das eine unmittelbare Herausforderung. Ihre Armee konnte zunächst nicht eingreifen, solange sowjetische Truppen den Norden kontrollierten.
Zugleich verlangte Moskau eine Ölkonzession für den Norden Irans. Für die Tudeh wurde das zum schweren Problem. Die Partei hatte gegen ausländische Konzessionen argumentiert und ihre Gewerkschafter kämpften in Khuzestan gegen die britisch kontrollierte Ölgesellschaft. Nun erwartete die Sowjetunion Unterstützung für eine eigene Konzession. Führende Tudeh-Politiker verteidigten Moskau öffentlich, während einige von ihnen intern erhebliche Vorbehalte äußerten.
Noch schwerer wog die sowjetische Unterstützung der Bewegungen in Aserbaidschan und Kurdistan. Teile der iranischen Öffentlichkeit sahen darin die Gefahr einer Abtrennung iranischen Territoriums. Der Konflikt schwächte die Tudeh und stärkte Politiker, die nationale Unabhängigkeit zum Mittelpunkt ihrer Politik machten.
Im Mai 1946 zog die Sowjetunion ihre Truppen schließlich ab. Wenige Monate später rückte die iranische Armee wieder in die betroffenen Provinzen ein. Die autonomen Regierungen brachen zusammen.
In den südlichen Provinzen gingen gleichzeitig Qashqai, Bakhtiyari und weitere Stammesverbände gegen Organisationen der Tudeh vor. Die Regierung schränkte die Gewerkschaften ein und schloss Parteibüros. Sie beschuldigte die Tudeh zudem, die separatistischen Bewegungen im Norden unterstützt zu haben, und erließ Haftbefehle gegen führende Parteimitglieder. Die offene politische Phase, die 1941 begonnen hatte, geriet damit bereits wieder unter Druck.
Der junge Schah wartet auf seine Gelegenheit
Mohammad Reza Schah hatte diese Jahre keineswegs passiv verbracht. Seit seiner Thronbesteigung versuchte er, vor allem seinen Einfluss auf die Streitkräfte zu bewahren. Genau dort lag die Machtquelle, auf der schon sein Vater seinen Aufstieg aufgebaut hatte.

1949 bot sich ihm die Gelegenheit, seine Befugnisse auszuweiten. Im Februar scheiterte ein Attentat eines Einzeltäters auf den Monarchen. Der Schah nahm die Tat zum Anlass, im ganzen Land das Kriegsrecht zu verhängen und gegen seine politischen Gegner vorzugehen. Er verbot die Tudeh und ließ ihre Zeitungen schließen. Zahlreiche führende Funktionäre kamen in Haft; geflohene Parteiführer wurden in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
Auch Gegner, die keinerlei Verbindung zur Tudeh hatten, ließ der Schah festnehmen. Zu ihnen gehörte der frühere Ministerpräsident Qavam. Kritische Zeitungen wurden verboten. Zugleich berief der Monarch eine verfassunggebende Versammlung ein, die seine Rechte stärkte. Sie erlaubte ihm künftig, das Parlament aufzulösen, sofern innerhalb von sechs Monaten Neuwahlen stattfanden. Außerdem konnte nun der bereits in der Verfassung von 1906 vorgesehene Senat eingerichtet werden, dessen sechzig Mitglieder zur Hälfte der Schah ernennen durfte. Britische und amerikanische Diplomaten kamen zu dem Schluss, Mohammad Reza habe das Attentat für einen royalistischen Staatsstreich genutzt.
Gegen diesen wachsenden Machtanspruch trat ein Politiker auf, der nach Reza Schahs Sturz ebenfalls ins öffentliche Leben zurückgekehrt war: Mohammad Mossadegh. Er bestand darauf, dass der Schah nach dem Vorbild europäischer konstitutioneller Monarchien herrschen, die Regierung jedoch dem Parlament überlassen sollte. Er warf Mohammad Reza vor, über die Armee in Wahlen einzugreifen und damit die Verfassung zu unterlaufen.
Damit verschob sich der Konflikt erneut. 1941 hatten britische und sowjetische Soldaten Reza Schahs persönliche Herrschaft beendet. Acht Jahre später stritten iranische Politiker bereits darum, wie viel Macht sein Sohn wieder an sich ziehen durfte.
Sehr bald sollte dieser Streit mit einer zweiten Frage zusammenfallen, die seit Jahrzehnten das Verhältnis Irans zu Großbritannien belastete: Wem gehörte das iranische Öl?
Zum Weiterlesen
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Ervand Abrahamian: A History of Modern Iran – Sozialgeschichtlich fundierte Gesamtdarstellung, besonders stark in der Analyse von Staatsstruktur und Klassen.
Homa Katouzian: State and Society in Iran – Begründet die These von der strukturellen Schwäche des iranischen Staates im historischen Längsschnitt.
Bildnachweis
Titel: Die Amtseinführung von Mohammad Reza als Schah von Iran in der Nationalversammlung, 17. September 1941.
Alle Bilder gemeinfrei.




